Nuke-Club - Berlins letzter Rock-Club steht nach Kündigung vor dem Aus

Eingang zum Nuke Club (Quelle: rbb/Stefan Oberwalleney)
rbb/Stefan Oberwalleney
Video: rbb|24 | 29.6.2021 | Autoren: Stefan Oberwalleney, Grit Lieder | Bild: rbb/Stefan Oberwalleney

Der Berliner Nuke-Club muss aus seinen Räumen raus - laut Kündigungsschreiben schon innerhalb von sechs Wochen. Doch die Betreiber weigern sich aufzugeben. Sie suchen das Gespräch, aktivieren die Politik - mit kleinem Erfolg. Von Stefan Oberwalleney

Dem Nuke-Club in Berlin-Friedrichshain wurde Mitte Juni gekündigt – und zwar schon zum 31. Juli. Die Kündigung kam ausgerechnet dann, als wegen sinkender Corona-Infektionszahlen und damit einhergehender Lockerungen sich endlich wieder Hoffnung im Nuke breit machte. Schließlich war der Club wegen der Pandemie über Monate dicht.

Dass die Betreiber da überhaupt noch einen Teil der Miete zusammenbekamen, verdankten sie den Spenden eingefleischter Clubgänger. Das Geld wurde an den Besitzer der Räumlichkeiten überwiesen - der S Immo Investitions GmbH. Nun steht der beliebte Rock-Club vor dem Aus. Wie konnte es soweit kommen?

Vertrag mit extrem kurzer Kündigungsfrist

Die schwierige Situation für die Betreiber war kein Geheimnis. Mehrmals habe man das Gespräch mit dem Vermieter gesucht, heißt es von Clubseite. Doch die Bemühungen seien im Leeren verlaufen.

Die Immobilien-Firma S Immo übernahm das Gelände 2014 und überließ die Räume den Altmietern nur unter der Bedingung einer sehr kurzen Kündigungsfrist: sechs Wochen.

Rechtlich ist an der Kündigung somit nichts zu rütteln, das wissen auch die Nuke-Geschäftsführer Tino Zaddach und Nicola Stolte. Dennoch sei die Kündigung "wie ein Schlag in die Magengrube" gewesen, sagt Zaddach. Stolte fügt im Gespräch mit rbb|24 hinzu: "Es gab keinerlei Vorwarnung."

Die Kündigung des Nukes ist kein Einzelfall: Auch den Berliner Technoclub Griessmühle hatte die Immobilienfirma S Immo kurzerhand vor die Tür gesetzt. Doch damals habe der Vermieter ihnen versichert, dass das Schicksal der Griessmühle ein Einzelfall gewesen sei, sagen Zaddach und Stolte.

"Das Nuke ist wie eine Familie"

Am Ende gab es auch ein Treffen mit mit dem Geschäftsführer von S Immo in Deutschland. Zaddach und Stolte hätten dabei aber eher den Eindruck gehabt, dass das Treffen nur erfolgt sei, um den Auszug zu beschleunigen.

Einen Club auflösen, eine neue Immobilie finden, und das alles in sechs Wochen. Aufgeben? Das kam für die beiden Geschäftsführer nicht in Frage, sagen sie. Zu groß sei die Verbundenheit an den Club, an die Gäste, die wie Familie seien. Auch am vergangenen Samstagabend, als Gäste das Nuke besuchen, fällt immer wieder das Wort: "Familie".

Petition sammelt 12.000 Unterschriften - Lederer vermittelte Gespräch

Zaddach und Stolte starteten jüngst eine Petition mit großem Erfolg. Innerhalb von nur einer Woche sammelten sie rund 12.000 Unterschriften zum Verbleib des Nuke. Dazu passend gab es auch einen emotionalen Livestream zwischen Club-Betreibern und Unterstützern. Fans des Clubs sprachen in dem Stream davon, das Unmögliche möglich machen zu wollen. Dazu gehöre mit Politiker zu sprechen und nach geeigneten Immobilien zu suchen.

Der Fall Nuke hat inzwischen auch Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) auf den Plan gerufen. Auf seine Initiative hin trafen sich die Beteiligten am Montag zu einem weiteren Gespräch beim Kultursenator.

Und offenbar hat sich die S Immo erweichen lassen: Zwar ist die Kündigung nicht vom Tisch, aber zumindest gebe es eine Fristverlängerung, sagen Zaddach und Stolte. Inzwischen ist aber auch klar, was der Immobilienbetreiber mit den bald frei werdenden Räumen vorhat. "Wir planen Büro- und Co-Working-Flächen", hieß es auf Nachfrage von rbb|24.

Bis Jahresende haben Zaddach und Stolte nun Zeit, einen neuen Standort für das Nuke zu finden. Das sei jetzt zwar "kein Traumergebnis, aber immerhin eine Perspektive", sagt Zaddach.

Sendung:

Beitrag von Stefan Oberwalleney

7 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 7.

    Elektro Monokultur regiert Berlin schon lange.
    Instrumente kann ja auch kaum einer mehr. Aber Hauptsache billig, wie beim Klamotten kaufen. Gibt nur keiner zu.

  2. 6.

    Büro und Co-Working Places braucht in Berlin keiner…. Die ganze Stadt ist voll mit dem Mist.
    Diese Immo Blase ist einfach nur Abturn für Berlin. Gründet eure … Startups einfach woanders und lasst die Clubs leben. Berlin ist nur noch ein Hippie statt. Das hat nichts mehr mit dem Berlin von 2000 zu tun.

  3. 5.

    Ich nehme das Nuke mehr als Gothic-Club wahr, und auch auf diesem Gebiet gibt es als dauerhafte Einrichtung leider keine Alternative (mehr) in Berlin. Es geht also um zwei (sub)kulturelle Szenen, die vom Aus des Nuke betroffen sind.

    Nachdem das K17 von den heutigen Betreibern übernommen und daraus das Nuke wurde, ist der Schwerpunkt zwar tatsächlich mehr in Richtung der rockigen Sounds und deren Fans übergegangen, aber das tolle an diesem Club war für mich schon immer, dass diese beiden Szenen - die Grufties und die Heavies - dort ein regelmäßiges und dauerhaftes Zuhause zu fairen Preisen haben und sich dort auch so prima miteinander verstehen, was keine Selbstverständlichkeit ist.

    Ich hoffe sehr, dass das Nuke ein neues Zuhause findet und dass Klaus Lederer und auch gerne weitere Politiker/innen da ein ihren Einfluss und ihre Beziehungen spielen lassen.
    Alternative: Musik hören, tanzen und Bier trinken in Park, Wald, Industrieruinen - das will auf Dauer keiner :-(

  4. 4.

    Kann ich verstehen. Der Besitzer möchte die Gebäude noch schnell teuer als Eigentumswohnung an Ahnungslose verkaufen bevor in ein paar Jahren die Bauarbeiten zur A100 direkt hinterm Haus beginnen und den Wert des Investments senken. Schlau der Typ!
    Die, die dort jetzt die nobeln Wohnungen gekauft haben, werden sich noch wundern, wenn in 10 Jahren (Zeit vergeht schneller als man denkt) stinkende LKWs und Automassen am Balkon vorbeiziehen. Zusätzlich zu Zügen und SBahn.
    Und dann sind laute Clubs wieder gern gesehene Mieter, da jeder dort nur noch weg will.

  5. 3.

    Für elektronische Musik gibt es massenhaft Clubs bzw. Veranstaltungen. Rockmusik mit klassischen Instrumenten hingegen führt ein Schattendasein. Dabei gibt es jenseits der Techno- und Hiphop-Szenen auch noch etliche Musikfans.
    Der Nuke Club (früher K17) war zwar kein Club, in dem ich mich wohlgefühlt habe, dennoch finde ich es schade, wenn vielen nun der Stammclub wegbricht.

  6. 2.

    Was will man von Immobilienheuschrecken erwarten.

  7. 1.

    Und die Leute wundern sich, warum immer mehr im Park gefeiert wird. Wenn auch noch die letzten Clubs schließen müssen, werden Partys auf Friedhöfen und Parkplätzen zur neuen Normalität gehören. Danke Immobilienhaie!

Nächster Artikel