Open-Air-Theater - Shakespeare Company zieht ins Freibad am Insulaner

Mitglieder der Theatergruppe "Shakespeare Company Berlin" 2013 auf dem ehemaligen Rangierbahnhof im Naturpark Schöneberger Südgelände in Berlin (Quelle: dpa/Hanschke)
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Audio: Inforadio | 21.07.2021 | Barbara Behrendt | Bild: Archivfoto| dpa/Hanschke

Seit zehn Jahren spielt die Berliner Shakespeare Company im Sommer Open Air auf dem Schöneberger Südgelände. Weil Teile des Areals saniert werden, muss die Company umziehen. Barbara Behrendt über eine dramatische Standortfindung mit Bühnenpotenzial.

 

 

Auf der einen Seite planschen die Kinder – auf der anderen Seite zischen die Autos den Munsterdamm entlang. Dazwischen liegt die schattige, abschüssige Liegewiese im Freibad am Insulaner.

Hier soll bis Sommer nächsten Jahres das neue Open-Air-Theater der Shakespeare Company entstehen. Der Schauspieler Stefan Plepp kann sich das sehr gut vorstellen. Mit weiten Bewegungen formt er die 45-Grad-Diagonale, auf der die Bühne stehen soll; unter einer halbrunden überdachten Tribüne davor wird das Publikum sitzen, zum Teil vor Wind und Regen geschützt. Daneben sind die Shakespeare-Klause und Räume für Büro und Garderobe.

Der Straßenlärm ist ein noch ungelöstes Problem. Doch eine überdachte Tribüne für die Zuschauenden ist tatsächlich ein Vorteil zum jetzigen Standort im Naturpark auf dem Schöneberger Südgelände, wo am Abend nach unserem Interview das Spiel wegen Starkregen unterbrochen werden muss.

Menschen baden und sonnen sich im Sommerbad am Insulaner im Berliner Bezirk Steglitz. (Quelle: dpa/Gregor Fischer)
Künftiger Spielort: Sommerbad am Insulaner | Bild: dpa/Gregor Fischer

Loslegen mit dem Umbau - noch ohne Genehmigung

Vor zwei Tagen, sagt Plepp, habe er die Holzbaufirma beauftragt. Und das, obwohl der Bauantrag noch nicht offiziell genehmigt worden ist – man rechne aber mit einer Zusage noch in diesem Monat. Loslegen, obwohl noch keine Genehmigung da ist, für Plepp ein "furchtbarer" Zustand: "Ich fühle mich richtig bedroht davon. Aber wir haben in Pandemie-Zeiten gelernt, dass man manchmal mutig voranschreiten muss, weil sonst gar nichts passiert."

In der Tat klingt die Geschichte der Standortfindung wie eine dramatische Schatzsuche mit Bühnenpotenzial. Zunächst wird ergebnislos mit "Grün Berlin" verhandelt. Bis der Linken-Politiker Philipp Bertram der Company den Tipp gibt, doch mal mit den Berliner Bäderbetrieben zu sprechen. Und tatsächlich findet man gemeinsam ein herrliches Areal im Sommerbad Humboldthain.

Doch es stellt sich heraus: Hier hat schon jemand anderes sein Handtuch ausgerollt – ein schutzwürdiger Mäusebussard wohnt gegenüber dem Sprungturm. Die Lärmbelästigung bei Tag stört ihn nicht, wie er allerdings auf Theater am Abend reagiert hätte, war zu ungewiss. "Vielleicht wäre er ja auch Shakespeare-Fan geworden. Vielleicht hätten wir ihm nur jede Nacht einen der abgehauenen Köpfe King Lears hinwerfen müssen", scherzt Plepp.

Nachmittags schwimmen, abends Theater

Man entscheidet sich schließlich fürs Insulaner-Schwimmbad. Der Vorteil des neuen Standorts: Es ist nur rund 500 Meter vom alten Standort entfernt. Und die neue Architektur bietet Platz für 400 Menschen statt wie bisher 320. Die Company kann auf Erspartes und auf Gelder der Corona-Bundeshilfe "Neustart Kultur" zurückgreifen.

Das Projekt klingt finanzierbar – bis sich die Holzpreise plötzlich vervierfachen. Finanzielle Unterstützung vom Land Berlin gibt es nicht, aber die Theatertechnische Gesellschaft und der Deutsche Bühnenverein springen jetzt ein. Die Company selbst startet eine Crowd-Funding-Kampagne.

Die neue Schwierigkeit dabei: Das Grundstück liegt nur zur Hälfte in Schöneberg, zur anderen Hälfte aber in Steglitz-Zehlendorf – also müssen zwei Bezirksämter genehmigen. Dass es jetzt tatsächlich losgehen soll mit dem Bau, beseelt den Company-Schauspieler Oliver Rickenbacher deshalb besonders: "Wenn das Ding dann hier steht, kann das für die Bäderbetriebe, für den Insulaner im Gesamten, einen tollen Anziehungspunkt bieten", sagt er.

Ab Juni 2022 will die Company ihre Gäste hier begrüßen. Nachmittags schwimmen, abends Theater, warum eigentlich nicht. Es wäre, sagt Stefan Plepp, nach Auskunft der Bäderbetriebe, tatsächlich das erste Theater auf dem Gelände eines Freibads – in ganz Europa.

Sendung: Inforadio, 21.07.2021, 15:55 Uhr

Beitrag von Barbara Behrendt

3 Kommentare

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  1. 3.

    Plötzensee ist kein Freibad, sondern ein Strandbad, da an einem natürlichen See gelegen. Freibäder haben hingegen eine künstlich angelegte Badestelle. Auch wenn Ihnen die zusätzlichen Veranstaltungen ein Dorn im Auge sind, müssen Sie bedenken, dass allein die Eintrittsgelder für das Baden den Betrieb der Bäder nicht decken. Mir ist daher die Doppelnutzung lieber, als wenn alles dicht macht.

  2. 2.

    Ich freue mich, dass die Shakespeare Company Schöneberg erhalten bleibt. Ich habe fast alle Stücke der letzten zwei Jahre gesehen, aber eben nur fast.

  3. 1.

    "Ab Juni 2022 will die Company ihre Gäste hier begrüßen. Nachmittags schwimmen, abends Theater, warum eigentlich nicht. Es wäre, sagt Stefan Plepp, nach Auskunft der Bäderbetriebe, tatsächlich das erste Theater auf dem Gelände eines Freibads – in ganz Europa."

    Stimmt nicht. Schau nach Plötzensee. Aber so ist dass wohl, wenn man auf die verpachten Bäder angeblich keine Einflussmöglichkeiten mehr hat und lieber die Augen vor den dubiosen Machenschaften dort verschließt. Das Freibad Plötzensee ist ein teuerer Hipsterort geworden und für viele Bäume und arme Menschen verloren gegangen. So wird Öffentlicher Raum aktiv getrifiziert.

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