Ein 21-jähriger Berliner und sein Zauber-Musical - "Dass wir wirklich auf Deutschland-Tour gehen, hätte ich nie geglaubt"

Samuel Görss (Zweiter von links) hat mit seinem Team ein Zauber-Musical auf die Beine gestellt (Quelle: Berlin Illusionists)
Bild: Berlin Illusionists

Flammen, schwebende Tische, selbstgeschriebene Songs: Eine abendfüllende Show mit Musik und Magie hat der 21-jährige Berliner Samuel Görss mit seinem Team auf die Beine gestellt. Im September gehen die "Berlin Illusionists" auf Deutschland-Tour. Von Anne Kohlick

Zugegeben, die Geschichte klingt abenteuerlich: Ein Gangster-Duo und zwei Zauberer liefern sich einen Wettlauf um den Planeten - auf der Suche nach einem unvorstellbar wertvollen Gemälde. Aber vielleicht ist nicht die Handlung, die auf der Bühne erzählt wird, das Spannendste an der neuen Show "Das verschollene Bild" aus Berlin - sondern die Geschichte hinter dem Stück. Am 4. September feiert es Premiere im Cabuwazi-Zirkus in Marzahn und im Anschluss geht es auf Deutschland-Tour.

Das zwei Stunden lange Zauber-Musical der "Berlin Illusionists" mit Tanz-Einlagen, eigens komponierten Songs, Lasershow und Bühnenmagie hat Samuel Görss zusammen mit einem 18-köpfigen Team aus jungen Erwachsenen auf die Beine gestellt. "Jetzt haben wir die Generalproben vor uns", erzählt der 21-Jährige, der die ersten Zaubertricks schon lernte, bevor er in die Schule kam. "Von Close-up-Magie mit kleinen Requisiten wie Karten oder Münzen habe ich mich zur Bühne hin entwickelt", sagt der ausgebildete Hotelfachmann. "Ich liebe es, wenn ich Leute zum Staunen und zum Lachen bringen kann."

Das Ensemble der <<Berlin Illusionists>> auf der Bühne. (Quelle: Berlin Illusionists)
Samuel Görss (Mitte) steht mit seinen Zaubertricks im Zentrum der Show, Lars Goerke (rechts) hat das Stück geschrieben und Regie geführt.Bild: Berlin Illusionists

Geprobt wird in einer Squash-Halle

Samuels Illusionen stehen im Zentrum des Stücks, in dem er die Hauptrolle des Zauberers Vincent spielt. Zusammen mit den anderen Darstellerinnen und Darstellern - manche von ihnen frisch ausgebildete Musical-Profis, andere Laienschauspieler mit Bühnenerfahrung - trifft er sich zum Proben in den Squash-Hallen der Jugendfreizeitstätte Centre Talma in Reinickendorf. Dort ist genug Platz für das Bühnenbild, das aus einem Baugerüst mit Scheinwerfern besteht und mit Hilfe wechselnder Requisiten im Stück Orte auf der ganzen Welt darstellt. Die Jüngsten im Team haben gerade Abitur gemacht, die Ältesten sind frischgebackene Väter über 30.

"Dass wir wirklich auf Deutschland-Tour gehen, hätte ich nie geglaubt", sagt Regisseur Lars Goerke. "Dass es wahr ist, realisiere ich wohl erst, wenn wir in Leipzig und in den anderen Städten aufbauen werden." Über München und Bottrop soll die Tournee die "Berlin Illusionists" bis ins österreichische Fürstenfeld führen. Zehn Locations hat Samuel Görss von der Show und seinem Team überzeugt. "Da hat sich die Ausbildung schon mal gelohnt, die ich in einem Event-Hotel in Berlin gemacht habe", sagt der Bühnenmagier. "Da lernt man, wie Show-Buchungen funktionieren, wie man Angebote schreibt."

Das Ensemble der <<Berlin Illusionists>> auf der Bühne. (Quelle: Berlin Illusionists)
Eine erste Preview-Show haben die "Berlin Illusionists" im Februar 2020 gespielt - kurz bevor der Corona-Lockdown ihren Zeitplan auf den Kopf stellte.Bild: Berlin Illusionists

Eine Gage wird wohl nicht drin sein

Er träume davon, in Zukunft von seinen Auftritten als Zauberer leben zu können, erzählt er. "Aber im Moment bin ich noch der Finanzier des Ganzen" - durch das, was er sich in seinem Brotjob erarbeitet habe und durch einen Jugend-Ideenwettbewerb, bei dem er vor zwei Jahren 4.000 Euro gewonnen habe. Alle, die sich an "Das verschollene Bild" beteiligen, arbeiten ehrenamtlich - von der Songwriterin bis zum Beleuchter. "Wenn wir sehr, sehr viele Karten verkaufen, dann können wir vielleicht eine Gage auszahlen", sagt Samuel Görss. "Das ist nicht unmöglich, aber auch nicht unser primäres Ziel. Es geht um den Spaß an der Show!"

Lars Goerke hat seine Freizeit nicht nur als Regisseur in das Stück investiert - er hat die Geschichte auch seit Ende 2018 geschrieben: als Rahmenhandlung rund um die Zaubertricks, die Samuel beherrscht. "Das war eine ziemliche Herausforderung, eine Story zu erfinden, in der unter anderem eine verschwindende Cola-Flasche, ein schwebender Tisch und eine Kiste vorkommen, in der ein Mensch mit Schwertern durchbohrt wird", erzählt der Mitte-Zwanzigjährige, der auch beim rbb Fernsehen als Bildmischer arbeitet.

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Mit 17 auf einer ersten, selbst organisierten Tour

Samuel Görss kennt er schon seit Jahren vom Jugendprojekt "Ten Sing", das Musik und Theater verbindet. Alte Schul- und Studienfreunde der beiden wie der Gesangscoach Markus Reichelt sind genauso involviert wie neue Team-Mitglieder. "Wegen Corona mussten wir die Leute online per Video-Schalte casten", erinnert sich Samuel. "Auch die ersten Proben mussten über Zoom stattfinden." Kein einfacher Prozess: "Wir waren kurz davor, hinzuschmeißen." Aber die Freude am gemeinsamen Projekt war stärker - "und als unsere Probe-Location dann physische Treffen erlaubt hat - mit Maske und Hygienekonzept - haben wir wieder Fahrt aufgenommen."

Erste Erfahrungen auf Tour mit einer kleinen Zauber-Show hat Samuel Görss schon als Teenager gesammelt: Als 17-Jähriger stand er für Kinderferienprogramme auf Bühnen in zwei norddeutschen Kleinstädten. "Meine Eltern haben mich damals für verrückt erklärt", erzählt er lachend. Dabei schwärmte die Rotenburger Kreiszeitung [kreiszeitung.de] vom selbstorganisierten Programm der Berliner Jugendlichen: "spannend und professionell".

"Es wird brennen auf der Bühne"

Gegenstände schweben zu lassen, gehörte schon als Teenager zu seinem Repertoire als Bühnenmagier. Viel habe er in Privatstunden vom Berliner Zauberkünstler Fabian Weiss gelernt, sagt Samuel Görss: "Bei ihm war ich 2016/17 Zauberlehrling." Jetzt freut er sich darauf, seine neuesten Tricks zu zeigen, das Publikum hellsehen zu lassen, zu singen, zu tanzen - mit seinem Team in ihrer Show Marke Eigenbau. "Es wird auch brennen auf der Bühne", verspricht Samuel Görss - und das meine er wörtlich.

Beitrag von Anne Kohlick

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