Neue Nationalgalerie öffnet für Publikum - Originalgetreu und zugleich "taufrisch"

Eingang zur Neuen Nationalgalerie am Potsdamer Platz, Kulturforum, Berlin-Tiergarten. (Quelle: rbb/A. Bonhage)
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Bild: rbb/A. Bonhage

Sechs Jahre lang wurde sie saniert, am Wochenende hat die Neue Nationalgalerie erstmals die Pforten für ihr Publikum geöffnet. Die Besucher kamen aus den unterschiedlichsten Gründen - und waren begeistert. Von Antje Bonhage

Schon von Weitem sieht man der Neuen Nationalgalerie die Renovierung an. Die riesigen Glasfronten wirken transparent wie lange nicht. Man schaut regelrecht durch das Gebäude hindurch. Das Dach scheint zu schweben auf den schlanken schwarzen Stahlträgern – ein erhabener Anblick. Wirklich: ein Tempel der Moderne.

Vor dem Haupteingang an der Potsdamer Straße hat sich am Wochenende eine Menschenschlange gebildet, wohl erstmals wieder seit 2015, seit das Museum sanierungsbedingt für das Publikum geschlossen war.

Die Besucher sind aus unterschiedlichen Gründen gekommen

Eine ältere Berlinerin ist hier, weil sie das Museum unbedingt einmal ganz leer sehen wollte. Und sie freue sich, nach dem Lockdown nun endlich mal wieder Kultur zu erleben. Ihr zuliebe sind Mann und Tochter mitgekommen. Sie interessiere sich eigentlich nicht für Architektur, erzählt die Tochter. Aber es handele sich immerhin um "ein Berliner Denkmal". Und vielleicht lohne es sich ja doch, einmal die unbespielten Räume zu sehen.

Das Einlasspersonal überprüft die Tickets. Das Kontingent war begrenzt: Rund 3.200 wurden für die drei Tage ausgegeben, für etwas mehr als 1.000 Besucher pro Tag. Und dann steht man in der Haupthalle. Im Inneren eines Gebäudes und doch mitten in der Stadt. Durch die Fenster sieht man den Potsdamer Platz, die Staatsbibliothek und die Philharmonie, die Matthäuskirche, die Gemäldegalerie, die Straße und die Bäume entlang des Landwehrkanals.

Das Außen im Innen

"Krass" sei dieser Eindruck, draußen zu sein, obwohl man sich in einem Innenraum befinde, schwärmt ein junger Architekturstudent. Er ist mit einer Kommilitonin gekommen. Auch sie findet diese Gefühl "richtig cool". Eine andere Besucherin, die bereits 1968 die Eröffnung der Neuen Nationalgalerie mitbekommen hat, ist von den neuen, ganz besonders transparenten Glasscheiben begeistert. Sie erlebe das Gebäude dadurch noch einmal völlig neu.

Tatsächlich hatten sich die Gläser in den letzten Jahren gelblich, grünlich, bläulich verfärbt. Immer wieder gingen Scheiben zu Bruch. Ein einziger Glashersteller aus China konnte die überdimensionalen Scheiben in einer Breite von bis zu 3,43 Meter liefern. Weil sich die Stahlrahmen über die Jahre verzogen hatten, hat jede Scheibe ein individuelles Maß.

Neue Nationalgalerie am Potsdamer Platz, Kulturforum, Berlin-Tiergarten. (Quelle: rbb/A. Bonhage)

Glitterdecke in der Haupthalle

Auch Joachim Jäger, Leiter der Neuen Nationalgalerie, ist vom Ergebnis der Sanierung angetan. Er weist nach oben auf die schwarze Gitterdecke der Haupthalle. Die komme jetzt mal richtig zur Geltung. Später würde dort überall Ausstellungsbeleuchtung hängen, die Decke sei dann quasi zugehängt. In diesem "reinen Zustand" erlebe man sie nur selten. Das Haus sei "taufrisch", trotz originaltreuer Sanierung, sagt Jäger.

Die unbespielten Ausstellungsräume im Untergeschoss

Die Treppe hinunter gelangt man ins Untergeschoss. Hier sind die Ticketschalter, die Cafeteria, die neue Garderobe und die Ausstellungsräume. Er könne es noch gar nicht so recht fassen, jetzt endlich einmal in der Neuen Nationalgalerie zu sein, sagt ein Mann. Er sei aus Stuttgart nach Berlin gekommen und habe das Museum bisher nur als Baustelle gekannt. Und seine Begleiterin ergänzt: "Es ist ein bisschen komisch, durch die völlig leeren Ausstellungsräume zu gehen." Aber es sei auch eine spannende Erfahrung.

Foto von Michael Weseley in der Neuen Nationalgalerie (Quelle: rbb/A. Bonhage)

Fotos von Michael Weseley und Architektur pur

Nur in der Treppenhalle sind während der Tage der Offenen Tür ein paar Kunstwerke zu sehen. Darunter eine Handvoll Bilder des Fotografen Michael Weseley. Er hat die Sanierungsarbeiten in einem Langzeitfotoprojekt dokumentiert: Mehrere Jahre lang schoss er täglich von Sonnenauf- bis -untergang jede Minute ein Bild.

Ansonsten aber erlebt man an diesen Tagen Architektur pur. Klare Linien, schlicht und doch edel wirkende Materialien. "Alles vom Feinsten", lobt ein älterer Herr, der hier schon viele Ausstellungen gesehen hatte. Ohne Kunstwerke an den Wänden und Besuchergedränge merke man erst, wie groß und weitläufig die Räume seien.

Das Publikum zeigte sich durchweg begeistert von diesem Gebäude aus der Vergangenheit, das weit in die Zukunft weist. In diesem Sinne sind die Tage der Offenen Tür ein großer Erfolg. "Wie schön", sagt eine Frau beim Hinausgehen, "dass es die Neue Nationalgalerie jetzt wieder gibt."

Sendung: rbbKultur, 07.07.2021, 07:00 Uhr

Beitrag von Antje Bonhage

2 Kommentare

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  1. 2.

    Ich dachte erst, dass das der Eingang vom BER ist....

  2. 1.

    Schade, ich hatte leider keine Zeit. Ich freue mich schon sehr auf die erste Ausstellung.

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