Eröffnung am 20. Juli - Was Besucher:innen im Humboldt-Forum erwartet

Bei einem Rundgang zum Zwischenstand der Arbeiten der Museen im Humboldt Forum sind in einem Ausstellungsraum Figuren in Vitrinen. (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
Bild: dpa/Christophe Gateau

Jahrelang wurde geplant, gebaut, gezankt – am Dienstag öffnet das Humboldt-Forum für Besucherinnen und Besucher. Sechs Ausstellungen sind zu sehen. Andrea Handels fasst die wichtigten Fakten und Debatten zum umstrittenen Berliner Kulturbau zusammen.

Ausstellungen ab 20. Juli

Die Berlin-Ausstellung "Berlin Global" im 1. Obergeschoss ist eine der sechs Ausstellungen, mit denen das Humboldt-Forum an den Start geht: eine partizipative Schau über Berlin und seine Verbindungen mit der Welt, historisch und aktuell. Ausgerichtet wird "Berlin Global" von der Stiftung Stadtmuseum und von Kulturprojekte Berlin.

"Nimm Platz" mit viel Experimentier- und Kletterfläche für die jungen Besucher:innen ab drei Jahren beschäftigt sich mit der Kultur der Sitzens: Wie sitzen Kinder in anderen Kulturen? Oder: Welchen Platz nehmen sie in der Familie ein?

Die Eröffnungsausstellung des Humboldt Labors der Humboldt-Universität "Nach der Natur" geht wiederum der Frage nach: Wie hängen Klimawandel, Artensterben und die Krise der Demokratie zusammen? Im interaktiven Humboldt Labor soll Wissenschaft hautnah zu erleben sein.

Eine Dauerausstellung zur Geschichte des Ortes präsentiert unter anderem ein riesiges Videopanorama, einen archäologischen Keller und historische Exponante über das ganze Haus verteilt: etwa auch die Wahlurne der Volkskammerwahl 1990 und Original-Lampen aus dem Palast der Republik. Dazu gehören auch die Original-Barockskulpturen im Skupturensaal.

Afrikanisches Elfenbeinlager (Quelle: KGPA Ltd / Alamy Stock Photo)
Afrikanisches ElfenbeinlagerBild: KGPA Ltd / Alamy Stock Photo

Die Schaufenster- und Treppenhaus-Ausstellung "Einblicke. Die Brüder Humboldt" beschäftigt sich mit den namensgebenden Brüdern Wilhelm und Alexander von Humbold.

Und die interdisziplinäre Schau "schrecklich schön. Elefant - Mensch-Elfenbein" erzählt mit über 200 Stücken, teils Leihgaben aus internationalen Museen, die Geschichte des Elfenbeins und des Handels damit. Sie ist eine Kooperation mit den National Museums of Kenya.

Der Eintritt zu all diesen Ausstellungen ist an den ersten 100 Tagen frei, also bis zum 13. November einschließlich. Wer sie besuchen möchte, kann online Zeitfenstertickets für die einzelnen Ausstellungen buchen.

Noch nicht alle Exponate da

Was noch nicht eröffnet, sind die Ausstellungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst mit ihren Großobjekten wie den Südseebooten und den buddhistischen Kulthöhlen. Sie sind im zweiten und dritten Obergeschoss untergebracht, die Objekte teilweise schon dort eingezogen.

Eine erste Teileröffnung ist für den 22. Januar 2021 vorgesehen, die komplette Eröffnung ist für das zweite Quartal 2022 vorgesehen. Dann werden voraussichtlich auch die wegen ihrer Kolonialgeschichte umstrittenen nigerianischen Benin-Bronzen sowie das Luf-Boot aus Papua-Neuguinea aus der Ozeanien-Sammlung des Ethnologischen Museums Berlin zu sehen sein.

infos im netz

Wiederaufbau des Berliner Preußen-Schlosses

Das Berliner Hohenzollern-Schloss lag nach dem Zweiten Weltkrieg in Trümmern. Die DDR-Behörden ließen die Ruinen 1950 sprengen und dort den Palast der Republik errichten.

2002 beschloss der Deutsche Bundestag mit einer fraktionsübergreifenden Mehrheit den Wiederaufbau des Berliner Schlosses als Humboldt-Forum – einem Museums-, Wissens- und Begegnungszentrum. In seinen drei Barockfassaden und mit dem Schlüterhof sollte es wiedererstehen, mit überwiegend neuzeitlich gestaltetem Interieur, so wünschte es sich ein Teil der Abgeordneten. Die anderen wollten die Gestaltung offen lassen.

Der Bundestagsbeschluss beinhaltete ausdrücklich den Abriss des Palastes der Republik. Das geschah zwischen 2006 und 2008.

Berlin-Mitte, Berliner Schloss (Stadtschloss). Blick von der Schloßbrücke auf die Nordwestseite des Stadtschlosses (Quelle: dpa) Das Berliner Schloss, 2020, Humboldt Forum mit Schlossbrücke und Fernsehturm, Berlin Mitte (Quelle:dpa)

Das Berliner Schloss damals & heute: Das linke Foto ist von 1935, das rechte ist aktuell.

Wie wurde gebaut - und wie lange?

2008 gewann der italienische Architekt Franco Stella den Architekturwettbewerb. Sein Entwurf entsprach den Vorstellungen eines Teils der Bundestagsabgeordneten – und des Fördervereins Berliner Schloss e.V.: zur Spree hin eine moderne sehr schlichte Fassade, die übrigen historisierend barock.

2013 wurde der Grundstein für den Bau des Humboldt-Forums gelegt. Eigentlich sollte es 2019, im Humboldt-Jubiläumsjahr, fertig werden. Zunächst war die Eröffnung für September geplant, dann für November, dann fürs Frühjahr 2020. Am 16. Dezember 2020 wurde schließlich eröffnet, allerdings wegen Corona nur virtuell.

Mitte Juni konnten dann der historische Schlüterhof mit seinen Balustradenskulpturen und die Passage zugänglich gemacht werden. Die Berlinerinnen und Berliner kamen zahlreich, zum Gucken, um ihren Weg von der Breiten Straße Richtung Unter den Linden fortzusetzen oder um im Bistro "Lebenswelten" mit seiner großen Außenterrasse im Schlüterhof zu sitzen.

Kosten des Baus

Ursprünglich wurden 552 Millionen Euro bewilligt, dann wurden 595 Millionen daraus, schließlich wegen Bauverzögerungen 644 Millionen Euro. Jetzt kommen wegen Corona-bedingten Termin- und Ablaufverzögerungen werden es wohl letztlich mindestens 683 Millionen sein. So zumindest ist zurzeit die Ansage. Den Löwenanteil davon trägt der Bund. Das Land Berlin beteiligt sich mit 32 Millionen Euro.

Die Rekonstruktion der Schlossfassaden, der Kuppel und der Innenportale 2, 3 und 4 wurde durch Spenden finanziert, die der Förderverein Berliner Schloss seit 1993 gesammelt hat. Mehr als 45.000 Menschen haben seither gespendet. Schon Ende letzten Jahres wurde das Spendenziel von 105 Millionen Euro erreicht. Inzwischen sind noch weitere 6 Millionen hinzugekommen. Der Verein sammelt weiter, um die restlichen Balustradenfiguren sowie die Restaurierung der Pilasterhermen "Frühling" und "Sommer" bezahlen zu können.

Palast der Republik, Marx-Engels-Platz (1973-76 erbaut, enthaelt den Plenarsaal der Volkskammer u. mehrere Restaurants, Arch.: Kollektiv Heinz Graffunder). - Aussenansicht mit Karl-Liebknecht- Strasse im Vordergrund.- Foto, 1976. (Quelle: dpa/akg)Palast der Republik, 1976

Streit um das Humboldt-Forum

Da gab es vieles – angefangen vom umstrittenen Abriss des Palasts der Republik, den manche als Denkmal erhalten wollten. Immerhin war das ein historisch interessantes Gebäude der DDR-Geschichte und Wendezeit – aber asbestverseucht.

Dann der Siegerentwurf des italienischen Architekten Franco Stella: drei Seiten der Außenfassade als originalgetreuer Nachbau des Preußenschlosses mit Originalskulpturen, nur an einer Seite zur Spree hin moderne Architektur. Manche fanden das genial, andere unmöglich. Ein Museum, das sich den Kulturen der Welt widmet, in einem Außenkleid, das die schlimmsten Zeiten des deutschen Kolonialismus repräsentiert? Geht gar nicht, so der Vorwurf.

Ein Kran hebt am Neubau vom Berliner Schloss, dem Humboldt Forum, die Kuppelspitze mit Engelsfiguren und einem Kreuz auf die Kuppel. (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)Aufhängung der Kuppelspitze mit Engelsfiguren und Kreuz

Extra viel gestritten wurde und wird über die weithin sichtbare Kuppel mit dem vergoldeten Kreuz nach historischem Vorbild. Auf Rundumschrift in goldenen Lettern steht ein von König Friedrich Wilhelm IV verfasster Spruch: "Es ist kein ander Heil, es ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, denn der Name Jesu, zu Ehren des Vaters, daß im Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Kniee, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind."

Zwar lässt sich der Spruch in seiner Gänze nur schwer entziffern. Doch er repräsentiert – ebenso wie das Kreuz – den Anspruch des Christentums, die überlegene Religion zu sein. Das passe, so die Kritik, gar nicht zum Gedanken der Diversität und kulturellen Vielfalt, die das Humboldtforum repräsentieren soll.

Und last but not least: Auch der Einzug des ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst aus Dahlem in ein rekonstruiertes Preußenschloss stößt manchen sauer auf. Es sei eine Manifestation des Kolonialismus und der Weltsicht von damals, wo viele kulturell bedeutende Gegenstände einfach eben mal mitgenommen wurden. Nicht nur aus den wenigen deutschen Kolonien, auch von den Expeditionen. Da können die Museumsmacher noch so oft beteuern, dass sie mit den Herkunftsgesellschaften der Objekte in Kontakt sind und an einer gemeinsamen Aufarbeitung arbeiten. Manche wollen es einfach nicht glauben

Verschiedene Reliefplatten aus Nigeria.Im nächsten Jahr sollen deutsche Museen erste Kunstschätze der als Raubgut geltenden Benin-Bronzen an Nigeria zurückgegeben. (Quelle: dpa/Christoph Schmidt)

Stand der Raubkunst-Debatten

Ein großes Thema dabei sind die berühmten Benin-Bronzen, Kunstschätze aus dem früheren Königreich Benin, die größtenteils britischen Plünderungen aus dem Jahr 1897 entstammen. Etwa 440 davon befinden sich im Besitz des Ethnologischen Museums Berlin. Die ersten Benin Bronzen sollen Mitte nächsten Jahres zurückgegeben werden, noch bevor das Museum, das dafür in Benin City gebaut wird, fertig ist. Doch sobald das Ethnologische Museum seine Exponate im Humboldt-Forum zeigt, werden dort wohl auch die Bronzen zu sehen sein.

Auch über die Rückgabe anderer Kunstschätze, die in kolonialen Kontexten nach Berlin gelangt sind, wird verhandelt. Einiges, besonders menschliche Überreste, hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz schon an die Herkunftsgesellschaften zurückgeben.

Berliner Stadtschloss, 11.12.2020 (Quelle: rbb24)

Worauf können wir uns jetzt freuen?

Auf ein mehr als 40.000 Quadratmeter großes Gebäude mitten in der Stadt voller Kultur, Diskussionen, Veranstaltungen, das die kulturelle Vielfalt der Gesellschaft widerspiegeln und eine Plattform für gesellschaftliche und wissenschaftliche Diskurse sein soll. Dazu gehören über 5.000 Quadratmeter öffentliche Innenhöfe. Am schönsten ist der historische Schlüterhof, der rund um die Uhr geöffnet ist. Dort wird es vom 6. August bis 11. September unter dem Titel "Durchlüften – Open Air im Schlüterhof" immer freitags und samstags Konzerte, Performances, Installationen, Videokunst und ein Familien- und Jugendprogramm zum Mitmachen geben.

Vom Berliner Stadtschloss zum Humboldt-Forum

Sendung: rbb Kultur, 19.07.2022, 09:30 Uhr

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Beitrag von Andrea Handels

23 Kommentare

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  1. 23.

    Wenn schon gegendert wird, dann bitte richtig oder sein lassen.
    Ich bezweifle, dass es nur männliche "Museumsmacher" sind.

  2. 22.

    Milliarden. "Nach Schätzungen vom Oktober 2020 wird das Humboldt-Forum nach dessen Fertigstellung insgesamt 677 Millionen Euro gekostet haben".

    Und sie glauben doch nicht das es bei dieser Summe bleibt oder?

  3. 21.

    Korrekt @Angelika, endlich findet "Unter den Linden" einen würdigen Abschluss. Und SED - aufmarschplätze sind eh obsolet.

  4. 20.

    Also für mich als "Wessi" könnte das ICC auch weg. Der Unterschied für mich besteht aber darin, dass an Stelle des PdR jetzt wieder ein stimmiges Bild entstanden ist. Das muss einem nicht gefallen. Ich finde es toll. Aber da wo das ICC steht, was wollen Sie da hinbauen? Da muss erst mal ein Konzept her. Der Abriss der Deutschlandhalle hat mir weh getan. Also hören Sie auf hier so zu tun als ob es nur darum geht alte DDR-Bauten abzureissen.

  5. 19.

    Hatte mich auch gewundert, dass das Teil Humboldt Forum und nicht, wie man meinen könnte, korrekterweise Humboldt-Forum heißt. Hatte dazu vor einiger Zeit bei den Verantwortlichen angefragt und die Antwort bekommen, dass man wegen der Internationalität den Bindestrich weggelassen habe. Ansonsten kann ich nur sagen, dass ich von dem "Humboldt Forum" begeistert bin.

  6. 18.

    Über die Schönheit des Humboldt-Forums kann man streiten, mir gefällt der Bau jedenfalls nicht. Wichtig war das der Palast der Republik abgerissen werden konnte und zum Glück gab es ja Asbest. Bloß gut, sonst hätte man gar keinen richtigen Grund gefunden. Die Asbesthütte ICC steht immer noch und man wird sie auch erhalten, ist ja kein DDR- Bau!!

  7. 15.

    Das nenne ich mal Haltung zeigen! Und ich find´s gut. So hab ich mehr Platz, wenn ich mir das Haus mal anschauen werde.

  8. 14.

    Sind "Kulturmuffel" nicht eher die, die in dieses miserabel kopierte Disneyschloss gehen um sich dort Raubkunst anzusehen?

    https://de.wikipedia.org/wiki/Humboldt_Forum#Kritik_an_den_Sammlungen

  9. 13.

    ... und was erwartet die Besucher außen?


  10. 12.

    @Barnim, fahren Sie mal nur durch Ihren Landkreis, und dann werden Sie sehen, was DDR und Stasi gebraucht hat, wurde aufgemöbelt. Wenn sich private Investoren gefunden haben Augenweiden. Was für ein Mitmensch sind Sie eigentlich?

  11. 11.

    Nicht nur, dass die Überschrift ideologisch verbrämt ist. Wenn hier jemand von Siegermentalität schreibt, dann gab es die in dem, jetzt scheinbar hochgelobten DDR-staat. Da sind viele historische Bauwerke dem Verfall preisgegeben worden. Zuletzt die Kirchensprengung, sage nur freies Schussgebiet. Der Palast der Republik war doch nur deshalb so beliebt, weil dort die einzigen sauberen Toiletten in der DDR vorgehalten wurden. Sonst hatten die DDR-bürger zu Recht einen dicken Hals, wenn sie an das Zwischengebäude dachten. Die ostdeutschen Städte vervielen. Schon vergessen?

  12. 10.

    Aha. Ich werde auf jeden Fall hingehen. Soll jetzt jeder sagen was er macht, oder was wollten Sie ausdrücken? Vermutlich wie immer. Die üblichen Museumsbesucher gehen hin und Kulturmuffel nicht.

  13. 9.

    Disneyschloss. Danke, sie nehmen die Worte aus dem Munde. Dumm nur dass dieser Wahn Milliarden gekostet hat.

  14. 8.

    Falls die Frage ernst gemeint war: Das neue Gebäude heißt Humboldt-Forum. Es steht an der Stelle, wo früher das Stadtschloss gestanden hat und und kopiert an drei Seiten auch dessen Fassaden, daher wird auch manchmal vom wieder aufgebauten Stadtschloss gesprochen, was, aber eben nur zum Teil für die Hülle zutrifft. Die Humboldt-Box war ein temporäre Ort zur Information über das Projekt.

  15. 7.

    Es gibt Orte die ich nicht besuchen oder für die ich keinen Cent bezahlen werde. Das Disneyschloss in Berlin Mitte gehört dazu, völlig unabhängig was dort präsentiert wird.

  16. 6.

    Die korrekte Bezeichnung wäre wohl „Humboldt-Forum als Betonbox mit historisierender Stadtschlossfassade“ :-)

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