Festival im Haus des Rundfunks - Wenn die Kunst ein Funkhaus kapert

Bindfadeninstallation © Tomas Fitzel
Bild: Tomas Fitzel

Mit 90 Jahren ist das Haus des Rundfunks - aus dem der rbb noch heute sendet - das älteste Funkhaus Eurpas. Zum Jahrestag verwandelt das Kulturprogramm des rbb die Architektur-Ikone in einen Ort der Künste.

Zum 90. Geburtstag des Haus des Rundfunks (kurz HdR genannt) hat rbbKultur - das Kulturprogramm des rbb - 23 Kunstprojekte initiiert, die sich mit dem Funkhaus beschäftigen. Ab Freitag sind diese beim "Kunst im Bau"-Festival zu sehen. rbbKultur-Chefin Verena Keysers und Kuratorin Anke Schüttler über die Details.

rbb: Was passiert beim Festival "Kunst im Bau"?

Verena Keysers: Wir feiern 90 Jahre Haus des Rundfunks, rücken das Haus in den Mittelpunkt, verrücken die Perspektiven auf den Bau des Architekten Hans Poelzig und die vielfältigen historischen Schichten und Geschichten des Funkhauses. Mehr als 300 Künstlerinnen und Künstler aus der Region sind unserem Aufruf gefolgt und haben sich mit ihren Ideen beworben. Die ausgewählten Arbeiten zeigen wir ab dem 10. September drei Tage lang als Festival und dann drei Monate als Dauerausstellung im HdR. Insgesamt 27 Künstler:nnen und Ensembles sind beim Festival dabei.

Anke Schüttler: An diesem Festival und Ausstellungsprojekt ist so besonders, dass alle Kunst in direkter Auseinandersetzung mit dem Haus des Rundfunks und seiner Geschichte entstanden ist. Die Künstler:innen haben alle viel Zeit vor Ort verbracht und das Gebäude auf sich wirken lassen. Alle haben es sich auf ihre eigene Weise angeeignet, so weit gehend, dass manche das Haus des Rundfunks für kurze Zeit zu ihrem Atelier oder Projektraum umfunktioniert haben.

90 Jahre Haus des Rundfunks

Welche Künstlerinnen und Künstler nehmen mit welchen Projekten teil?

Anke Schüttler:
Es gibt insgesamt 23 Projekte. Das sind Fotografien, Collagen, Zeichnungen, Skulpturen, Performances, Tanz und Musik. Schon von außen am Treppenaufgang des HdR zu sehen ist eine Arbeit von Michael Hoepfel mit seiner Videoanimation "Inner City HdR". Das sind in in mühevoller Kleinstarbeit zusammengestellte Nachtfotografien des Haus des Rundfunks.

Die raumprägendste Arbeit findet sich im Lichthof, in dem sich über die Balustraden hinweg die Fadeninstallation "aus_STRAHLEN" des Architektenduos Tina Bremer und Lothar Eckhardt spannt. Eine kleine, sehr feine Arbeit, die man dann auch mit nach Hause nehmen kann, sind die Papierlaternen von Julia Ziegler. Sie greift mit ihrer Arbeit "Die Laternen der Marlene" nicht nur das Design der riesigen Lampen im Foyer auf, sondern rückt die Aufmerksamkeit damit auch auf eine Frau, die immer noch im Schatten des großen Architekten Hans Poelzig steht: Seine Frau und die Gestalterin der Leuchten: Marlene Moeschke-Poelzig.

Worauf freuen Sie sich ganz besonders?

Verena Keysers: Im Hof des HdR finden sich kyrillische Graffiti, hinterlassen von dem sowjetischen Wachkommando. Dieses fand es in den zwei Jahren ab 1954, als das Haus ein Faustpfand des Kalten Krieges war, offensichtlich sehr öde in der Masurenallee und ritzte Ausrufe dieser Langeweile in die Wände. Der Performer Christopher-Felix Hahn reenacted diese besondere Zeit des "Haus des Schweigens".

Anke Schüttler: Einer meiner Mentoren für ortsspezifische und gemeinschaftsorientierte Kunst, Harrel Fletscher, hat mal gesagt, dass er ein Projekt für besonders gelungen hält, wenn er am Ende genauso Zuschauer und freudvoll Miterlebender ist, wie alle anderen auch. Ich freue mich sehr darauf, diesen Punkt zu erreichen, wenn ich während des Festivals bei einem der Parcours mitlaufen, die Kunst aus der Perspektive der Betrachter erleben und mich von den Performances überraschen und verzaubern lassen darf.

Sendung: rbbKultur, 09.09.2021, 9:45 Uhr

2 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 2.

    Ich wundere mich über die These, der imposante Poelzig-Bau sei das älteste Rundfunkhaus Europas. In Hamburg wurde das neue Funkhaus der Norag am 8. Januar 1931 in Betrieb genommen, also zwei Wochen vor der Berliner Eröffnung, was sicherlich eine Spitze der Hanseaten gegenüber der Hauptstadt war. Vgl. https://www.ndr.de/der_ndr/unternehmen/chronik/Ein-Funkhaus-fuer-Norden,funkhaus111.html

  2. 1.

    Ich durfte mal euer "Reich" besichtigen. Sogar bei einer Rundfunksendung muckmäuschenstill zusehen und -hören. Schon beeindruckend. In die "Beamtenbagger" ;-) habe ich mich regelrecht verguckt.

Nächster Artikel