Verein hofft auf neuen Betrieb - Bezirk sträubt sich gegen Wiederbelebung des Monbijou-Theaters

Monbijou Theater (Quelle: imago-images.de)
Audio: Inforadio | 18.06.2021 | Oliver Kranz | Bild: www.imago-images.de

Vor zweieinhalb Jahren wurde das Amphitheater aus dem Monbijoupark eingemottet: Nach internen Streits wollte der Bezirk das Theater "auf neue Füße stellen". Doch noch immer steht nichts - obwohl ein Verein die Wiederbelebung vorantreibt. Von Oliver Kranz

Jahrelang war das Monbijou-Theater eine Attraktion in Berlin-Mitte. Gleich an der Museumsinsel zog das hölzerne Amphitheater immer im Sommer Touristen an, aber auch bei Berlinerinnen und Berlinern war die Einrichtung sehr beliebt. Doch dann gab es interne Konflikte und Anschuldigungen gegen den Theaterdirektor Christian Schulz. Es ging um die Erlöse und den Führungsstil - am Ende brach das Ensemble auseinander.

Der Bezirk entzog Schulz schließlich die Duldung und genehmigte ein anderes Theater [berlin.de] - das Projekt scheiterte allerdings. Nachdem das Amphitheater zweieinhalb Jahre eingelagert war, bemüht sich nun ein Verein darum, das Theater im Park wieder aufbauen zu dürfen. Im Bezirk Mitte regt sich aber offensichtlich Widerstand.

"Dieser Park braucht dieses Theater"

Unterstützt wird das Projekt des Vereins "Einfach machen 21" vom früheren Theater-Direktor Christian Schulz: "Dieser Ort hat einen so großen Zuspruch in der Bevölkerung", betont er. "Unabhängig von irgendwelchen Streitereien zwischen mir und meinen früheren Kollegen: Das ist ein kultureller Wert, dieser Park braucht dieses Theater - das muss bleiben."

Schulz selbst war in die Kritik geraten, weil er Absprachen mit dem Bezirk nicht eingehalten hatte. Andererseits hat er mit dem Monbijou-Theater und den benachbarten Märchenhütten außerordentlich beliebte und erfolgreiche Kulturinstitutionen geschaffen.

"Diese Bauten haben funktioniert"

"Das Ziel ist der Erhalt dieses Kulturstandorts, aber auch die Weiterentwicklung", sagt Irmelin Beringer, die Vorsitzende des Vereins "Einfach Machen 21", der das Theater neu installieren möchte. "Wir wollen neue Formate, weil nachmittags und vormittags die Bühne immer frei gewesen ist. Natürlich auch bewährte Volkstheaterstücke und Komödien, wie es immer war, aber auch Improvisationstheater und Gastspiele und die ganzen Studenten von den verschiedenen Hochschulen, also von den darstellenden Künsten, Hanns Eisler, die sollen dort auch eine Auftrittsmöglichkeit haben."

Der Verein möchte das alte hölzerne Amphitheater wieder aufbauen. Es gehört Christian Schulz, der selbst nicht Vereinsmitglied ist, sich aber bereit erklärt hat, das zurzeit noch zerlegte Gebäude zu vermieten. "Diese Bauten haben funktioniert und waren magnetisch und sind auch so wahnsinnig raffiniert, schlicht und schön und improvisiert", sagt Irmelin Beringer. "Das tut diesem Berlin-Mitte so gut, der nur noch aus Beton, Stahl, Glas besteht. Es gibt ja gar keinen Ort mehr, der so lebendig ist, wo viel passieren kann."

Irmelin Beringer verweist auf die Oranienburger Straße, die seit der Schließung des Kunsthauses Tacheles bereits viel von ihrem Charme verloren hat. Das Monbijou-Theater könnte dem Prozess entgegenwirken.

Stille im Bezirksamt

Doch die Sache ist nicht ganz so einfach, sagt Irmelin Beringer: "Es liegt schon seit zwei Wochen ein Antrag ans Grünflächenamt vor. Es liegt ein Antrag an die Humboldt-Universität vor, die auch signalisiert und geschrieben hat, dass sie wie in früheren Jahren das auch an uns gern verpachten würde. Aber sie brauchen den politischen Wink des Bezirksamts."

Die Humboldt-Universität ist Eigentümerin der Fläche, das Bezirksamt müsste den Betrieb genehmigen oder - wie früher - einfach dulden. Doch die Verantwortlichen hüllen sich in Schweigen.

Schriftlich teilte das Bezirksamt dem rbb mit, dass das Bunkerdach, auf dem das Monbijou-Theater bisher stand, als Grünfläche gilt. Eine Theaternutzung sei planungsrechtlich nicht zulässig. Tatsächlich können fliegende Bauten, die nach einer festgesetzten Zeit wieder abgebaut werden, sehr wohl genehmigt oder zumindest geduldet werden.

Detlef Gericke, der früher verschiedene Goethe-Institute leitete und sich jetzt für den Verein "Einfach Machen 21" engagiert, äußert Unverständnis: "Anderthalb Jahre Corona-Pandemie sind nahezu besiegt. Man kann wieder raus. Die Leute hungern danach, aus der Einsamkeit herauszukommen, in der viele versunken sind. Und da hat man so einen Raum, könnte ihn nutzen und zwar sofort und man rückt nicht heraus mit den Genehmigungen. Es ist unbegreiflich."

Strandbar könnte nötige Mittel erwirtschaften

Zumal das Theater keinerlei öffentliche Gelder brauchen würde, die notwendigen Mittel könnten wie in früheren Jahren durch eine Strandbar erwirtschaftet werden. "Die ist unauffällig integriert in die äußere Wand von dem Amphitheater", betont Beringer. "Das hat sich bewährt, das ist total unauffällig und das braucht auch diese Kapazität, weil von der Tanzfläche kommen die ganzen Salsa- und Tango-Leute und wie sie alle heißen." Denn auf der benachbarten Spreepromenade finden Open-Air-Tanzveranstaltungen statt.

In seinen Plänen für eine Neustrukturierung war das Bezirksamt allerdings explizit auf die Gastronomie eingegangen. Diese dürfe "zukünftig nur so viel Fläche des Parks in Anspruch nehmen, wie für den Betrieb des Theaters tatsächlich erforderlich ist". Während des Betriebs hatte es immer wieder Beschwerden über Lärmbelästigung von Anwohnern gegeben.

Beseitigungsanordnung für die Gerüste

Zwei Wochen würde es dauern, bis das Theater wieder bespielbar wäre - eine Woche für den Wiederaufbau, eine für die Wiederaufnahmeproben von Produktionen des bisherigen Repertoires. Doch die zuständigen Politiker wollen das nicht. In dieser Woche wurde auf der Bezirksverordnetenversammlung von Mitte über das Monbijou-Theater beraten und erneut das Argument vorgebracht: Das Bunkerdach, auf dem die Bühne aufgebaut werden soll, gelte als Grünfläche.

Christian Schulz hatte die Bauteile der Bühne bereits auf dem Bunkerdach abgelegt. Vom Grünflachenamt hat er inzwischen eine Beseitigungsanordnung erhalten.

Beitrag von Oliver Kranz

7 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 7.

    Na ja, lebendig ist es dort, meist aber nur hirnlose Parties. Das Theater muß dort wieder hin, Herr Lederer und Co.!

  2. 6.

    Ach ja dit is Barlin, wa! Das gibt es vermutlich nur hier das ein altes Bunkerdach als Grünfläche gilt, absurd. Könnte man es doch bestimmt auch umwidmen, wenn man nur wollte. So passiert es doch mit vielen anderen Dingen auch. Auch hier wird mal wieder nicht der Wille des Volkes umgesetzt stattdessen sitzen die Grünen es aus. Alle habe es am 26. September in der Hand dieses zu ändern. Das Theater war immer eine tolle kulturelle Bereicherung nicht nur im Sommer auch im Winter mit den tollen Märchen die dort aufgeführt wurden. Ich hoffe das es weiter geht für euch.

  3. 5.

    Dieses Theater ist ein wichtiger Kulturstandort. Hier muss es wieder lebendig werden, wann wenn nicht jetzt?

  4. 4.

    @Kurt Wilhem, so funktioniert unsere Demokratie nicht. Dann hätten wir mehr Volksentscheide. Auch nicht immer von Vorteil, siehe GB und Brexit.
    Ausserdem wer sagt, dass die Mehrheit das Theater befürwortet. Die Anwohner ja offensichtlich schon mal nicht.

  5. 3.

    Das Theater ist eine notwendige Bereicherung an diesem Platz. Wenn der Bezirk sich so schwer tut dann sollte der Kultursenator das Thema an sich ziehen. Schließlich ist es ein Aushängeschild für die ganze Stadt.

  6. 2.

    Mitte wird Grün regiert. Noch weitere Fragen?

  7. 1.

    Was heißt, die zuständigen Politiker wollen das nicht? Die haben das zu machen, was die Bürger wollen! Hat man das immer noch nicht begriffen in Berlin? Aber wenn es partu nicht geht, mit dieser Kaste, es sind bald Wahlen und davor hat so mancher Politiker Angst!

Nächster Artikel