Neue Ausstellung im Humboldt-Forum - "Hinter jedem schönen Elfenbeinobjekt steht ein toter Elefant"

Schmuckdose, Elfenbeinschnitzerei mit Metallbeschlag (Quelle: bpk / Museum für Asiatische Kunst, SMB / Jürgen Liepe)
bpk / Museum für Asiatische Kunst, SMB / Jürgen Liepe
Video: Abendschau | 19.07.2021 | Frank Drescher | Gespräch mit Maria Ossowski | Bild: bpk / Museum für Asiatische Kunst, SMB / Jürgen Liepe

Am Dienstag eröffnet das Humboldt-Forum, unter anderem mit einer Ausstellung zum heiklen Thema Elfenbein. Die Schau "Schrecklich-Schön" versucht, das schwierige Sujet mit der notwendigen Differenziertheit zu betrachten. Von Barbara Wiegand

Es ist klein - so klein, dass man es fast übersieht: Ein kunstvoll geschnitztes Mammut, das zu Beginn der Ausstellung im Humbold-Forum gezeigt wird. Um die 40.000 Jahre alt, markiert die kleine Figur die Anfänge der Kunst aus Elfenbein. Dahinter schimmern matt im Halbdunkel einige Mammut- und Elfenbeinstoßzähne in der Vitrine. Schon für sich imposant stehen sie exemplarisch für die Einzigartigkeit des Materials, um das es hier geht.

Götter und Menschen aus Elfenbein geformt sieht man hier. Drachenkämpfe, ganze Berglandschaften sind entstanden. Juwelendosen, reichverzierte, Kämme, Musikinstrumente, Billardkugeln. Es sind Leihgaben aus großen Museen in aller Welt, die hier zu sehen sind. Einfach schön und auch "schrecklich schön". So wie es im Ausstellungstitel heißt, ließen doch dafür unzählige Elefanten ihr Leben.

Ambivalenz rund ums Elfenbein

"Es geht eben nicht nur um das Schöne oder das Schreckliche, sondern es geht um 'schrecklich-schön'. Und Elfenbein ist eben ein Material, das dies in besonderer Weise verbindet. Und dieses Dreiecksverhältnis 'Elefant, Mensch, Elfenbein", das fächern wie hier auf", sagt Hartmut Dorgerloh, Intendant des Humboldt-Forums. "Das ist schwierig und das bleibt auch schwierig. Aber vielleicht gehen Besucherinnen und Besucher aus der Ausstellung raus und haben zum Beispiel das gelernt, was ich auch niemals werde wieder vergessen können: dass hinter jedem schönen Elfenbeinobjekt ein toter Elefant steht."

So hat man es sich hier als ambitioniertes Ziel gesetzt, all die Ambivalenz rund ums Elfenbein zu zeigen. Mit Objekten, mit Fotos, Infotexten und Tabellen, mit dokumentarischen Interviews und künstlerischen Installationen ist man dem Mythos Elfenbein auf der Spur, der immer auch mit dem Elefanten als Sinnbild für Größe und Stärke verbunden ist.

Ein altes Foto zeigt Menschen, die hinter einem Haufen von Elfenbein stehen - aus der Ausstellung "schrecklich schön. Elefant – Mensch – Elfenbein" im Humboldtforum (Bild: Humboldt Forum / KGPA Ltd / Alamy Stock Photo)Ein Foto aus der Ausstellung zeigt eine Gruppe von Kolonialisten und Sklaven vor einem Haufen Elfenbein.

Ausbeutung des schwarzen Kontinents

Immer begehrter wurde das bewunderte Elfenbein. Immer mehr Tiere wurden gejagt und getötet, in Afrika und Asien. Vor allem zu Kolonialzeiten entstand ein weltweiter Handel. Der Kurator der Schau, Daniel Tyradellis, sagt: "Elfenbein, das kann man sagen, war der Vorreiter der kapitalistischen Ausbeutung insbesondere des afrikanischen Kontinents. Weil das Interesse für das Elfenbein als das - wie es damals hieß - scheinbar beste dieses schwarzen Kontinents so groß war. Und dass es nun ausgerechnet weiß war und damit sozusagen gleichzeitig in der Konnotation, dass man annahm, dass die helle Hautfarbe höherwertiger sei als andere Hautfarben. So dass man das Elfenbein geradezu als Beispiel dafür in die westliche Zivilisation holte und dort weiterbearbeitete."

Das Atmen eines sterbenden Elefanten

So wird nicht nur die Kunst aus Elfenbein, sondern auch die kolonialen Kontexte zum Thema der multimedialen Schau gemacht. Aber es geht ebenso um den Elefanten selbst.

Je weiter die Besucher:innen in die Ausstellung hineingehen, desto lauter ist ein schweres Atmen zu hören. Es ist das Atmen eines sterbenden Elefanten, das einen auf dem ganzen Rundgang begleitet, die Tonspur einer künstlerischen Dokumentation, die in einem Kubus betrachtet werden kann. Sie ist beispielhaft für eine bisweilen etwas plakative, schlaglichtartige Annäherung an das komplexe Thema, die aber in ihrer Vielfältigkeit immer wieder beeindruckt. Es gelingt den Ausstellungsmachern gut, die schönen und die schrecklichen Seiten der Kunst aus Elfenbein zu zeigen.

Sendung: Inforadio, 19.07.2021, 09:00 Uhr

Beitrag von Barbara Wiegand

10 Kommentare

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  1. 10.

    Wovon schreiben Sie?
    Da gingen wohl mal wieder die Pfer..... äh ..... Elefanten mit Ihnen durch.
    So, nun sind anscheinend die Elefanten vor vielen Jahren ob des Elfenbeins bejagt worden, daraus wurde Kunstvolles gestaltet und das wir nun heute gezeigt.
    Den Elefanten kann man nicht mehr helfen. Vielmehr sollten Regierungen alles daran setzen, dass das abschlachten von Elefanten nur des Elfenbeins wegen, stärker kontrolliert wird und Wilderei unter schwere Strafen zu stellen.
    Ich freue mich auf die Ausstellung, auf die filigranen Arbeiten und der daraus resultierenden Kunst.

  2. 9.

    Genau. Eben noch ein Steak gegessen, danach für Elefanten geklatscht.
    Klar ist dieser Elfenbei-Klau schlimm, aber es gab und gibt ihn.
    Diese Ausstellung versucht sich dem Thema vernünftig zu nähern.
    Würde man morgen einen Elfenbein-Klauer in Ungarn zu 20 Jahren Haft verdonnern, würde das ganze Milieu dann wieder toben.

  3. 8.

    Elfenbein ist wunderschön. Ich mag die Kunst daraus. Die Kehrseite ist natürlich der Umgang mit den Elefanten. Aber der Mensch ist nunmal in vielen Punkten nicht unbedingt ein Gewinn. Man muss damit leben und umgehen. Die Ausstellung ist daher eine gute Gelegenheit, sich auch mit dieser Seite der Kultur auseinanderzusetzen.

  4. 7.

    Eine sehr gute Idee und reizvolle Ausstellung. Das Forum ist fantastisch und schon als Objekt einzigartig.

  5. 6.

    Ich finde es wunderbar, hier so viele Veganer*innen unter den Kommentatoren zu finden. :-) Denn alles andere wäre Heuchelei.

  6. 5.

    Ich kann kein Objekt, hinter dem ein getötetes Tier steht, als schön empfinden. Egal was.

  7. 4.

    Für mich ein Grund mehr, dieses Gebäude nie zu betreten. Gegenstände aus Elfenbein können beim Gedanken an das Töten von Elefanten und deren fast erfolgter Ausrottung bzw. starker Dezimierung und bis heute stattfindenden Wilderung nie "schön" sein.
    Irgendwie ist dieses "Forum" ein Ort der Renaissance von Verfolgung, Unterdrückung, Kolonialisierung, und Rassismus. Ziemlich Osbsolet in meinen Augen.

  8. 3.

    Wie heißt die Ausstellung? "Schrecklich schön"? Erinnert mich irgendwie an die Ausstellung "Entartete Kunst".

  9. 2.

    Die 'schönen Seiten der Kunst aus Elfenbein' - ? Mir wird übel bei dem Gedanken daran, bei wie vielen Besucher*innen diese Ausstellung Begehrlichkeiten wecken wird! Makabere Idee, anbetrachts dessen, dass der afrikanische Waldelefant kurz vorm Aussterben steht und wir alles andere als stolz auf die Menschheit sein können, was die enorme Destruktivität unserer Art betrifft.

  10. 1.

    Das wird dann ziemlich voll in der Ausstellung. Mit den vielen toten Elefanten, die dort auch noch stehen können

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