Konzertkritik | Reggae in der Kulturbrauerei - Dreadlocks, Gras und schicke Anzüge

Symbolbild: Menschen tanzen zu Reggae. Aufnahme bei der Fête de la Musique an der Oberbaumbrücke am 21.06.19. (Quelle: dpa/Ben Kriemann)
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Audio: Inforadio | 18.08.2021 | Hendrik Schröder | Bild: dpa/Ben Kriemann

Livemusik umsonst und draußen, mit bekannten und unbekannten Bands: Das ist das Konzept der Konzertreihe "Kesselhaus Summer Stage". Am Dienstag gab es drei Reggae-Bands zu sehen. Hendrik Schröder hat mitgetanzt.

Das Wetter könnte unpassender kaum sein für Reggae-Musik. Graue Wolken hängen am Himmel, es nieselt, die Leute sitzen in dicken Pullis und Allwetterjacken an Biertischen und warten auf den ersten Act: Jon Moon aus Berlin. Aber kaum legt der zusammen mit seinem Percussionisten los, ist das schlechte Wetter völlig egal. Denn Band und Publikum haben richtige Bock auf einen guten Abend. Jon Moon hat einen stattlichen Dreadlock-Dutt und schluffige Klamotten an, singt viel über die Rastafari, zu der er sich selbst zugehörig fühlt - und hat einen fantastischen Drummer dabei. Mit Cajon, Becken, Shakern und allerlei anderem Kram ersetzt der eine halbe Band und es groovt und wippt ganz wunderbar. Die Leute klatschen und jubeln, und von links und rechts riecht es ein bisschen nach Gras.

Oberkörpertanz

Dann kommen Raggabund, zwei Brüder aus München. Raggabund, was für ein guter Bandname für so ein Duo. Nur mit Gitarre und einer Groovebox stehen sie auf der Bühne und die Stimmung wird noch etwas besser. Eine Groovebox ist ein Ding, in das man einen Beat reinsingt, den loopt und dann legt man noch einen Beat darüber und noch einen - und irgendwann klingt es wie ein halbes Orchester. Schade, dass die Leute coronabedingt an Tischen sitzen. Einige tanzen schon nur mit dem Oberkörper, so zappelig macht sie der Sound.

Juchzendes Finale

Dann kommt der Höhepunkt des Abends. Neun Leute in Anzügen kommen auf die Bühne: die Band Partiet aus Schweden. Der vollbärtige Drummer fuchtelt mit den Sticks in der Luft, als verscheuche er Fliegen - und spielt dabei aber derart auf den Punkt. Die Bläser gucken selbstironisch streng. Der Sound schiebt sich dicht und tight in den Biergarten. Der Sänger ist der geborene Entertainer, federt, schleicht, kriecht über die Bühne, guckt gefühlt allen gleichzeitig in die Augen. Am Ende steht dann doch der ganze Biergarten und tanzt und juchzt und es ist ein Fest. Was man aus so einem verregneten Dienstag Abend doch machen kann.

Sendung: Inforadio, 18.08.2021, 6:55 Uhr

Beitrag von Hendrik Schröder

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