Begründer der Kammeroper Rheinsberg - Komponist Siegfried Matthus gestorben

Der Komponist Siegfried Matthus am 08.04.2014 im Arbeitszimmer in seinem Haus am Stolzenhagener See in Wandlitz (Brandenburg) (Bild: imago images)
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Der Komponist Siegfried Matthus ist tot. Er starb am Freitag im Alter von 87 Jahren im brandenburgischen Stolzenhagen. Bereits zu DDR-Zeiten erlangte er internationale Anerkennung. Zur Stadt Rheinsberg pflegte er eine ganz besondere Beziehung.

Der Komponist Siegfried Matthus ist tot. Er starb am vergangenen Freitag nach längerer schwerer Krankheit im Beisein seiner Ehefrau Helga im Alter von 87 Jahren zuhause im brandenburgischen Stolzenhagen. Das teilte am Montag der Freundeskreis der Kammeroper Schloss Rheinsberg im Auftrag der Familie Matthus mit. Zuvor hatte das Portal "Tag24" berichtet.

Mehr als 600 Werke aller Gattungen

Matthus schuf mehr als 600 Musikwerke aller Gattungen, darunter 14 Opern, über 60 große Orchesterwerke, zahlreiche Kammermusiken, Ballettszenen und Filmmusiken. Als 27-Jähriger schrieb er seine erste Oper.

Er komponierte auch Opern wie "Judith", die 1985 an der Komischen Oper Berlin uraufgeführt wurde. Außerdem ist er Begründer der Kammeroper Schloss Rheinsberg, die er bis 2014 leitete. Ihm folgte dort bis 2018 sein Sohn Frank.

Meisterschüler bei Hanns Eisler

Der Komponist wurde am 13. April 1934 im ehemaligen Ostpreußen geboren. Nach Flucht und Vertreibung lebte er in Brandenburg und Berlin. Er studierte an der Berliner Musikhochschule und war dort Meisterschüler bei Hanns Eisler. 1964 kam er an die Komische Oper Berlin, wo er mit Götz Friedrich und Harry Kupfer zusammenarbeitete.

Bereits zu DDR-Zeiten erwarb sich Matthus auch international große Anerkennung. Er war dort einer der meistgespielten zeitgenössischen Komponisten. 1979 brachte die Dresdner Staatskapelle sein Werk "Responso" vor den Vereinten Nationen in New York zur Aufführung. Mit der Oper "Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke" wurde 1985 die Dresdner Semperoper wieder eröffnet. Über 20 Mal wurde seine Oper "Judith" nach der Uraufführung 1985 an der Komischen Oper Berlin aufgeführt.

Enge Beziehung zu Rheinsberg

Mit Rheinsberg, wo er 1952 sein Abitur abgelegt hatte, verband ihn eine enge Beziehung. Seine Vision nach der Wende war, den Ort der Musen, der im Schloss einst von den Preußenprinzen Heinrich und Friedrich geschaffen worden war, wieder aufleben zu lassen.

Mit dem Opernfestival für Nachwuchssänger schuf Siegfried Matthus dort sein größtes Nachwende-Projekt. Heckentheater, Schlosspark und das alte Theater von Prinz Heinrich wurden wieder zur Bühne. Auch Matthus Oper "Kronprinz Friedrich" wurde 1999 dort aufgeführt.

In den Jahren an der Kammeroper schuf Matthus auch selbst weitere Opern. Dazu zählt auch "Effi Briest", die 2019 am Staatstheater Cottbus uraufgeführt wurde. Für die Einweihung der Dresdner Frauenkirche 2005 komponierte er das "Te Deum". "Vorbilder waren mir dabei die musikdramaturgische Anlage des Verdischen Requiems und das Verarbeiten von Zeitdokumenten in Brittens 'War Requiem'", schrieb er dazu im Vorwort.

In der Kammeroper bewerben sich noch heute alljährlich junge Sänger aus aller Welt um eine Teilnahme. Die Karrieren führen sie dann später oft an internationale Opernhäuser.

Erhielt 2005 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse

Matthus war weiterhin Mitglied der Akademie der Künste Berlin und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Er wurde als Ehrenbürger der Stadt Rheinsberg geehrt und erhielt 2005 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und 2015 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik. Der Verband der deutschen Kritiker ehrte den Komponisten 1998 mit einem Preis und betonte, dass ihm das Kunststück gelinge, verbreiteten Hörgewohnheiten entgegenzukommen, ohne deshalb ins Kompromiss- oder Klischeehafte zu verfallen.

Sendung: rbb Kultur, 30.09.2021, 10 Uhr

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