Hansa-Viertel und Karl-Marx-Allee - Berlin bewirbt sich um Welterbe mit 50er-Jahre-Architektur

Berlin bewirbt sich mit der Karl-Marx-Allee und dem Hansaviertel um den UNESCO Weltererbe-Status. (Quelle: dpa/Behring/imago images/Ritter)
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Video: rbb|24 | 04.08.2021 | Material: Abendschau | Bild: dpa/Behring/imago images/Ritter)

Wie unterschiedlich Städtebau nach dem Zweiten Weltkrieg in Ost- und West-Berlin gedacht wurde, zeigen das Hansa-Viertel und die Karl-Marx-Allee. Mit der Architektur der Nachkriegsmoderne bewirbt sich Berlin jetzt ums Unesco-Welterbe.

Mit zwei Beispielen städtebaulicher Nachkriegsmoderne - eins aus dem Ost-, eins aus dem Westteil der Stadt - will sich Berlin ums Welterbe bewerben. Die deutsche Hauptstadt will die früheren DDR-Wohngebiete an der Karl-Marx-Allee und das Hansa-Viertel im Westen auf der prestigeträchtigen Liste der Unesco unterbringen.

Mit den seit Jahren diskutierten Plänen befasst sich an diesem Dienstag der Senat. "Karl-Marx-Allee und Interbau 1957 - Architektur und Städtebau der Nachkriegsmoderne" soll ins Verfahren für Deutschlands sogenannte "Tentativliste" für die Unesco. Auf dieser Liste werden bundesweit Kulturgüter gesammelt, mit denen sich Deutschland um den Welterbe-Status bewerben will.

Architektonische Zeugen des Kalten Krieges

Die mächtigen Gebäudeensemble an der gut zwei Kilometer langen, heute nach Karl Marx benannten Allee unweit des Alexanderplatzes sind geprägt von sozialistischem Klassizismus und zeigen Anklänge an preußische Architektur.

Das Hansa-Viertel am Rand des Tiergartens steht dagegen für dezentrale Pläne im West-Berlin der Nachkriegszeit mit von Grün umgebenen Wohnblöcken - entworfen von damaligen Star-Architekten wie Walter Gropius, Max Taut oder Oscar Niemeyer im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 1957.

Beide Städtebau-Projekte - die Wohngebiete an der damals noch Stalinallee genannten Prunkstraße und das Hansa-Viertel - wurden nahezu gleichzeitig gebaut - und in Konkurrenz zueinander. Als architektonische Zeugen des Kalten Krieges spiegeln sie das Ringen der politischen Systeme um repräsentatives Bauen.

Berlin hofft auf Welterbe-Status für Karl-Marx-Allee und Hansaviertel

Welterbe-Status kommt frühestens 2024

Die weiteren Vorbereitungen für die Bewerbung bei der Unesco nehmen allein auf deutscher Ebene etwa drei Jahre in Anspruch. Werden die strengen Vorgaben erfüllt, könnten die Projekte 2024 als Vorschläge bei der Welterbe-Kommission landen. Die internationale Kulturorganisation Unesco entscheidet nach Kriterien wie zum Beispiel wetweiter Einmaligkeit.

Schneller als Karl-Marx-Allee und Hansa-Viertel könnte die Waldsiedlung Zehlendorf ins Weltkulturerbe aufgenommen werden. Sie soll den bereits von der Unesco anerkannten Welterbe-Komplex "Siedlungen der Berliner Moderne" erweitern. Die nach einem Ausflugslokal auch "Onkel Toms Hütte" genannte Waldsiedlung Zehlendorf entstand zwischen 1926 und 1932. Sie passt aus Berliner Sicht in den schon bestehenden Welterbe-Komplex - durch ihre Nähe zur Gartenstadt-Bewegung und dem Konzept des gemeinnützigen Wohnungsbaus.

Wo Berlin schon Welterbe-Status hat

Bislang zählen dazu sechs Siedlungen, die zwischen 1913 und 1934 in der Hauptstadt errichtet wurden - und damals besonders innovativ waren:

  • die Gartenstadt Falkenberg in Treptow
  • die Schillerpark-Siedlung im Wedding
  • die Hufeisensiedlung Britz in Neukölln
  • die Wohnstadt Carl Legien in Prenzlauer Berg
  • die Weiße Stadt in Reinickendorf
  • die Großsiedlung Siemensstadt

Auf der Unesco-Liste stehen in Berlin außerdem die Museumsinsel sowie die preußischen Schlösser und Gärten im Südwesten der Stadt - ein Welterbe, an dem auch Brandenburg Teil hat unter anderem mit dem Schloss Sanssouci in Potsdam

Sendung: rbbKultur, Nachrichten, 06.07.2021, 9 Uhr

14 Kommentare

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  1. 14.

    Das "Welterbe" interessiert keinen, Stalinbauten vs Käsekästchen. Der Palast war ein Bau, oder die Deutschlandhalle.

  2. 13.

    Die Betonklötze in Form des Märkischen Viertels, in Form von Marzahn und Hellersdorf, in Form der Gropiusstadt, kamen erst später. Das Frankfurter Tor weist genauso eine sichtbare Gestaltung auf wie die fünf nebeneinander stehenden Hochhäuser, v. a. dasjenige, das dem Bahnhof und dem Schloss Bellevue am Nächsten steht.

  3. 12.

    Die Gegenüberstellung der zu Bauzeiten so bezeichneten Stalinallee, heute Karl-Marx-Allee, und des Hansaviertels ist nur konsequent. Soweit dies unbewertet geschieht, umso besser. Insofern ist die Bewerbung i. S. eines Weltkulturerbes nur folgerichtig.

    Aus der zeitlichen Distanz von heute heraus werden damit die Unterschiede im Städtebau deutlich, doch auch die Ähnlichkeiten. Ähnlich waren die überdimensionierten (Auto)Verkehrsanlagen, auseinanderfallend war der Hochbau: Gestaltete vor- und rückspringende Wohnwände, ein Autoverkehrskreisel mitsamt Springbrunnen und die Torsituation in Form des Frankfurter Tores einerseits, fünf aufragendende, gleich hohe Hochhäuser, jeweils individuell unterschiedlich in Form und Farbe, flankiert mit langgestreckten niedrigeren Bauten auf der anderen Seite.

    Beides hatte einen Vorführeffekt und wurde so mustergültig nirgendwo anders verwirklicht.

  4. 11.

    Warum sollen stalinistische Architektur, die keine dauerhafte Wohnqualität bietet, und tausendfach vorhandene Wohnblöcke des Internationalen Stils Weltkulturerbe werden? Das mindert den Wert des bisherigen Erbes deutlich. Die politische Konfrontation, aus der die Siedlungen entstanden, soll erinnert werden. das ist wichtig, Aber bitte nicht als Weltkulturerbe.

  5. 10.

    Es gab immer einen Wettbewerb zwischen Ost-und Westberlin. Der Osten legte vor mit der Stalinallee und der Westen konterte mit dem Hansaviertel. Selbst im Westen gab es eine Konkurrenz unter den Westmächten. Siehe Europacenter. Das wäre natürlich großartig wenn die erwähnten Protagonisten ins World Culture Heritage aufgenommen würden.

  6. 9.

    Um Himmels Willen. Reißt diese Platten endlich ab und baut was Vernünftiges hin. Diese Architekturunfälle gehören beseitigt.

  7. 8.

    Baugeschichtlich ist erstrebenswert diese Gebäude instand zu halten. Das gehört zur Baugeschichte! Schlimmer finde ich den Neokitsch, ein Schloss wieder aufzubauen, welches durch die „Geschichte“ nicht mehr existiert. Weltkulturerbe, weiß ich nicht so recht. Ich finde die Architektur schön.

  8. 7.

    Meines Erachtens reicht das zeugnis politischer Konfrontation und Reaktion für die Erklärung zum Welterbe nicht aus.
    Die Bauten in der Karl-Marx-Allee "sind geprägt von sozialistischem Klassizismus und zeigen Anklänge an preußische Architektur" heißt es im Artikel. Es sollte heißen "stalinistische Architektur der dreißiger Jahre". Was preußische Architektur sein soll, ist mir unbekannt. Den Ausdruck kenne ich nicht. Ich hoffe nicht, daß Schinkel herhalten muß. Beide Ensembles sind besondere Architekturen, aber so voller Mängel, daß sie schon deshalb diesen Status nicht erhalten sollten. Sie sind auch nicht einzig in der Form oder so. Meiner Kenntnis nach erfüllen sie schlicht nicht die Kriterien für Welterbe.

  9. 6.

    Es sollte wohl auch im Interesse der Mieter sein das Ihre Wohnungen und Häuser in einen vernünftigen Zustand sind und nicht verfallen . Ich spreche nicht von Luxussanierungen sondern von normalen Erhaltungsmaßnahmen die auch woanders üblich und notwendig sind . Das die Mieten in den bisherigen " Siedlungen der Berliner Moderne " ( Unesco Welterbe ) überdurchschnittlich gestiegen sind habe ich bisher noch nicht gehört . Ich lasse mich aber auch gerne eines besseren belehren .

  10. 5.

    Auch "potthässliche Betonklötze" spiegeln die Kultur einer bestimmten Zeit wieder, zumal das Hansa-Viertel ja noch andere Eigenschaften hat, als einfach nur "Betonklötze", da das Viertel ja im Rahmen der Interbau entstanden ist.

  11. 4.

    Bitte nicht, Weltkulturerbe heißt dann doch, dass das niemals saniert werden darf. Der normale Denkmalschutz verhindert ja schon jegliche bauliche Verbesserung in weiten Teilen der Stadt. Da braucht es nicht nochmal eine extra Schippe oben drauf.

  12. 3.

    Unesco-Weltkulturerbe....
    Aha...

    Ach man sollte den Mietern dann schon mal sagen, dass es in Zukunft teuer wird.
    Denn damit verbunden sind auch Auflagen zur Erhaltung.

  13. 2.

    War nicht auch mal der Flughafen Berlin - Tempelhof im Gespräch für ein zukünftiges Unesco Welterbe ??

  14. 1.

    Das Hansaviertel als weltkulturerbe? Das besteht doch nur aus potthässlichen beton Klötzen

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