Interview | Neustart für das "Pop-Kultur"-Festival in Berlin - "Irgendwann müssen wieder mehr Menschen in Räumen feiern dürfen"

<<Pop-Kultur NachwuchsOpening>> im Frannz Biergarten. (Quelle: Roland Owsnitzki)
Audio: Inforadio | 25.08.2021 | Interview mit Katja Lucker | Bild: Roland Owsnitzki

Mit 120 Veranstaltungen startet am Mittwoch das Festival "Pop-Kultur" in Berlin - auch Publikum ist dabei. Mit welchem Gefühl es in die Neuauflage geht und über das Planen unter Pandemiebedingungen, erzählt Geschäftsführerin Katja Lucker.

rbb: Frau Lucker, mit welchem Gefühl gehen Sie in diese Neuauflage des "Pop-Kultur"-Festivals?

Katja Lucker: Mit sehr viel Gänsehaut, sehr viel Enthusiasmus und sehr viel Freude und Leidenschaft, alle Menschen endlich mal wieder zu sehen, Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne live sehen zu können und auch einfach mit dem Publikum in Kontakt zu sein. Wir freuen uns wirklich wahnsinnig.

Gab es während der Vorbereitung Momente, in denen Sie gedacht haben, dass wird nix, wir lassen es lieber?

Ich bin mal ganz ehrlich: Ja, es gab viele Momente, wo wir alle sehr mit den Nerven am Boden waren. Wir müssen uns ja auch permanent nach neuen Verordnungen richten. Wir müssen Dinge abgleichen. Gewisse Leute konnten auch aus bestimmten Ländern nicht einreisen, weil die Bedingungen sich zwischendurch verändert haben. Dinge, die wir schon geplant hatten, mussten wieder abgesagt werden. Das war sehr nervenaufreibend für mein armes Team. Und jetzt sind wir froh, dass es über die Bühne geht.

Katja Lucker, Geschäftsführerin des Musicboards Berlin (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Bild: dpa/Christoph Soeder

Die Corona-Verordnungen können sich in der Tat schnell ändern. Derzeit steht in Berlin nach einer Klage das Indoor-Tanzverbot auf der Kippe. Wie haben Sie es geschafft, bei so vielen Unwägbarkeiten einigermaßen stabil zu planen?

Wir mussten irgendwann etwas festlegen. Wir haben uns sehr schnell für 3G entschieden, also genesen, negativ getestet oder geimpft. Wir haben die Kapazitäten beschränkt. Im Indoor-Bereich haben wir alles bestuhlt und es gilt Maskenpflicht. Und wir haben einfach gesagt, wir können nur eine gewisse Anzahl von Menschen auf das Gelände der Kulturbrauerei lassen. Wir werden das Gelände absperren. Es ist jetzt einfach alles so, wie es ist. Wir sind ganz glücklich. Der Mittwoch ist ausverkauft. Für Donnerstag, Freitag und Samstag können noch Tickets gekauft werden.

Ich glaube, das Publikum wird sich wohlfühlen. Wir haben uns Gedanken über ein gutes Konzept gemacht, so dass man draußen und drinnen sein kann. Und wenn man einmal ein Ticket für den Tag hat, kann man sich auch wirklich alles anschauen, viele unterschiedliche Venues besuchen. Und ich glaube, das wird ganz gut auch mit geringer Kapazität funktionieren.

Dinge, die wir schon geplant hatten, mussten wieder abgesagt werden. Das war sehr nervenaufreibend für mein armes Team.

Katja Lucker, Geschäftsführerin "Musicboard Berlin"

Im vergangenen Jahr hat es nur ein sehr begrenztes und digitales Angebot gegeben. Abgesehen von Bestuhlung und 3G - ist die "Pop-Kultur 2021" so wie in vor-pandemischer Zeit?

Eigentlich gar nicht. Wir haben eigentlich ein noch internationaleres Publikum. Ich bin allerdings froh, dass wir diesmal die lokale Szene abbilden. Wir arbeiten beispielsweise sehr eng mit dem Ramba-Zamba-Theater zusammen, die sich mit einem eigenen Festival bei uns zeigen werden.

Es wird also viel Programm geben, das national ist. Wir haben aber auch digitale Werke, zum Beispiel aus Kanada. Aber es ist natürlich ein anderes Festival, alleine schon, was die Kapazitäten anbelangt. Das sind wirklich viel weniger Menschen, die sich dort bewegen können. Aber insgesamt glaube ich, dass der Kunst- und der Kulturgenuss sehr groß sein wird.

Viele Kulturbereiche darben in der Pandemie regelrecht. Was hören Sie aus der Berliner Popmusik-Szene? Wie geht es den Macherinnen und Machern?

Ich glaube, dass wir ein bisschen abwarten müssen, noch ein bisschen vorsichtig sind und einfach mal schauen. Ich sage es auch noch mal hier und appelliere an alle Menschen, die sich impfen lassen können, sollen sich bitte auch im Sinne der Kultur impfen lassen. Je mehr Leute geimpft sind, je mehr Herdenimmunität wir erreichen, umso eher können wir alle wieder miteinander feiern.

Es hat in Berlin kein einziger Club Insolvenz angemeldet. Die Förderungen werden sicherlich noch weiterlaufen müssen und irgendwann müssen auch wieder mehr Menschen miteinander in Räumen feiern können, weil es sich wirtschaftlich sonst nicht tragen lässt. Und wir wissen nicht, wie es mit den Förderungen in Zukunft weitergehen wird. Ich hoffe aber, dass es nicht abrupt abbricht. Das ist aber auch kein Signal, was ich derzeit bekomme.

Welche Botschaft kann von dieser "Pop-Kultur 2021" ausgehen? Was erhoffen Sie sich?

Ich erhoffe mir von den Talks, die wir machen, dass Dinge besprochen werden, die vielleicht auch eine Relevanz für die Zukunft haben. Beispielsweise, wie wir miteinander arbeiten wollen. Wir wollen auch auf den Bühnen sehen, wie inklusiv unsere Gesellschaft ist. Wie sehr kümmern wir uns darum, dass Menschen mit Behinderungen auf Bühnen gezeigt werden und an Kunst teilhaben können. Dazu haben wir ein inklusives Konzept erstellt. Auf dem Gelände der Kulturbrauerei haben wir Matten ausgelegt, damit auch Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer gut über das Gelände kommen. Es wäre schön, wenn wir mit unseren Themen ein Zeichen setzen können.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview mit Katja Lucker führte Alexander Schmidt-Hirschfelder, Inforadio.

Der Text ist eine redigierte und leicht gekürzte Fassung. das Gespräch können Sie im Audio-Player nachhören.

Sendung: Inforadio, 25.08.2021, 06:55 Uhr

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