Liedermacher und Lyriker - Archiv von Wolf Biermann wird feierlich der Staatsbibliothek übergeben

Wolf Biermann, Liedermacher und Lyriker, aufgenommen bei einem Interview. (Quelle: dpa/Michael Kappeler)
Audio: Inforadio | 13.07.2021 | Ricardo Westphal | Bild: dpa/Michael Kappeler

Dichter, gefeierter Liedermacher, DDR-Regimekritiker: In das bewegte Leben von Wolf Biermann bekommt die Staatsbibliothek Berlin nun einen tieferen Einblick. Denn sie erhält am Dienstag sein berufliches und privates Archiv sowie seine Tagebücher.

Der Liedermacher, Dichter und DDR-Dissident Wolf Biermann hat sein Archiv und seine Tagebücher der Berliner Staatsbibliothek überlassen. Der Erwerb der mehr als 100 große Kisten umfassenden Sammlung mit Unterstützung der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien wurde am Dienstag in Berlin mit einem Festakt gewürdigt.

Das Archiv des 84-Jährigen habe nun seinen Platz in einer der weltweit bedeutendsten Bibliotheken und werde der Forschung zur Verfügung stehen, erklärte die Staatsbibliothek.

"Ausbürgerung gilt als Anfang vom Ende der DDR"

Das Archiv sei ein "einmaliges Zeugnis deutsch-deutscher Zeitgeschichte", betonte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU): "Wolf Biermanns Vita und Werk machen sichtbar, was es für Künstler bedeutet, in einer Diktatur zu leben." Sie zeigten, "welch hohe Güter die Freiheit der Kunst, die Freiheit der Meinung, die Freiheit des Wortes sind".

Biermann habe bewiesen, wie stark und folgenreich die Kraft des Wortes und des Liedes sein könne, betonte Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz: "Die massiven Proteste gegen seine Ausbürgerung im Jahr 1976 gelten als Anfang vom Ende der DDR." Mit seinen politischen Essays habe er auch später wichtige Debatten angeregt. Er verkörpere wie kaum ein anderer die deutsch-deutsche und die wiedervereinigte Geschichte des Landes.

Biermann lebt heute wieder in seiner Geburtsstadt Hamburg

Wolf Biermann wurde 1936 in Hamburg geboren und siedelte 1953 in die DDR über. 1965 erhielt er dort ein Auftritts- und Publikationsverbot und wurde 1976 ausgebürgert. Dies löste eine große Protestbewegung in Ost und West aus. Der Dichter lebt heute in Hamburg.

Die Staatsbibliothek Berlin zählt zu den weltweit wichtigsten Einrichtungen ihrer Art und ist die größte wissenschaftliche Universalbibliothek im deutschsprachigen Raum. In ihren Regalen und Archiven finden sich rund 25 Millionen Bücher, Medien und Objekte.

Der streitbare Liedermacher

Sendung: Kulturradio, 13.07.2021, 17:45 Uhr

15 Kommentare

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  1. 15.

    Herr Bierman interessiert mich wie der berühmte Sack Reis.

  2. 14.

    M.E. wird und wurde dieser Mann in seiner Bedeutung für dieses Land vollkommen überbewertet.
    Ich finde es nicht gut, dass hier überhaupt Steuergelder ausgegeben werden und dem Steuerzahler noch nicht einmal die Höhe genannt wird.
    Transparenz geht anders.

  3. 13.

    An die abertausende aus dem Reihen der KPD welche ihr Leben im Kampf gegen den Faschismus gaben wird heute nicht erinnert, aber einen vollkommen unbedeutenden "Liedermacher" wird gehuldigt als wäre er Gott weis was.

  4. 12.

    Als Chaplin ausgebürgert wurde hat sich keine Sau im Westen darüber aufgeregt oder gar Unterschriften gesammelt. Solche Fakten welche nicht passen werden eben zu gerne heute unterdrückt.

  5. 11.

    Biermann war also lange Zeit ein Trommler für die DDR. Andere wurden wegen weniger verdammt.
    Mit Cartens fingen Sie doch an. Dazu antworteten Sie leider nicht.

  6. 10.

    Richtig. Mein Stein wird entsorgt. Biermanns auch. Ihrer auch. Das ist der Lauf der Zeit. Größe hätte Hr. Biermann gezeigt wenn er sein Archiv übergeben hätte und fertig. So hat aber der Deal ein gewisses Geschmäckle. Wieviel Geld ist geflossen und hat es wiedermal der Steuerzahler gezahlt?

  7. 9.

    Ekelhaft, wie sich hier ein paar DDR Supporter und ewig gestrige über einen Mann echauffieren, der mehr Mut, Talent und Menschlichkeit hat als ihr alle zusammen und ihr euch überhaupt vorstellen könnt. Er ist und bleibt Zeitgeschichte, da könnt ihr noch so viele Kommentare schreiben. Durch das Archiv wurde das noch mal manifestiert. Von Euch bleibt, wenn überhaupt, ein Grabstein übrig, der unmittelbar nach der Ruhezeit entsorgt wird.

  8. 7.

    …er hat es verkauft und übergeben und einer hat es bezahlt und genommen..uneigennützig.

  9. 6.

    Schade, ich dachte Herr Biermann hat sich in der Öffentlichkeit erledigt. Nun wieder ein neues Thema und dann noch reißerisch angekündigt: Staatsbibliothek erhält „einmaliges Zeugnis deutsch-deutscher Zeitgeschichte“. Was bitte daran ist einmalig? Es hätten sicher viele aus der ehemaligen DDR zeitgeschichtlich berichten können. Diese Geschichten wollten Politik und Medien nicht hören, möglicherweise wären da positive Dinge genannt worden. Aber jetzt steht sozusagen der 13.August vor der Tür, da müssen wieder alle eingestimmt werden zum Verriss. Bis zu seiner „Ausbürgerung“ kannten den nur wenige in der DDR. Erst durch die Hofberichterstattung der Medien aus der damaligen Bundesrepublik erhielt er eine größere Öffentlichkeit. Aus meiner Sicht ein Provokateur, sehr einseitig in seinen Positionen, künstlerisch na ja und total Überbewertet. Reicht aber scheinbar, um von Zeit zu Zeit wieder aufzutauchen. Schade!

  10. 5.

    Das Biermann lange Zeit in der DDR ein Trommler für das Regime war, hat niemand geleugnet und Ihre Spekulationen über Biermanns Intentionen sind weder sachlich noch hilfreich.

  11. 4.

    Herr Biermann war für den Mauer Bau. Herr Biermann rechtfertige auch die Niederschlagung der Konterrevolution am 17. Juni. Mit der Kritik an Cartens wollte er sich lieb Kind bei der SPD machen? Seine Anbiederung an die Friedensbewegung später war auch uneigennützig?

  12. 3.

    Biermanns Anbiederung an den Kapitalismus ist doch traurig. Das Biermann jede Kleinigkeit in der DDR Kritikwürdig fand aber kein Wort über die Armut (Hatz4 Altersarmut) in der BRD sagt uns alles. Hätte die DDR nicht ihm als Kind mit jüdischen Vorfahren und Sohn eines ermorden Widerstandskämpfers solche Möglichkeiten geboten, was wäre aus Biermann in Hamburg geworden? Hat Biermanns eigentlich einmal richtig gearbeitet? Alle die ich kenne sagen Biermann war ihnen bis zu sein Rauswurf unbekannt. Biermann hat mit seinen einseitigen negativen Worten über die DDR sich dann bei allen dort höchst unbeliebt gemacht. Über seine künstlerischen "Qualitäten" schweig ich lieber.

  13. 2.

    Da liegen Sie nicht ganz richtig. Biermann hat sich sich auch im Westen kritisch, manchmal ironisch mit dem System auseinander gesetzt. Als Beispiel sei hier sein Gedicht das er dem damaligen Bundespräsidenten Carstens gewittmet hatte genannt.

  14. 1.

    .. nun ich denke Biermann wird überbewertet, sein Sprachrohr waren die Medien aus dem Westen und nach dem er dort angekommen ist war er nicht bereit sich mit seinem neuen System kritisch auseinander zu setzen..unpassende Lieder werden ja hier im öffentlichen Fernsehen auch nicht gespielt, wenn ich allein an Hallervorden oder May denke...

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