Interview | Neue Nationalgalerie öffnet für Besucher - "Durch die technische Sanierung funktioniert das Haus viel besser"

Archivbild: Neue Nationalgalerie am Potsdamer Platz. (Quelle: imago images/S. Zeitz)
Audio: Inforadio | 18.08.2021 | Interview mit Joachim Jäger | Bild: imago images/S. Zeitz

Nach sechs Jahren Sanierung wird am Wochenende die Neue Nationalgalerie wiedereröffnet. Der Bau sei nun energieeffizienter, sagt Museumsleiter Joachim Jäger. Was das für künftige Ausstellungen bedeutet, erzählt er im Interview.

rbb: Herr Jäger, sechs Jahre wurde die Neue Nationalgalerie saniert und wurde teurer als geplant. Am Ende sieht es so aus wie früher. Wie erklären Sie sich das?

Joachim Jäger: Wenn man sich in diesem Haus bewegt und auch sieht, wie toll es geworden ist, dann merkt man schon, dass es kompliziert ist. Es ist ein sehr präzises und strenges Haus und es mussten alle Elemente abgebaut und wieder aufgebaut werden. Das ist eine wirkliche Restaurierung.

Und wenn man weiß, wie man einen Tisch oder auch nur eine kleine Ecke in der Wohnung restauriert und das multipliziert mit dem, was wir hier gemacht haben, dann wird einem schnell deutlich, dass es ein ganz schöner Aufwand ist. Und das großartige ist an dem Gebäude, dass man es nicht verändert hat, sondern versucht hat, wirklich zurückzukehren zu dem, was Mies van der Rohe sich ausgedacht hat und das ganz streng restauriert hat. Das ist in vielen Details sehr beeindruckend geworden.

Archivbild: Joachim Jäger, Leiter der Neuen Nationalgalerie. (Quelle: dpa/. Riedl)
Joachim Jäger, Leiter der Neuen Nationalgalerie Berlin | Bild: dpa/A. Riedl

Ein Verwandter von Mies van der Rohe hat gesagt, billiger wäre es gewesen, man hätte das ganze Ding abgerissen und einfach neu gebaut. Aber was ist nach der Sanierung quasi neu?

Es ist vor allem eine technische Sanierung. Natürlich gehört zu einem Museum eine große Klimaanlage. Aber vor allem der Brandschutz hat eine Sanierung notwendig gemacht. Dafür sind wir jetzt sehr viel energieärmer, weil wir überall LEDs haben, die aber kein ganz strahlend weißes Licht, sondern - wie damals - ein gelbliches Licht machen. Auch das kann man heute sozusagen so einstellen. Die technische Sanierung hat dazu geführt, dass das Museum viel besser funktioniert und energieeffizienter betrieben werden kann.

Für uns, die wir die Neue Nationalgalerie kennen, ist dieses Gebäude quasi schon der Inbegriff eines Ausstellungsgebäudes. Dabei war das ja eigentlich so eine Art Zweitverwertung ursprünglich?

Sie spielen darauf an, dass das Gebäude entworfen wurde für Bacardi auf Kuba, also für eine Rum-Firma. Dort fanden Präsentationen statt. Aber es gab in der Halle auch Bürozonen. Wir wissen von anderen großen Saalgebäuden oder großen Räumen, die Mies van der Rohe in Chicago oder Toronto gebaut hat, dass es dort in der Mitte auch sehr viele Einbauten gibt.

In dem Entwurf, den wir bekommen haben, ist es verändert worden. Er hat alles in der Mitte frei gehalten, um diesen großen, offenen Raum zu schaffen. Allerdings hatte er dafür keine Idee, wie man den ganz genau nutzen soll. Denn tatsächlich gibt es nur relativ kleine Türen durch die man vor allem große Skulpturen gar nicht reinbekommt. Man muss sie also demontieren, um sie überhaupt ins Haus bringen zu können. Und das ist schon sehr beeindruckend, dass er so einen Raum ohne ganz klare Vorstellungen geplant hat. Rückblickblickend gesehen, wenn man jetzt 50 Jahre durchgeht, konnte der Raum toll genutzt werden. Und er hat doch sehr gut funktioniert.

Die technische Sanierung hat dazu geführt, dass das Museum viel besser funktioniert und energieeffizienter betrieben werden kann.

Joachim Jäger, Leiter der Neuen Nationalgalerie

Wenn man dort Ausstellungen präsentiert, denkt man ja auch über ganz praktische Dinge nach, dass Kunstwerke zum Beispiel nicht beschädigt werden. Stichwort: Klima. Nun hat das Gebäude sehr viele Fensterfronten. War das eigentlich über die Jahre schwierig, dort Ausstellungen zu machen? Und war deswegen auch die Sanierung nötig?

Die Klimafragen sind tatsächlich groß. Vor allen Dingen hat man es auch ein bisschen gerochen. Wir haben jetzt auch eine Wärmerückgewinnungsanlage. Das war vor allem für das Untergeschoss wichtig, wo wir Gemälde und wertvolle Dinge zeigen, dass wir eine gute Klimaanlage haben. Die Halle ist auch klimatisiert, aber da liegt es jetzt ein bisschen bei uns. Denn es ist natürlich eine Glashalle und eine Glashalle zu beheizen und zu klimatisieren, ist ökologisch natürlich auch anspruchsvoll und auch nicht immer günstig und klug.

Der Ball liegt jetzt auch bei uns, ob wir klimatisch anspruchsvolle Sachen zeigen wollen und diese Klimaanlage dann so nutzen wollen. Oder ob wir sagen, nein, wir zeigen eher unempfindlichere Sachen, die trotzdem toll sind, wie Stein, Metall oder Objekte, die ein offeneres Klima ertragen. Und dann kann man in dieser Halle schon auch tolle Sachen machen. Sie ist für alles ausgerüstet.

Die Neue Nationalgalerie in Berlin erstrahlt zur Wiedereröffnung in neuem Glanz

Was erwartet die Besucher an diesem Wochenende?

Es gibt eine sehr besondere Alexander-Calder-Ausstellung. Wir haben eine Schau angelegt, die es erlaubt, vielen Skulpturen ganz nahe zu kommen. Es gibt kleine Skulpturen, die wirklich winzig sind, auf eine Hand passen und riesige Skulpturen, die überlebensgroß sind. Es ist auch eine Ausstellung, die sehr auf diese Eigenerfahrung beruht.

Es gibt auch ein Schachspiel, das man benutzen kann. Wir haben das Original aus New York geliehen bekommen. Aber wir haben auch Repliken herstellen lassen, mit denen das Publikum spielen kann, sodass man in dieser Ausstellung zum Beispiel mit Kunst-Skulpturen schachspielen kann. Denn dieses Schachspiel ist nicht weiß und schwarz, sondern rot und blau.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview mit Joachim Jäger führte Stephan Ozsvath, Inforadio.

Der Text ist eine redigierte und gekürzte Fassung. Das Gespräch können Sie im Audio-Player nachhören.

Sendung: Inforadio, 18.08.2021, 06:05 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Dafür hätte man 50 neue Schulen bauen können.

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