Literaturfestival - Lit Potsdam zwischen Identitätspolitik und Klimawandel

LIT:potsdam (Quelle: Antonia Jacobsen)
Audio: Inforadio | 01.06.2021 | Ute Büsing | Bild: Antonia Jacobsen

Corona zum Trotz: Am Dienstag beginnt das kleine feine Literaturfestival Lit Potsdam komplett analog in den weiträumigen Gartenanlagen der Stadt. Bis zum 6. Juni kommen Schriftsteller und Wissenschaftler zusammen. Von Ute Büsing

Lauschige Parks wie der von Peter Jospeh Lenné gestaltete der Villa Jacobs sorgen bei der Lit Potsdam (Eigenschreibweise LIT:potsdam) für das besondere Flair. Dazu gesellen sich große Namen der Gegenwartsliteratur. Eva Menasse wird aus ihrem neuen Roman "Dunkelblum" lesen und mit Literaturkritiker Denis Scheck über die Untiefen der Identitätspolitik diskutieren. Daniel Kehlmann gibt in seiner Zukunftsrede "Mein Algorithmus und Ich" Einblicke in seine Erfahrungen im Silicon Valley.

Die Literaturagentin Karin Graf hat ein kleines kompaktes Literaturfestival geschaffen, das seit dem Sommer 2013 durch Eigenständigkeit besticht. "Wir rasen nicht den Novitäten nach und schließen uns auch nicht den Schriftstellern an, die gerade mit ihren neuen Büchern auf Tournee sind", erzählt sie. "Wir setzen Themen und gesellschaftspolitische Akzente auf unterhaltsame spielerische Weise."

In diesem Jahr bündeln sich die ausschließlich unter Einhaltung strikter Hygieneregeln und mit dem Einsatz eines ausgeklügelten Audiosystems im Freien abgehaltenen Veranstaltungen unter dem bei Jane Austen entliehenen Motto "Verstand und Gefühl". Ist dieses Begriffspaar auch aus dem frühen 19. Jahrhundert, die von Graf eingeladenen Schriftsteller laufen zu brandaktuellen Themen wie Identität, Klassengesellschaft und Klimawandel auf. Jeweils in Paarungen kommen sie zusammen: Junge, wie Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo ("Adas Raum") und Mithu Sanyal ("Identitti"), oder Ältere, wie die aktuelle Bachmann-Preisträgerin Helga Schubert ("Vom Aufstehen") und der mit "Der Vorleser" berühmt gewordene Bernhard Schlink ("Abschiedsfarben").

Literatur in den Schulen und Bücherfest

Harald Martenstein ("Wut") und Julia Friedrichs ("Working Class: Warum wir Arbeit brauchen, von der wir leben können") arbeiten sich am "Klassismus" in Deutschland ab. Außerdem mit dabei: Krimi-Altmeisterin Ingrid Noll und Buchpreisträger Lutz Seiler, der erstmals aus neuen Gedichten vortragen wird. Zum Thema Klimawandel treffen der Medizin-Entertainer Eckart von Hirschhausen ("Mensch, Erde! Wir könnten es so schön haben") und der Potsdamer Klimaforscher Johan Rockström zusammen.

Der Lit Potsdam ist es außerdem auch gelungen, in den Schulen anzukommen, worüber sich Veranstalterin Karin Graf besonders freut. "Es gibt unglaublich viele Schullesungen und viele der Autoren aus dem Erwachsenenprogramm gehen auch in die Schulen."

Der Kindertag der Lit Potsdam beginnt am Montag bei freiem Eintritt um 13:30 Uhr im Treffpunkt Freizeit.

Sollte die vom Land Brandenburg zugelassene Besucherzahl der übrigen Veranstaltungen bei 100 bleiben, dann sind sie bereits alle ausverkauft. Aber auch beim abschließenden Bücherfest im Kulturquartier Schiffbauergasse am kommenden Sonntag gibt es Lesungen und Diskussionen bei freiem Eintritt für Getestete, Geimpfte und Genesene.

Sendung: Inforadio, 31.05.2021, 13:48 Uhr

Beitrag von Ute Büsing

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