"Sorryfornothing" im Humboldt-Forum - Unsichtbare Skulptur erinnert an den Kolonialismus

Archivbild: Kunstaktion und Enthüllung "Sorryfornothing" von Philip Kojo Metz. (Quelle: Humboldt Forrum/L. M. Summer)
Humboldt Forrum/L. M. Summer
Inforadio | 20.07.2021 | Ute Büsing | Bild: Humboldt Forrum/L. M. Summer

Der Deutsch-Ghanaer Philipp Kojo Metz hat für das Berliner Humboldt-Forum eine unsichtbare Skulptur zum Thema Kolonialismus entworfen. Sie soll an das fehlende gesellschaftliche Gedenken erinnern. Von Ute Büsing

Bereits im Oktober 2019 hat der Deutsch-Ghanaer Philipp Kojo Metz sein Kunstwerk "Sorryfornothing" im Humboldt-Forum errichtet. Es soll die Leerstelle im öffentlichen Gedenken an die Kolonialkriege und seine Opfer markieren.

Ein Bereich in der Form der Skulptur

Genau genommen ist nichts zu sehen in der "Berlin Global"-Ausstellung: "Eine unsichtbare Skulptur ist eine gute Metapher und ein gutes Symbol für etwas, das nicht sichtbar ist in der deutschen Geschichte", sagt Metz. "Die Wahrnehmung gibt es zwar schon. Aber nicht in dem Maße, in dem es notwendig wäre. Im Geschichtsunterricht oder in der Bevölkerung ist es einfach nicht präsent, dass es eine deutsche Geschichte gibt auf dem afrikanischen Kontinent."

Der in einem kleinen Dorf im Schwarzwald aufgewachsene 49-Jährige hat mit seinem Kunstwerk Erwartungshaltungen unterlaufen und die auf Foto und Video dokumentierte Transportaktion zum Teil seines Projekts gemacht. "Um die Skulptur doch wahrnehmbar zu machen, gibt es einen bestimmten Bereich, der in dem Ausstellungsraum abgegrenzt ist. Der hat genau die Form dieser Skulptur."

Koloniale Deutungshoheit

Wie in vielen seiner Konzeptkunstwerke geht es Philipp Kojo Metz auch hier um koloniale Inbesitznahme und Deutungshoheit. In der Regel liegt diese bei den Siegern. Metz verschiebt in "Sorryfornothing" die Perspektiven auf die unsichtbaren Geschichten der sogenannten Verlierer, derer nicht gedacht wird.

In der "Berlin Global"-Ausstellung soll es auch um Verflechtungen Berlins mit der Welt gehen. Als Sohn eines ghanaischen Vaters und einer deutschen Mutter vereinigt Philipp Kojo Metz beide Pole in sich.

Er reflektiert Beziehungen vor allem zwischen Deutschland und Ghana: "Dass sich sämtliche Geschichtsschreibungen im Prinzip auf einen Bericht beziehen, und zwar den von Otto Friedrich von der Groeben. Er hat damals im 17. Jahrhundert die ganzen Verträge mit den afrikanischen Königen gemacht. Man muss sich einfach mal bewusst machen, dass es von hiesiger Seite, die auch sehr mächtig war in diesen Verhandlungen, keine Zeugenschaft gibt. Es gibt keine geschriebene Geschichte. Es gab aber schon Gesellschaften und es gab eine ghanaische Perspektive. Und dann kam ich auf die Idee des Unsichtbaren."

In seiner zweiten Heimat Ghana gilt Philipp Kojo Mats als Weißer. Das hat seine Arbeiten ebenso beeinflusst wie seine Wahrnehmung als Schwarzer in Deutschland. Von der Teilnahme an der "Berlin Global"-Ausstellung im Rahmen des Humboldt-Forums verspricht Metz sich viel.

Sendung:Inforadio, 20.07.2021, 07:55 Uhr

Beitrag von Ute Büsing

4 Kommentare

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  1. 4.

    "Ich bin für gesellschaftliches Denken im Rahmen der tatsächlichen Geschehnisse."

    Das ist schön. Für eine Gesellschaft ist aber nicht nur relevant, wie gewinnträchtig derlei Unternehmungen sind, sondern auch, welches Menschenbild erzeugt und jahrelang wachgehalten wird. Mit dem Gestus der Überlegenheit andere Menschen zu versklaven, zu schänden, umzubringen und ihre Wohnstätten niederzubrennen - solche Geschehnisse lassen sich nicht einfach wegwischen, auch wenn auf dem Papier keine Kolonie mehr besteht.

    Ich frage mich eher, was daran so schwer sein soll, Unrecht einzugestehen und entsprechend moralisch zu handeln? Da könnte die Zeit schließlich förderlich sein, denn rechtfertigen muss sich niemand mehr - der Umgang indes spricht Bände über das, was wir dazu gelernt haben. Erschreckend wenig; und immer wieder das gleiche. Ob es deutsche Kolonien sind oder gleich der Nationalsozialismus.

  2. 3.

    Ich habe ein unsichtbares Vermögen.
    Handelt es sich hierbei auch um eine Kunstform?

  3. 2.

    Ich bin für gesellschaftliches Denken im Rahmen der tatsächlichen Geschehnisse.
    Schon 1868 hatte Bismarck jeglichen Kolonialerwerb abgelehnt. Mit dem Versailler Vertrag 1920 verlor Deutschland alle Kolonien. Entgegen den allfälligen Bekundungen des heutigen Zeitgeistes ist rückblickend betrachtet die Kolonialgeschichte für Deutschland auch wirtschaftlich nicht erhebend gewesen.
    Nach Ansicht des Hamburger Historiker Jürgen Zimmerer waren „Die deutschen Kolonien mit Ausnahme Togos und in den letzten Jahren Deutsch-Südwestafrika Zuschussgebiete".

  4. 1.

    Warum wird nicht einfach die ganze koloniale Kunst verpackt und an die betreffenden Staaten übergeben? Schon hat die ganze Diskussion ein Ende.

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