Club in Berlin-Schöneweide - Revier Südost streicht Veranstaltungen nach Rassismus-Vorwürfen

Archivbild: Ansicht des Geländes des Reviers Südost. Das Areal der ehemaligen Bärenquell-Brauerei wird als Kulturstätte mit Club, Biergarten (Baergarten), Markt (Subaermarkt), Freiluftkino und für kulturelle Veranstaltungen genutzt. (Quelle: dpa/Pedersen)
Bild: dpa/B. Pedersen

Am Wochenende wird es im Revier Südost keine Partys geben. Türsteher des Clubs sollen Streit mit einer afro-amerikanischen, queeren Person provoziert haben. Ausgerechnet an einem Ort, der sich für seine Weltoffenheit feiert. Von Oliver Noffke

In den kommenden Tagen wird es keine Veranstaltungen im Revier Südost geben. Der wohl aufsehenerregendste neue Club Berlins reagiert damit auf Rassismusvorwürfe gegen Teile des Personals. Auf Anfrage teilte eine Sprecherin mit: "Unsere Clubaktivitäten wurden für dieses Wochenende ausgesetzt, um uns voll und ganz auf die Aufarbeitung zu konzentrieren."

Im Raum steht die Frage, ob vier Mitarbeiter eine Person aus rassistischen Gründen bedrängt und in halbnacktem Zustand aus dem Club geworfen haben. So beschreibt Nicholas Isaiah King Rose die Ereignisse von der Nacht von vergangenem Sonntag auf Montag in einem Instagram-Video, das mittlerweile mehr als 180.000 Mal abgerufen wurde [instagram.com].

Der Club hatte bereits mitgeteilt, dass bereits gekaufte Eintrittskarten erstattet würden.

Ohne Wertgegenstände, ohne Kleidung

"Jemand von der Crew hat mich angesprochen, weil meine Maske nicht richtig gesessen haben soll", so King Rose in dem Video. Dabei habe die Gesichtsmaske seine Nase ausreichend bedeckt. Andere in der näheren Umgebung, die sich offensichtlich nicht an das Maskengebot gehalten hätten, seien hingegen nicht angesprochen worden. Der Unterschied: Das seien ausschließlich weiße Männer gewesen. Afro-Amerikaner King Rose ist hingegen queer, also nicht heterosexuell, und non-binär, fühlt sich weder eindeutig als Mann oder Frau, sondern sieht sich im Spektrum dazwischen. [Für diesen Text werden in Absprache mit King Rose männliche Pronomen verwendet.]

In der Folge sei es schnell zum Streit gekommen. Mehrere Türsteher hätten ihn umzingelt und aus dem Club gedrängt. King Rose habe zu diesem Zeitpunkt nur einen Tanga getragen. Die übrige Kleidung, Geld, Mobiltelefon oder Wohnungsschlüssel seien im Club verwahrt gewesen. "Da standen auch andere Mitarbeiter, die alles beobachtet haben, aber nicht eingeschritten sind", sagt er rbb|24.

Die Aussicht als schwarze Person in Berlin-Schöneweide nachts, nur schmal bekleidet, ohne Deutschkenntnisse oder Wertgegenstände auf die Straße gesetzt zu werden - noch dazu von Mitarbeitern eines Clubs, der sich für seine Offenheit gegenüber sexuellen Minderheiten rühmt - sei bedrohlich gewesen, so King Rose. Erst nach mehrmaligem, unablässigen Nachfragen sei ein weiterer Türsteher eingeschritten und habe geholfen, die Sachen zu holen. "Wenn dieser Mann nicht wie aus dem Nichts aufgetaucht wäre, hätte ich ohne Ausweispapiere auf der Straße gestanden."

"So etwas ist mir in Deutschland noch nie passiert"

Während des ganzen Vorfalls habe er das Gefühl gehabt, dass es nicht wirklich um die angeblich falsch sitzende Maske gegangen sei, sondern um ihn als Person. "So etwas ist mir in Deutschland noch nie passiert", so King Rose. Die meisten Türsteher verhielten sich nett. "Selbst wenn ich irgendwann mal das Gefühl hatte, da liegt jemand nicht auf meiner Wellenlänge, dann haben sie sich mir gegenüber zumindest respektvoll verhalten."

Kurz nachdem King Rose seinem Ärger mit dem Video Luft gemacht hatte, teilte der Club auf Instagram mit, dass die beteiligten Mitarbeiter suspendiert worden seien. Auf Nachfrage heißt es, dies geschehe bei voller Bezahlung, bis der Sachverhalt aufgeklärt sei. Einige User kritisierten den Instagram-Post allerdings, weil ein Hinweis zum Durchsetzen des Maskengebots als Rechtfertigung für schlechtes Benehmen gegenüber den Gästen verstanden werden konnte.

Laut der Sprecherin habe man zudem am Dienstag Kontakt mit King Rose aufgenommen. Man hoffe nun, dass ein gemeinsames Treffen stattfinden könne. "Derzeit ist dieses Gespräch für Anfang nächster Woche mit Unterstützung von einem/einer Mediator:in vorgesehen", heißt es in einer Mitteilung. "Wir sind uns bewusst, dass es sich um Themen handelt, die weit über unseren Club hinausgehen, und dass Lösungen nicht kurzfristig gefunden werden können", so die Sprecherin. Man strebe nun neue Standards an.

King Rose kritisierte: "Tatsächlich haben die nicht mal eingestanden, dass nicht okay war, was mir dort passiert ist." Stattdessen hätten sich Hunderte Menschen solidarisch gezeigt, unterstützende Nachrichten geschrieben oder von ihren Erfahrungen berichtet.

Nachfolger der Griessmühle

Erst vor zwei Wochen fand ein Videopost bei Instagram Zehntausende Zuschauer, auf dem zu sehen war, wie eine non-binäre Person in Lichtenberg vor ihrem Wohnhaus von Nachbarn mit einer Schusswaffe bedroht worden war.

Das Revier Südost war erst im vergangenen Jahr eröffnet worden. Es befindet sich im Südosten der Stadt auf dem Gelände der ehemaligen Bärenquell Brauerei in Schöneweide. Betrieben wird es von den Köpfen hinter der ehemaligen Griessmühle. Der Technoclub residierte jahrelang am S-Bahnhof Sonnenallee in Neukölln, musste aber im Januar 2020 schließen, nachdem der Mietvertrag nicht verlängert worden war. Mit beliebten Partyreihen wie Cocktail d'Amore richteten sich die Macher explizit an ein weltoffenes, sexuell wie kulturell diverses Publikum. Auch im Revier Südost - von vielen auch die "neue Griessmühle" genannt - wurden vor Kurzem testweise Partys unter Corona-Auflagen durchgeführt.

Beitrag von Oliver Noffke

41 Kommentare

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  1. 41.

    @ansgar. Die Wahl der Attribute ist Ihre freie Entscheidung. Zeigt mir aber, daß wir unterschiedliche Vorstellungen von Begrifflichkeiten haben. Mensch und Menschsein nivelliert alle Unterschiede und impliziert - für mich - auch immer humanistische Werte. Die 4 Menschen sind/waren meine Freunde, ich werde für sie weder die umgangsprachlichen noch die wissenschaftlichen Bezeichnungen verwenden. Die "Kategorien" B-Mensch und T-Mensch sollen auch nur verdeutlichen, daß die realen Diskriminierungen und deren Wahrnehmung unterschiedlicher nicht sein könnten. Korrekte Pronomen oder Anreden sind für meine Freunde eher Äußerlichkeiten und deren geringste Probleme. Außenstehende haben da mitunter recht eigenartige Vorstellungen. Mitgefühl sicherlich, Verstehen und Ändern sind wichtiger. Macht und Machtmißbrauch sind Teil unseres Systems. Ich fliege aus einem Club - und? Gehe ich in einen anderen. Nur weil ein POC davon betroffen ist, wird es medial ausgewertet. Es gibt Wichtigeres.

  2. 40.

    Glückwunsch, das Sie es geschafft haben mit "Rassismus ist keine Einbahnstraße" in den Kommentaren zu landen.

  3. 39.

    Zitat: "Wer sich in der Berliner Türsteherszene ein bisschen auskennt und weiß, wie sie sich rekrutiert, sollte vielleicht mal beim rot-weißen Kultverein und seiner nicht gerade weltoffenen Ultra-Szene nachfragen..."


    Der mittlerweile dritte Versuch einen Beitrag zum Thema einzustellen, lieber rbb24 Redakteur:

    "Alter Fritz", bitte belegen Sie Ihre Behauptung, dass FCU Ultras rechtslastige Security-Trupps betreiben, welche Ihrer Meinung nach die Berliner Türsteheherszene bestimmen. Oder beziehen Sie sich auf irgendeinen anderen "rot-weißen Kultverein"?

  4. 38.

    Schon mal versucht, mit 60 am Türsteher vorbei zu kommen?
    Mit 18 als Führerscheinneuling von der KFZ-Versicherung als Fahranfänger richtig abgezockt worden?
    Ab 60 gleich nochmal, weil angeblich schon zu senil zum Auto fahren?
    Bei Gayromeo oder Gayroyal schon mal abgewatscht worden, weil zu klein, zu fett, zu alt?
    Schon mal von Murat und Co. aus dem mattschwarz lackierten Auto angepöbelt und bedroht worden?
    Japanische Touristinnen und Kippaträger, die von arabischen Jungs in Kreuzkölln blöd angemacht werden?

    NEIN! Rassismus ist KEINE Einbahnstraße!

  5. 37.

    Das erinnert mich an das Mädchen, das behauptete, wegen ihres Kopftuches aus dem Bus geworfen worden zu sein. Dabei war es der Döner, den sie as.

  6. 36.

    Schon die meisten Türsteher der Griessmühle waren eine Mischung von Rassisten, Nazis und Schlägertypen. Ich bin schon sehr lange in der Berliner Clubszene unterwegs und kann bewusst sagen, dass das nichts neues ist.

  7. 35.

    Diese Etikettierung stammt vom Lobbyoberhahn Lutz Leichsenring supported by Mr. Lederer und einigen Grünen. Club = Kulturgut. Daher schützenswert und ready for Subventionen. Da wird reingepackt was klüngelt und ausreichend genug jammert, wenn die Touristenschwemme ausbleibt. Club (nach Auslegung der Diskokönige) = Kapital unter dem Deckmantel der Kultur.

  8. 34.

    Mit "geschmacklos" habe ich nur das mildeste Adjektiv gewählt. Ich hätte auch "menschenverachtend" nehmen können. Und wenn Sie Menschen u. a. in G-Menschen und T-Menschen kategorisieren, sind Sie vielleicht eher Teil des Problems...

  9. 33.

    Mantra der ClubCommission: Clubs sind Schutzräume! Es stellt sich die Frage für wen?

  10. 32.

    Mir ist es leider schon egal, was diesen Club schädigt. Jedwede schlechte Nachricht ist eine gute für mich und das gesamte Umfeld. Der Lärm lässt einen offenbar abstumpfen, ebenso die sonstigen Auswüchse solcher Orte - Poserfahrten, Schlägereien etc. . Um so schneller das Drama ein Ende findet und dieser ,,widerliche Fremdkörper” aus Schöneweide verschwindet, desto besser!

  11. 31.

    Nix und das weiß ich auch als der typische Wessi. Noch Fragen. Für kein Geld der Welt zieht es mich in die östlichen Bezirke.
    Ich liebe meinen Bezirk dafür viel zu sehr. So wie andere eben ihre.

  12. 29.

    @Ansgar. Nein, finde ich nicht. Geschmack ist immer etwas Subjektives. Mir gefällt die oberflächliche Haltung zu LGBTplus-Diskriminierungen nicht. Ich kenne G-Menschen und deren Probleme aus gemeinsamen Schul-und Studienzeiten. Ich habe in einem slawischen Land erleben müssen, daß ein mir nahestehender T-Mensch nach Jahren der Ausgrenzung als letzten Ausweg den Suizid gewählt hat. Ich habe im dörflichen Umfeld den Leidensweg eines weiteren T-Menschen begleitet. Zweifel, Selbstfindung, medizinische Probleme, Auseinandersetzungen mit Behörden. Vor allem die fehlende Akzeptanz und Toleranz am Arbeitsplatz sowie im nachbarschaftlichem Umfeld macht mich wütend und traurig. Deshalb - keinerlei Verständnis für die pille-palle-Probleme eines King Rose. Oder irgendwelcher 14-jährigen, influencergesteuerten Mädels, die ihr Geschlecht wie Haarfarbe oder Fingernägel wechseln wollen.

  13. 28.
    Antwort auf [DimmiT] vom 20.08.2021 um 21:39

    Finden Sie Ihre Kommentare (ja, Plural, leider...) nicht selber ein bisschen geschmacklos?

  14. 27.

    Ja, Berlin wandelt sich, und das ist Schade.
    Jetzt ist es hier eher ungemütlich und intolerant, sexy das war mal.

  15. 26.

    Ich sehe das ähnlich. In meiner "aktiven" Zeit hatte ich in einem Club Hausverbot und bin aus 2 anderen rausgeflogen. Mit sichtbaren Blessuren. Damals habe ich das als diskriminierend empfunden, später jedoch als "unangepaßtes Verhalten" erkannt. Nachts, barfuß bis zum Hals, mit Nagellack-Smiley auf dem Hintern, teilrasiertem Schädel und 2 Promille in der Brandenburger Pampa aufzuwachen, fand ich auch nicht so lustig. Ein Scherz unter pubertierenden Alkoholikern. Nach 5 km Fußmarsch gabs es dann auch eine gebrochene, fremde Nase und ein verstauchtes Handgelenk. Die Erlebnisse von Queen/King Rose halte ich für überbewertet und nur weil er POC ist gleich als Rassismus abzustempeln doch recht einseitig. Mir erscheint das mehr eine ADHS-lastige Selbstdarstellung zu sein. Eine Lebenserfahrung aus der "Partyzeit", die Tausende andere auch gemacht haben. Ohne daraus eine weinerliche "Selbstvermarktung" zu inszenieren. Mir fehlt dafür jegliches Verständnis. Es gibt andere LGBTplus-Diskriminierungen, gegen die wir uns als Gesellschaft positionieren sollten.

  16. 24.

    Was genau hat jetzt Lichtenberg (Stadtbezirk Lichtenberg) mit Niederschöneweide (Stadtbezirk Treptow-Köpenick) zu tun? Versteh ich nicht....

  17. 23.

    Also wohnen möchte ich aber auch nicht gerade dort. Mir wurde mal sehr preiswert in Lichtenberg eine Wohnung angeboten. Habe dankend abgelehnt.

  18. 22.

    Ich Lese immer Clubs? Diese Orte sind nichts weiter als Kneipen mit Tanz Möglichkeit.Ein Club ist ganz etwas anderes.

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