Rund 20.000 Besucher - Großer Andrang beim ersten eintrittsfreiem Sonntag in Berliner Museen

Archivbild: Ein Mann betrachtet in der Gemäldegalerie vor der Ausstellung "Zwischen Kosmos und Pathos - Berliner Werke aus Aby Warburgs Bilderatlas Mnemosyne" ein Gemälde von Rembrandt mit dem Titel "Raub der Proserpina". (Quelle: dpa/Wolfgang Kumm)
Audio: Inforadio | 05.07.2021 | Carmein Gräf | Bild: dpa/Wolfgang Kumm

Einmal im Monat ist seit Neuestem der Besuch der Berliner Museen kostenlos. Beim ersten eintrittsfreien Sonntag kamen rund 20.000 Menschen - aus ganz unterschiedlichen Gründen. Von Carmen Gräf

Schwere Atemzüge dringen aus Boxen. Das Museum ist aus einem tiefen Schlaf erwacht, so scheint die Soundinstallation von Marc Bauern in der Berlinischen Galerie die Lage zu kommentieren.

Am eintrittsfreien Museums-Sonntag ist der Andrang groß. Schon um 10 Uhr stehen die ersten Besucherinnen und Besucher vor der Tür. "Wir sind heute hier, weil eintrittsfreier Sonntag ist", sagt eine junge Frau mit Baby. "Ich auch", bestätigt ein anderer Besucher. "Ich bin so ein Schnäppchenjäger, ich bin ein typischer Berliner."

Große Ticket-Nachfrage

Erika Thomas ist mit ihrem Mann gekommen. Sie interessieren sich vor allem für die Architekturausstellung. "Die Baugeschichte Berlins, die Erinnerungen an eine vergangene Zeit, deswegen sind wir hier", erklärt sie.

"Wir sind restlos ausgebucht", sagt Christine von Haaren, die in der Berlinischen Galerie für Bildung und Reichweite zuständig ist. "Wir haben noch ein paar Tickets nachgelegt zum Ende der Woche, weil wir gemerkt haben, dass die Nachfrage so groß ist. "

Auch für die meisten anderen der etwa 60 mitmachenden Häuser war der eintrittsfreie Museums-Sonntag ein Publikumsmagnet. Rund 20.000 Besucher und Besucherinnen wurden gezählt, womit in den meisten Häusern die zulässigen Kapazitäten ausgeschöpft wurden.

Alle Beteiligten zeigen sich zufrieden mit dem Auftakt dieser Initiative von der Kultur-Senatsverwaltung zusammen mit der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie dem Berliner Museen-Landesverband. Das Ziel war es, die kulturelle Teilhabe zu stärken und Kultureinrichtungen für die ganze Gesellschaft zu öffnen, denn Eintritt in Museen könne eine Hürde sein für den Besuch darstellen, sagt von Haaren. Es gebe viele Menschen, die an Museen Interesse hätten, denen jedoch der Eintritt zu teuer sei.

Museums-Hopping sehr willkommen

Cornelia Weigert gehört dazu. Sie ist mit einer Freundin speziell für diesen Tag aus Magdeburg angereist. Beide waren noch nie in der Berlinischen Galerie. "Interessant fanden wir," sagt sie, "dass es früher mal ein Glaslager war und dass man daraus so eine schöne Galerie gemacht hat." Die beiden Freundinnen wollen den eintrittsfreien Sonntag effektiv nutzen und noch ein anderes Museum besuchen.

So machen es auch viele andere und gehen ein paar Hundert Meter weiter ins Jüdische Museum.
Dort erzählt eine junge Berlinerin, dass sie die neue Dauerausstellung noch nicht kenne. Sie findet es spannend, dass sie so vieles über das Judentum erfahre, das über den Nationalsozialismus hinausgehe. "Darüber wusste ich nicht viel", sagt sie.

Ein Besucher aus Frankreich zeigt sich beeindruckt von den Aktivitäten der Untergrundbewegung, aber auch von der Schilderung der Entstehung des Antisemitismus. "Das hat uns sehr bewegt."

Manche Besucher und Besucherinnen sind zufällig im Haus, die meisten jedoch wegen des freien Eintritts. "Wir habe drei Enkel und keine üppige Rente - da kommt uns das sehr entgegen," sagt eine ältere Frau. Sie hoffe, dass das noch lange so bleibe mit dem eintrittsfreien Sonntag.

Der nächste Termin ist am 1. August.

Sendung: Inforadio, 05.07.2021, 10:40 Uhr

Beitrag von Carmen Gräf

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