Filmfestival "Achtung Berlin" startet - Auf der Leinwand sehen, was sich in der jungen Filmszene bewegt

Andrea-Sawatzki in Berlin vor einem Laternenphahl mit Zetteln; Quelle: Carmen Treichl/dffb
Audio: Inforadio | 07.09.2021 | A. Soyez | Bild: Carmen Treichl/dffb

Neues deutsches Kino aus Berlin und Brandenburg: Am Donnerstag startet zum 17. Mal das Filmfestival "Achtung Berlin". Im Fokus: Starke Frauen, Vielfalt – und natürlich Berlin. Alexander Soyez gibt Tipps für das diesjährige Programm.

Die Voraussetzungen, um in die Auswahl des Filmfestivals "Achtung Berlin" zu kommen, sind denkbar einfach und eingängig. "Was uns als Festival ausmacht, kann man gut in unserem Programmheft sehen und in den Credits jeder einzelnen Produktion: Da steht Berlin als Location oder als Heimat von Produktion oder Regie", so Regina Kräh, die gemeinsam mit Sebastian Brose das Festival leitet. Nach Start am Donnerstag läuft es bis Sonntag in acht teilnehmenden Kinos in Berlin und in einer Spielstätte in Templin. "Manche Filme wurden in Berlin produziert, bei manchen kommen die Regisseur:innen aus Berlin, bei manchen ist die Stadt der Drehort … und manche erfüllen alles." Außerdem sollte es eine Berlin-Premiere oder Uraufführung sein.

Achtung Berlin Filmfestival
Achtung Berlin Filmfestival | Bild: Achtung Berlin Filmfestival

Ein Festival für Diversität

Jenseits dieses Berlin-Kriteriums herrscht allerdings Vielfalt: Lange, mittellange, kurze, Spiel- und Dokumentarfilme, Serien und eine Retrospektive werden in diesem Jahr gezeigt. Eröffnet wird das Programm mit "Nico". Darin spielt die diesjährige Preisträgerin des "First Steps No Fear Awards", Sara Fazilat, die Hauptrolle einer jungen Deutsch-Perserin, die versucht, sich nach einem rassistischen Übergriff zunächst mit einem Karate-Kurs zurück ins Leben zu kämpfen.

"Der Film ist ein wunderbares Beispiel dafür, was sich in der jungen Filmszene bewegt", betont Festivalmacherin Regina Kräh. Drei Frauen haben sich zusammengetan und gemeinsam das Buch geschrieben, eine führte später Regie, die andere stand hinter der Kamera und die Dritte ist Produzentin und Hauptdarstellerin. "Das ist ein diverses und multikulturelles Team und ein multikultureller Stoff." Das gelte insgesamt für das Programm in diesem Jahr.

Zum zweiten Mal auf Grund der Corona-Pandemie verschoben

Dazu passt auch "Ivie wie Ivie", der Debütfilm von Sarah Blaßkiewitz, die als deutsch-Afrikanerin in Potsdam aufwuchs und in dem Film auch ihre eigene Geschichte verarbeitet. Es geht um Identitätssuche, unterschiedliche Kulturen, Rassismus. "Themen, die hier in der Stadt diskutiert werden", so Kräh.

Mehr Frauen vor und hinter der Kamera, unterschiedliche kulturelle Hintergründe in den Geschichten, die erzählt werden, finden sich immer wieder im Programm. Traditionell findet das Festival im April statt, aber wegen Corona jetzt schon zum zweiten Mal im September. "Anfangs hatten wir noch gedacht, wir könnten dieses Mal wieder in den April gehen," erinnert sich Regina Kräh. "Unsere Sichtungen haben wir wie üblich im Winter begonnen und aus den über 400 Einreichungen schon grob unser Programm zusammengestellt." Als im Februar die Entscheidung für den jetzigen Ersatztermin fiel, seien sie schon zu 80 Prozent mit dem Sichten durchgewesen. "Ein Bisschen haben wir uns aber noch freigehalten und einfach abgewartet, damit wir auch aktuell sind."

Familie und Berlin als zentrale Themen

Doch mehr Diversität ist nicht der einzige roten Faden, der sich durch das diesjährige Programm zieht. Es geht auffällig oft um Familie: Väter, Mütter, Töchter, Söhne, Geschwister, echte und Wahlfamilien. In fast jeder Sektion sind Geschichten über ihren Zusammenhalt oder ihr Auseinanderdriften zu finden.

Und immer wieder ist natürlich Berlin auf die eine oder andere Art der Star, mal unauffälliger im Hintergrund oder auch fast ausschließlich wie in einer der vier rbb-Koproduktionen auf dem Festival: "Notes of Berlin". Der Episodenfilm wurde von den einzigartigen Berliner Zettelbotschaften inspiriert und feiert auf dem "Achtung Berlin"-Festival seine Premiere, bevor er gleich darauf in den Kinos anläuft. Ein Film, der wie kein anderer auch ein Aushängeschild des Festivals ist und genau wie das Festival Berlin im Herzen trägt.

Achtung Berlin vom 9. bis 12. September in insgesamt 9 Spielstätten - Kino International, Filmtheater am Friedrichshain, Babylon, fsk Kino, Wolf Kino, ACUDkino, Lichtblick Kino, City Kino Wedding und Multikulturelles Centrum Templin.

1 Kommentar

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  1. 1.

    Vorab; Vielfalt ist immer gut. Es sollte aber die Lebenswirklichkeit widerspiegeln und nicht so "verzerren", wie z.B. bei "den Öffentlichen" TV-Filmen, wo man den Eindruck als Zuschauer hat, "ich gehöre nicht dazu und bin in einer Minderheit angekommen". Letztlich sorgt ja jede "Marotte" für eine Minderheit und man muss dann nicht so tun, als wäre es normal überrepräsntativ gegen Benachteiligung eben dieser "Marotte" ankämpfen zu müssen. Normal ist, wenn man nicht jedes mal "biologisiert" (gendert) und zum Tafelgeschäft einfach übergeht - jeder gehört irgendwie dazu...

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