Auszeichnung im Humboldt-Forum - FAZ-Herausgeber Kaube gewinnt mit Hegel-Buch Deutschen Sachbuchpreis

Der Gewinner des Deutschen Sachbuchpreises, Jürgen Kaube, hält sein Buch "Hegels Welt" in den Händen
dpa
Audio: Inforadio | 15.06.2021 | C. Orlowski | Bild: dpa

Bücher, die die Welt erklären und Impulse zu aktuellen Debatten geben - um solche ging es am Montagabend bei der Wahl zum Deutschen Sachbuchpreis im Berliner Humboldt-Forum. Gewonnen hat letztlich ein Werk über den Philosophen Hegel. Von Corinne Orlowski

Buchpreise für deutschsprachige Literatur gibt es unzählige. Die Liste der Auszeichnungen für Sachbücher hingegen ist kurz. Dabei sind sie in Zeiten von Fake News und Wissenschaftsfeindlichkeit für die Demokratie wichtiger denn je.

Das dachte sich auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, genauer die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins zusammen mit der Deutschen Bank und dem Humboldt Forum, als sie den Deutschen Sachbuchpreis ins Leben gerufen haben. Von nun an wird er jährlich von einer siebenköpfigen Jury ausgewählt. Unter ihnen die Journalistin Kia Vahland: "Ich glaube, wir haben alle gerade wieder ein Bedürfnis nach dieser Tiefe, danach Dinge wirklich zu verstehen und nicht einfach zu allem ganz schnell eine Meinung zu haben, sondern wirklich zu einem begründeten Urteil zu kommen."

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Preisverleihung ohne Publikum

Eigentlich sollte der Sachbuchpreis schon im vorigen Sommer zum ersten Mal vergeben werden. Doch die Pandemie kam dazwischen. Am Montag war es dann im Humboldt Forum soweit. Es war die erste Veranstaltung im neuen Haus, noch ohne Publikum. Nur die Nominierten saßen mit wenigen Gästen feierlich an runden Tischen im Saal.

Denis Scheck gehört zur hochkarätig besetzen Jury, die Preisgelder in Höhe von insgesamt 42.500 Euro vergeben durfte: "Meine Hoffnung für den Deutschen Sachbuchpreis ist genau die Hoffnung, die ja so schön in Erfüllung ging mit dem Deutschen Buchpreis, dass man nämlich die kostbare Ressource Aufmerksamkeit auf einige Titel, auf diese Shortlist, fokussiert und diese Bücher in die Debatte bringt, ins Gespräch bringt, dafür sorgt, dass sie massenhaft gekauft und gelesen werden und dass sich Menschen darüber kräftig in die Haare bekommen."

Denkbar große Bandbreite

Und die Aufmerksamkeit möchte der Sachbuchpreis auf die wissensorientierten Bücher lenken, die zu einer differenzierten Auseinandersetzung anregen, die den öffentlichen Diskurs fördern und vor allem Urteilskraft schärfen. Dafür standen acht Titel auf der Shortlist. Prämiert, weil sie A Bezug zum Zeitgeschehen haben und deshalb Relevanz ausstrahlen und B, wegen ihrer erzählerischen Kraft.

Die Themen waren äußerst vielfältig: Von einer Menschheitsgeschichte der Flucht, Reflexion über Fremdheit und Ethnografie über gute Literatur und Freiheit im Allgemeinen sowie über wissenschaftlichen Spirit, Vergangenheitsbewältigung in China und einem großen Philosophen im Besonderen. Da Gemeinsamkeiten herauszufinden war gar nicht so einfach.

Preisträger reagiert überrascht

Jede Wahl wäre überraschend gewesen, jedem Buch hätte man die Auszeichnung gewünscht. Doch dass der FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube mit seinem Werk über den Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel gewinnen würde, das hätte auch der Autor selbst nicht gedacht: "Ich danke dieser Jury, dass sie meinte, diese Entscheidung fallen zu müssen. Ich bin überrascht, ich bin erfreut."

Die Verwunderung ist dem gestandenen Feuilletonisten anzusehen. Die Jury lobte ihn für seine ironische und liebevolle Distanz. Und auch wenn man es auf den ersten Blick nicht annähme, "Kaubes Buch 'Hegels Welt' ist Impulsgeber für uns heute", betont die Vorsteherin des Börsenvereins Karin Schmidt-Friedrichs in ihrer Laudatio. "Dieses sich Einlassen auf eine sich ändernde Welt macht Hegel so inspirierend für die Gegenwart, in der sich das unvoreingenommene Denken gegen falsche Gewissheiten, Wissenschaftsfeindlichkeit und Ausgrenzung von Schwächeren behaupten muss", so Schmidt-Friedrichs.

Ein Buch über eine Zeit des Umbruchs

Jürgen Kaube fasziniert die Figur Hegel, die alles auf eine Karte gesetzt habe: aufs Wissen. Und so kann man bei Hegel lernen, dass Denken eine gute Sache ist. Hegel sei ein Philosoph, der in unsere Zeit gehöre, weil er am Anfang dieser Zeit steht. Eine Zeit des Umbruchs, der wissenschaftlichen Innovationen und der Revolutionen.

Und dennoch, findet Jürgen Kaube selbst, sei es ein Buch über eine Zeit, die unserer Gegenwart doch sehr fern sei: "Hegel ist sicherlich eine Figur in der Geistesgeschichte, die doch irgendwie auch fern ist. Und er war auch ein bisschen selbst schuld daran, weil er sehr schwierig geschrieben hat. Das, was er unternommen hat, nämlich eine Theorie von Allem, das würde sich heute niemand mehr zumuten, wenn er bei Verstand ist oder wenn sie bei Verstand ist."

Sendung: Inforadio, 15.06.2021, 07.00 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    An dieser Entscheidung sieht man wie langweilig und uninspiriert dieser Preis und die Lobby dahinter ist

  2. 1.

    Zitat: Hegel ist ein Philosoph, der in unsere Zeit gehört“. Besser kann man es nicht ausdrücken!

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