12. Berliner Hörspielfestival - Kollektives Hören 

12. Berliner Hörspielfestival (Quelle: 12. Berliner Hörspielfestival)
Audio: Inforadio | 12.08.2021 | Hendrik Schröder | Bild: 12. Berliner Hörspielfestival

In Zeiten von Youtube und Podcasts scheint das Hörspiel zur aussterbenden Spezies zu gehören. Doch das Gegenteil ist der Fall: Fast 300 Einreichungen bekamen die Veranstalter des Berliner Hörspielfestivals dieses Jahr. Von Hendrik Schröder

So viele Einreichungen gab es in den zwölf Jahren, seitdem es das Berliner Hörspielfestival gibt, noch nie. Über 60 Stücke wurden vorab von den insgesamt 300 Stücken ausgewählt und werden ab Donnerstag in der Akademie der Künste und im Livestream präsentiert.

Darunter sind Hörspiele von unter 60 Sekunden, winzige Hörsplits sozusagen, aber auch große, epische Produktionen, sagt Jochen Meißner, künstlerischer Leiter des Hörspielfestivals: "Wir haben sowohl dokumentarische Formate als auch erzählerische als auch klangkünstlerische. Da ist alles dabei. Es gibt natürlich Corona-Stücke, es gibt Stücke die sich selbstreflexiv mit den akustischen Künsten, mit dem Radio auseinandersetzen und es gibt Stücke, die ein bisschen mit dem Unheimlichen arbeiten." Und so sind schon die kleinen Ausschnitte, die es für die Presse vorab zu hören gab, eine wilde Reise durch abstrakte Gruselsounds, kunstvolle Collagen und knisternde Monologe.

So das Stück "for a blind" (blackest black Version) von Uli Schuster, das in nur zwei Minuten das Spannungsfeld zwischen Verstand und Sinnen auslotet. Oder das fast einstündige Hörstück "Snørre Snørrensønsøn" von Mariola Brillowska über die Protagonistin Pola Bipolar, die so gerne Meeresbiologin geworden wäre, nun aber als Köchin auf einer Forschungsstation arbeitet.

250 Plätze im großen Saal

In verschiedenen Wettbewerben treten die Hörspiele gegeneinander an. Es gibt Jurypreise und Publikumspreise. Zwar wird das gesamte Festival gestreamt und man kann mit einem Webtool auch von zu Hause abstimmen. Aber er sei froh, dass man die Hörspiele auch wieder öffentlich aufführen kann und darf, wenn auch mit begrenzter Platzzahl, sagt Jochen Meißner: "Die Idee des Berliner Hörspielfestivals war es ja eigentlich, die Leute nicht vereinzelt vor ihren Radiogeräten zu haben, sondern kollektiv zu hören. Und das ist immer etwas anderes, als wenn man das alleine hört."

Der große Saal der Akademie der Künste im Hanseatenweg fasst Corona-konform immer 250 Zuhörer. Platz gibt es also genug. Wer die Aufführungen vor Ort erlebt, bekommt zudem noch etwas für die Augen: Zu jedem Hörspiel wird ein eigens erstelltes Visual gezeigt. Und nach jedem Stück stellen sich die Autorinnen und Autoren den Fragen der Zuschauer.

Infos

Der 12. Berliner Hörspielfestival findet vom 12. bis 15. August statt. Tickets gibt es über die Webseite der Akademie der Künste, ein Tagespass für alle Veranstaltungen vom späten Mittag bis zum Abend kostet 12 Euro. Alle Infos unter berliner-hoerspielfestival.de.

Neue Möglichkeiten 

Die Qualität der Hörspiele sei insgesamt immer besser geworden in den vergangenen Jahren, sagt Meißner, man merke, dass die digitalen Produktionsmöglichkeiten für Hörspielmacher neue Dimensionen eröffneten. Trotzdem orientierten sich manche ganz bewußt am Sound der 1990er-Jahre, als es noch Kassetten und Bandmaschinen gab. Auch das habe seinen Reiz.

Und das ist ja am Ende auch das Schöne am Berliner Hörspielfestival: Es ist alles erlaubt, was besonders oder anders ist - und eingespielte Hörgewohnheiten herausfordert.

Sendung: Infoadio, 12.08.2021, 07.55 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Herrliches Bild. Ist das eine Fotomontage? ;-))

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