"Himmel, Erde, Luft und Meer" – Grips Theater - Anregendes Spiel mit Schritten zur Klimarettung

Szene aus: "Himmel, Erde, Luft und Meer“ (Quelle: David Balzer/Bildbuehne)
Audio: Inforadio | Ute Büsing | 09.09.2021 | Bild: David Balzer/Bildbuehne

Lange musste der Saisonstart am Berliner Jugendtheater Grips Corona-bedingt verschoben werden. Zum Auftakt eines Klima-Schwerpunkts ist "Himmel, Erde, Luft und Meer" angelaufen, die Neufassung eines Stücks von Grips-Gründer Volker Ludwig. Von Ute Büsing

"Ändern ist das Einfachste der Welt. Man muss es nur machen und schon ist alles anders". Ein Satz, der von Klima-Aktivistin Greta Thunberg stammen könnte. Im neuen Grips-Stück "Himmel, Erde, Luft und Meer" sagt ihn jetzt Anna, ein hellsichtiges Mädchen, das mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hält.

Anna (Helena Charlotte Sigal) spricht mit einer Linde auf dem Schulhof und nennt sie "Asta", sie kann Gedanken lesen und schmecken, wenn Schadstoffe im Essen sind. Omas Spinat schmeckt für sie "tot" und das Gericht bei Freunden "kotzig", stammen die Pilze darin doch von einem kontaminierten früheren Truppenübungsplatz. Durch die aus Brandenburg zugezogene Neunjährige kommt Bewegung wie bei den Fridays for Future in ihr neues Berliner Umfeld.

Utopie gegen Machbarkeit

Sinnfällig gemacht werden die bewegten Kinder am Grips, in dem sie wie Figuren aus dem "Mensch, ärgere Dich-nicht"-Spiel angezogen sind und auf einem futuristischen Spielfeld mit High-Tech-Konsolen herum hüpfen, das ihren normierten Alltag absteckt (Bühne und Kostüme Raissa Kankelfitz). Bald sind Julia (Lisa Klabunde) und der erst zögerliche Aldi (Ludwig Brix) Feuer und Flamme für Annas Ansichten. Sie lassen sich überzeugen, dass Plastikmüll weg muss und Bäume um Hilfe schreien.

Einen erwachsenen Bündnispartner finden sie im Aushilfs-Hausmeister der Schule (Marius Lamprecht), während Julias zwei Väter (Marcel Herrnsdorf, Frederic Phung), es leider, leider, mit dem Machbaren halten und den Utopien der Tochter Kopfschütteln entgegensetzen. Sie will kein Fleisch mehr essen? Wieso und seit wann?! Zu allem Überfluss ist einer der Väter als Gesamtelternvertreter dafür verantwortlich, dass die Linde Asta einer neuen Weitsprunggrube weichen soll.

Klima-Show und KlimaPowerPaket für Schulen

Es ist mitten aus dem Leben erzählt, was sich Grips-Gründer Volker Ludwig in seinem dritten zukunftsweisenden Klimastück für Kinder, das 1990 uraufgeführt wurde, ausgedacht hat. In Christian Gieses aktualisierter Neufassung dockt "Himmel, Erde, Luft und Meer" jetzt an den Erfahrungen heutiger Neunjähriger an. Fridays for Future-Aktivisten standen beratend zur Seite. Jedenfalls geht das erste Premierenpublikum nach langer Corona-Pause ganz gut mit bei Petra Schönwalds Debüt-Inszenierung fürs Grips. Auch die freie Regisseurin bringt eine Menge aktivistische Energie, in ihrem Fall aus der Mieterinnen-Bewegung, mit ein. Die alten Umweltsongs wie "Alles Plastik" kommen zwar nur vom Band, ein wenig aufgepeppt vom Geräuschemacher, der auch Annas Oma spielt, aber der Drive bleibt drin.

Zum Schluss laufen die Kids zu einer großen "Klima-Show" an ihrer Schule auf. Dabei geht es ganz konkret darum, die Linde Asta zu retten – und ihr am besten noch weitere Bäume an die Seite zu pflanzen. Hier werden konkrete Schritte zur Rettung des Planeten im anregenden Spiel vorbildhaft umgesetzt. Ein guter Auftakt für den Grips-Saisonschwerpunkt, der sich auch in einem "KlimaPowerPaket" bündelt, das an alle Berliner Grundschulen verschickt wurde. In der 26seitigen – auf der Grips-Website kostenlos abrufbaren Broschüre [www.grips.online] werden Übungen zum spielerischen Einstieg in Klimaschutz und Klimawandel angeboten, passend zur ersten Premiere aufgeteilt in "Himmel, Erde, Luft und Meer".

Sendung: Inforadio, 09.09.2021, 07:55 Uhr

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