Dirigier-Wettbewerb in der Berliner Philharmonie - Weltstar sucht Assistent:in

Archivbild: Der russische Dirigent Kirill Petrenko am 9.11.2002 bei einer Probe in der Kölner Philharmonie. (Quelle: dpa/Hermann Wöstmann)
Audio: rbbKultur | 06.07.2021 | M. Ossowski | Bild: dpa/Hermann Wöstmann

Für viele Musiker:innen ist es ein Traumjob: Dirigent:in. Doch es ist schwer, sich zu profilieren. Bei den Berliner Philharmonikern gibt es darum einen Dirigier-Wettbewerb. Die Bewerbungsfrist läuft. Von Maria Ossowski

Es ist eine riesige Chance, einfach zuhören und zuschauen zu können und für seinen Traumberuf mit dem einem der besten Orchester der Welt arbeiten zu können, und zwar als Assistentin oder Assistent von Kirill Petrenko, dem Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker.

Stephan Frucht ist künstlerischer Leiter des Siemens Art Programs, dirigiert selbst und hat mit der Karajan-Akademie diesen Wettbewerb ausgelobt: "Eine bessere Chance als Assistent von Kirill Petrenko zu werden bei der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker gibt es nicht für junge Leute. Ich erinnere an Mariss Jansons oder Seiji Ozawa, Weltstars, die zunächst diese Assistententätigkeit damals für Karajan wahrgenommen haben."

Genau zuhören als Hauptpreis

Die Gewinnerin oder der Gewinner erhält für zwei Jahre ein Stipendium der Karajan-Akademie. Diese Orchesterakademie bildet exzellenten Nachwuchs auch für die Berliner Philharmoniker aus. Zudem arbeitet die Preisträgerin oder der Preisträger als Assistenz für Petrenko. Das heißt: Noten schreiben, die Einzelheiten in der Partitur während der Proben notieren, Konzepte besprechen, zuhören und Proben vorbereiten.

Doch warum braucht es für diese Arbeit einen Wettbewerb? Könnte Petrenko sich nicht einfach auf dem Markt umschauen oder sich eine Assistenz empfehlen lassen? Peter Riegelbauer, Kontrabassist bei den Berliner Philharmonikern und Geschäftsführer der Karajan-Akademie, beobachtet die Szene genau. Oft, so hat er beobachtet, werden sehr junge Dirigent:innen von den Agenturen auch aus nichtkünstlerischen Gründen gefördert.

Den klassischen Weg zum Dirigat gibt es kaum noch

"Der klassische Weg, wie wir ihn noch von Karajan kennen oder auch von Petrenko, der wird ja immer schwerer, nämlich diese Ochsentour durch die Provinz", so Riegelbauer. Karajan hat unter anderem in Aachen und Ulm dirigiert, Kirill Petrenko in Meiningen. Aus der sogenannten Provinz heute zu den Berlinern aufzusteigen, wird immer schwerer. Deshalb gibt es den Wettbewerb.

Die Bewerber:innen müssen mindestens zwei Videos als Link einsenden, möglichst ein abgeschlossenes Musikstudium vorweisen und dann all das mitbringen, was eine hervorragende Dirigentin, einen großen Dirigenten ausmacht.

Peter Riegelbauer hat jahrzehntelange Erfahrungen mit dieser Suche nach dem passenden Dirigenten: "Man muss Schlagtechnik können, man muss mit einem Orchester gut kommunizieren können - auch und vor allem in den Proben. Darüber hinaus ist das Charisma so wichtig. Das kann man nicht beschreiben, das ist feinstofflicher Natur, das kann man nicht erwerben, das muss man einfach mitbringen."

Weder die ganz Jungen noch die ganz Alten

Drei Tage, vom 22. bis 24. Oktober, werden die Kandidat:innen zunächst zum Klavier dirigieren, dann in den Endrunden ein Kammerorchester mit 30 bis 40 Absolvent:innen der Karajanakademie leiten. Beethovens Leonorenouvertüre, Mozarts große G-Moll-Sinfonie, Tschaikowsky, Debussy und auch Wolfgang Rihm gehören zu den geforderten Stücken.

Die Altersgrenze für die Bewerbung liegt bei 35 Jahren, und zwar aus gutem Grund, denn es sind die Dirigent:innen in den mittleren Jahren, die es besonders schwer haben. "Es werden ganz junge Dirigenten gehypt und auch ganz alte. Manche sagen gar, Dirigenten würden erst nach der Pensionierung richtig gut. Insofern ist es richtig, wenn die Kandidaten eine gewisse Reife und Erfahrung mitbringen, aber gleichzeitig auch noch die Frische, um einen Assistenzposten von Kirill Petrenko auch auszufüllen", so Stephan Frucht.

Den Jury-Vorsitz hat Kirill Petrenko. Mit ihm entscheiden die Intendantin Andrea Zietschmann, die Ex-Intendantin Pamela Rosenberg, Peter Riegelbauer, Stephan Frucht, der Geiger und Dirigent Stanley Dodds und weitere Mitarbeiter:innen der Berliner Philharmoniker. Die Bewerbungsfrist endet am 31. Juli.

 

Sendung: rbbKultur,06.07.2021, 15:40 Uhr

Beitrag von Maria Ossowski

1 Kommentar

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  1. 1.

    Die Klassik lebt. Weiter so.

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