Ausstellungen 100 Tage kostenlos - Berliner Humboldt-Forum eröffnet mit Festakt für Besucher

Die Ausstellung "Nach der Natur" im Humboldt Labor des Humboldt Forums beim Präsentationstag vor der Öffnung des Humboldt Forums (Bild: dpa/Jens Kalaene)
Video: rbb|24 | 20.07.2021 | Material: Abendschau | Bild: dpa/Jens Kalaene

Sieben Jahre wurde am Humboldt-Forum gebaut - jetzt füllt es sich mit Leben. Am Dienstag dürfen erstmals Besucher in das neue Kunst- und Kulturzentrum im Herzen Berlins. Gleich sechs Ausstellungen erwarten sie.

Das Berliner Humboldt Forum öffnet am Dienstag erstmals seine Türen für Besucher. "Es fällt uns allen ein großer Stein vom Herzen, man wird es sicherlich plumpsen hören. Endlich offen – das kommt wirklich aus der Tiefe der Herzen aller Beteiligten. Wir warten einfach auf das Publikum", erklärte Generalintendant Hartmut Dorgerloh dem rbb.

Die Besucherinnen und Besucher werden erstmals das hohe Foyer mit seinem Kassetten-Glasdach, dem Medienturm und dem barocken Eosanderportal betreten können. Zu sehen sind dann Präsentationen über die 800-jährige Geschichte des Ortes, über die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt sowie über die Stadt Berlin.

Die größte der sechs aktuellen Ausstellungen ist "Berlin Global" über Berlin und die wechselseitigen Verbindungen und Vernetzungen der Stadt mit der übrigen Welt – historisch und aktuell. Weitere Schauen drehen sich um das Thema Elfenbein, um die Auswirkungen menschengemachter Umweltveränderungen sowie - speziell für Kinder - um die Kultur des Sitzens weltweit.

Außerdem will die Humboldt-Universität mit dem Humboldt-Labor dem Publikum Berliner Spitzenforschung vorstellen.

In den ersten 100 Tagen ist der Besuch der Ausstellungen kostenlos, Besucher müssen aber ein Zeitfenster buchen.

Streit um Sammlung

Zur feierlichen Eröffnung des knapp 680 Millionen Euro teuren Baus mit barocker Schlossfassade werden unter anderem Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) erwartet.

Weitere Teile des Humboldt Forums sollen in den kommenden Monaten öffnen, darunter das Ethnologische Museum. Dessen Sammlung hatte Kritik ausgelöst, weil es sich bei den Exponaten zum Teil um koloniale Raubkunst handelt. Viel Streit gibt es etwa um die Präsentation von Benin-Bronzen. Die ersten dieser Skulpturen sollen Mitte nächsten Jahres an Nigeria zurückgegeben werden.

Stadtschloss, Palast der Republik, Humboldt-Forum

Das rund 40.000 Quadratmeter umfassende Gebäude wurde vom italienischen Architekten Franco Stella entworfen und soll ein Zentrum für Kultur, Kunst und Wissenschaft sein. An drei Seiten des Gebäudes wurde das Berliner Stadtschloss, das dort einst stand, originalgetreu nachgebildet.

Die Berlin-Ausstellung im Humboldt Forum "Berlin Global" beim Präsentationstag vor der Öffnung des Humboldt Forums. (Bild: dpa/Jens Kalaene)Die Berlin-Ausstellung im Humboldt-Forum

Im Jahr 2009 machte die damalige schwarz-rote Koalition im Bundestag nach jahrelangen Diskussionen den Weg für den Wiederaufbau des Stadtschlosses frei. Nach dem Abriss des noch auf der Fläche stehenden und in der DDR errichteten Palasts der Republik wurde von 2013 bis 2020 am neuen Gebäude gebaut.

Der Abriss des historischen DDR-Gebäudes ist, neben der kolonialen Vergangenheit Preußens, einer der Hauptkritikpunkte, das die Gegner des Humboldt-Forums immer wieder auf den Tisch bringen. Initiative zum Wiederaufbau des Palasts der Republik sowie zum Abriss des Humboldt-Forums wollen auch bei der Eröffnung präsent sein.

Generalintendant Hartmut Dorgerloh versucht, die Gegner und Kritikerinnen mit ins Haus zu holen, und will den vielfältigen und diversen Künstlerinnen und Künstlern Berlins viel Raum geben. Denn das Humboldt-Forum verstehe sich nicht nur als Museum, sondern vor allem auch als Forum: "Von außen kritisieren ist einfach. Wir wollen gerne diese Kritik hier auch zukünftig verstärkt im Haus mit allen Beteiligten haben."

Mehrfach wurde die Eröffnung verschoben - erst bau-, dann coronabedingt. Im vergangenen Dezember erfolgte zunächst eine virtuelle Öffnung. Ursprünglich wurden für das Humboldt-Forum 552 Millionen Euro bewilligt. Im Projektverlauf wurde es jedoch immer teurer. Zuletzt wurde die Summe von 683 Millionen Euro genannt, wovon der Bund den Großteil trägt. Das Land Berlin beteiligt sich mit 32 Millionen Euro. Ein Förderverein hat zudem Spenden für die barocke Fassade gesammelt.

Vom Berliner Stadtschloss zum Humboldt-Forum

Sendung: Inforadio, 20.07.2021, 06:55 Uhr

47 Kommentare

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  1. 47.

    Klar DDR ganz ganz böse sein. Frage: An welche Verbrechen erinnert Sie die Kongresshalle im Tiergarten oder die Schloss-Atrappe gleich?

  2. 46.

    Wenn Argumente fehlen dann kommen Sie eben mit Beleidigungen. Auf nicht einen Punkt waren Sie in der Lage einzugehen.
    nicht darauf:
    selbst Architektur-Experten aus dem Westen dem Palast der Republik lobten
    darauf nichts:
    Zudem bliebt immer noch die Verschwendung von rund 1 Milliarde Euro
    nicht darauf:
    Schloss-Attrappe
    darauf nichts:
    mit missen Tricksereien gegen den Willen der Bürger errichtet wurde

    Zitat Ray:
    "Noch häßlicher finde ich Menschen die meinen sie hätten die Wahrheit gepachtet. Soviel zu ideologischen Scheuklappen."

    Sie merken nicht einmal, dass die Worte mit welchen Sie über andere herziehen auf das Vorzüglichste auf ihre Aufführungen passen.

  3. 45.

    Blöd ist vor allem wenn mir Ostalgiker vorschreiben wollen was ich für schön zu halten habe. Ich fand das Ding potthäßlich, genau wie die Plattenbauten, die es auch im Westen gab. Ich finde die Wohnklos im MV oder Heerstraße Nord auch potthäßlich.

    "Legen Sie ihre ideologischen Scheuklappen ab, dann erkennen auch Sie die Wahrheit."

    Noch häßlicher finde ich Menschen die meinen sie hätten die Wahrheit gepachtet. Soviel zu ideologischen Scheuklappen.

    Wie gesagt, von mir aus hätte der PdR stehen bleiben können, als Mahnmal der DDR Diktatur, als Architekturdenkmal.

  4. 44.

    Sagen sie das dem rbb, ich habe zitiert wie man unschwer an den "" erkennen kann. Der Text entstammt der Bildunterschrift "Vom Berliner Stadtschloss zum Humboldt-Forum".

  5. 43.

    Welche Stadtgestaltung? Der Palast der Republik machte aus der ferne mehr her als ihrer grauer Klotz. Bekannter kannte die Ecke von damals, da war es eben ein unbedeutender grauer Klotz. Aber in Potsdam mit Rosa Klotz sind sie richtig. Alles wurde in der Innenstadt von der DDR beseitigt, aber gleichzeitig immer genau dies Ulbricht vorwerfen. So gründlich waren nicht einmal die Kommunsiten.

  6. 42.

    Die allbekannten lernen Worthülsen "sorgsamen, überlegten und sensibel empfundenen Stadtgestaltung". Ich sage die DDR-Architekten haben nach sorgsamen, überlegten und sensibel empfundenen Stadtgestaltung eine sehr gute Verbindung von alt und neu mit dem Palast der Republik gefunden. "Jetzt ist es als demokratischer Ort wiedererstanden" schreiben Sie. Dass der Protzbau der Ewiggestrigen das Stadtschloss gegen den Willen der Bürger, wie auch ihre Schloss-Attrappe in Potsdam der Rosa Klotz errichtet wurde, verschweigen sie. Bei Ihnen bröckelt schon jetzt der Putz. Gelder die da verschleudert wurden, fehlen jetzt beim Denkmalschutz.

  7. 41.

    treffende Worte " kann dem angeblich der kulturellen Völkerverständigung dienenden
    Neubau von Preußens Gloria ein Kreuz mit einem Spruch aufsetzen, der alles leugnet, was da Programm sein sollte. Die Humboldts würden sich im Grabe umdrehen. "

  8. 40.

    Zum Palast der Republik gab es einen bösen Witz:
    " wir bauen eigentlich keine Paläste, aber doch wenn wir einen bauen, kriegst' n TIP."
    Hintergrund: Eine mittelmäßige Schauspielerin hatte sich den SED-Chef von Berlin geangelt ( den, der später wegen zuviel Alkohol von Schabowski abgelöst wurde.).
    In den Palast der Republik kam neben Disco, Bowlingbahn auch ein kleines, feines
    T heater I m P alast , mit der Promi- Gattin als Intendantin.
    In der kapitalistischen Demokratie geht das ganz einfach mit Geld. Wer genug davon hat und " spendet" kann dem angeblich der kulturellen Völkerverständigung dienenden
    Neubau von Preußens Gloria ein Kreuz mit einem Spruch aufsetzen, der alles leugnet, was da Programm sein sollte. Die Humboldts würden sich im Grabe umdrehen.

  9. 39.

    Ich sehe das jetzt erst einmal nicht ausstellungspraktisch, sondern von einem städtebaulichen Gedanken her, vom Gedanken der sorgsamen, überlegten und sensibel empfundenen Stadtgestaltung. Es ist endlich gut, dass dieser hervorragende Ort mit Leben gefüllt wird. So sehr mit Leben, mit dem er zu den Zeiten seiner früheren Nutzung niemals gefüllt war.

    Und Berlin "braucht" diesen Ort: Alle Architekten, gleich auch welcher Coleur, haben sich nach dem Krieg für die Restaurierung der Straße Unter den Linden eingesetzt. Dies genau deshalb, weil jede Zukunft immer auch Prägendes aus den vorherigen Zeiten braucht. Den Ausgangspunkt der "Linden" haben allerdings nicht alle, noch nicht einmal deren seinerzeitige Mehrheit im Kopf gehabt. Dieser Ausgangspunkt ist zweifelsohne das Berliner Schloss.

    Jetzt ist es als demokratischer Ort wiedererstanden - in der selbstverständlichen Architektursprache der "Linden".
    Glückwunsch!

  10. 38.

    Sorry, es gibt in Berlin kein " Stadtschloß ". Das steht in Potsdam. In Berlin heißt es Berliner Schloß.

  11. 37.

    Jede gerade existierenden Staatsmacht setzt ihre Favoriten in Szene. — das der Bau des Forums Kitsch ist ,ist nicht zu übersehen. Aber, die jeweiligen haben ihre Prioritäten. Der Palast der Republik stand als letztes Zeugnis der Geschichte. Sollte diese sich wieder ändern, reißt man dann wieder ab? Immer nach den zeitlichen politischen Primus? Aufklären! Warum jenes entstand, das wäre m.E. Eine angebrachteste Form der baulichen Geschichte.


  12. 36.

    Lieber rbb, das Ding heißt Humboldt Forum ohne Bindestrich, wie schon mehrfach angemerkt.

  13. 35.

    Dann Fake-Schloss oder Schloss-Fake?. 70 Prozent wollten den Palast der Republik erhalten bei einer repräsentativen Umfrage eines Meinungsforschungsinstltuts festgestellt. Dann hat man dies alles runter kommen lassen und von den Kosten mittels Spenden abgelenkt. Finden Sie diese Tricksereien etwa richtig?

  14. 34.

    Blöd nur das selbst Architektur-Experten aus dem Westen dem Palast der Republik lobten. Legen Sie ihre ideologischen Scheuklappen ab, dann erkennen auch Sie die Wahrheit. Zudem bliebt immer noch die Verschwendung von rund 1 Milliarde Euro für die Schloss-Attrappe. Dass diese Schloss-Attrappe mit missen Tricksereien gegen den Willen der Bürger errichtet wurde, werden wir nie vergessen.

  15. 32.

    "König Friedrich der I. ließ das Stadtschloss im Jahr 1701 zu einer Königsresidenz ausbauen. Zuvor war es nur eine kleine Burg, die zur Kontrolle der Handelswege zwischen Berlin und Cölln diente."

    Sie diente auch und in erster Linie der Kontrolle der Berliner.

    "Unter Friedrichs Herrschaft erlebte das Land einerseits einen finanziellen Niedergang durch den verschwenderischen Hof und das korrupte Drei-Grafen-Kabinett, andererseits aber auch einen kulturellen Aufstieg durch die Aufnahme verfolgter Hugenotten, die Gründung der späteren Preußischen Akademie der Wissenschaften und den Ausbau Berlins zur barocken Residenzstadt."

    Schon die Grundsteinlegung der Burg führte zum Berliner Unwillen.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Unwille

  16. 31.

    "Der Palast der Republik passte hervorragend dort hin und sah immer toll aus. "

    Ja, genau so toll wie die Einheitsplatte WBS 70. Da ist ja jede Wellblechhütte schöner.

  17. 30.

    Die in- und ausländischen Touristen besuchen Berlin wegen der Nazi-Zeit, wegen der DDR-Zeit und manche wegen der West-Berliner Zeit. Kein Mensch, auch nicht die Berliner, haben irgendein Interesse oder Bezug zu diesem öden, leeren und geschichtslosen Klotz.

  18. 29.

    Ich bedaure auch, dass man den ehem. Palast abgerissen hat. Als Sitz der Volkskammer wäre er den Machthabern in Bundestag und anderswo wahrscheinlich ein zu großer Anstoß gewesen, als dass man ihn hätte stehen lassen und in einen Erinnerungsort umwidmen können.

    Weit mehr lehne ich diesen Bau aber darum ab, weil er für mich den Untergang des traditionellen Handwerks symbolisiert. Kaum ein Werkstein dürfte hier noch von Hand, mit Knüpfel und Eisen gehauen worden sein und das sieht man dem Bau leider auch an.
    Solche Projekte wie dieses Schloss ermöglichen es erst, dass immer mehr Technologien entwickelt und angeschafft werden können, die nach und nach handwerklich und künstlerisch anspruchsvolle und befriedigende Tätigkeiten ersetzen werden.

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