Masud Akbarzadeh in der Ufa-Fabrik - Der Hipster Aladin

Masud Akbarzadeh während einer Veranstatung im Columbia Theater am 07.02.2018 (Bild: imago images/Roland Owsnitzki)
Bild: imago images/Roland Owsnitzki

Stand-up-Comedian Masud Akbarzadeh pendelt mit seinen Shows zwischen Blödelei, klugem Witz und derber Improvisation mit dem Publikum. Und ist damit sehr erfolgreich. Am Mittwoch tritt er mit neuem Programm in der Ufa Fabrik auf. Von Hendrik Schröder

Aus seiner Biografie macht der Stand-up-Comedian ein großes Geheimnis. Geboren sei er irgendwann zwischen 1981 und 1991 im Iran, heute lebe er in Berlin, zwischendurch habe er mal in den USA gelebt - mehr sagt er nicht im Interview.

Kein Geheimnis hingegen ist, dass Masuds Programme wahnsinnig lustig sind. Er sei in seiner Familie immer schon der Clown gewesen, erzählt er, seine Eltern hätten ihn manchmal nachts geweckt, wenn ihnen langweilig gewesen sei und er sollte dann was vormachen.

Ob das stimmt? Das weiß man bei Masud nie so genau. Spricht da gerade die Kunstfigur oder der echte Typ? Tatsache ist, dass Masud irgendwann gemerkt hat, dass nicht nur seine Familie ihn ziemlich lustig findet: "Stand Up Comedy hat einfach damit angefangen, dass ich zu Hause vorm Spiegel stand und geredet habe und dachte, hey, das klingt witzig. Mach das doch mal auf der Bühne."

Mama hat an ihn geglaubt

Also geht Masud zu Open Mic Wettbewerben. Das sind Veranstaltungen, wo jeder auf die Bühne darf und ein paar Minuten etwas erzählen. Manchmal drei bis vier mal pro Woche geht er zu solchen Open Mics, beobachtet: Was kommt an? Dass das irgendwann so erfolgreich werden könnte, dass Comedy zu seinem Beruf wird, ahnt er selbst damals noch nicht. Seine Mutter schon: "Meine Mutter war die einzige, die gesagt hat: Ah, Masud geht arbeiten! Obwohl das kein bezahlter Auftritt war. Ich bin einfach nur hingegangen und hab mein Ding gemacht."

Irgendwann kommen dann die ersten Anfragen für bezahlte Auftritte, für kleine Nummern im Fernsehen. Masud schmeißt seinen Nebenjob als Kellner und konzentriert sich nur noch auf die Bühne. In Pluderhosen und mit lila Sakko, die endlos langen Haare zum Pferdeschwanz gebunden, steht und sitzt er dann da und sieht aus, so sagt er es selbst, wie ein Hipster Aladin.

Mit seiner Migrationsbiografie spielt er dabei gerne, macht Witze über die Ausländer, Araber, Perser. 15 Prozent seines Programms mache dieses Spiel mit der Herkunft aus, sagt er, mehr aber nicht. Denn irgendwann sind auch alle Witze darüber gemacht und nur auf die "lustiger Orientale"-Rolle hat er keine Lust. Aber ganz ohne geht es auch nicht, sagt er: "Du gehst auf die Bühne und die Leute sehen: OK, der ist nicht von hier - und dann ist es normal, dass man sich vorstellt. Und dann rede ich natürlich auch über meinen Hintergrund, was auch die Kuriosität des Publikums verlangt, weil die auch wissen wollen: Wo kommt der her?"

Das Publikum wird nicht geschont

Zu ganz großer Form läuft Masud auf, wenn er mit dem Publikum interagiert, was er häufig macht. Derbe in der Sprache, gedankenschnell im Kopf. So spricht er gerne mal Paare im Publikum an und fragt ungeniert: Wie lange seid ihr schon zusammen? Macht ihr auch Spieleabende? Bis die Zuschauer rote Köpfe bekommen.

Bei seinen Auftritten sieht Masud oft so aus, als hätte er gerade eben auf dem Weg zur Show eine kleine Geschichte in der U-Bahn erlebt oder im Fahrstuhl und erzählt die jetzt mal eben nebenbei. Das macht er so verschmitzt und sympathisch, aber auch ein bisschen schmierig, ein bisschen drüber manchmal. Mit vielen ähs und gespielter Nervosität nähert er sich dann wie nebenbei der Pointe. Diese Geschichten so beiläufig zu bringen, das sei eigentlich das schwerste, meint Masud: "Du musst eine Sache immer so erzählen, als würdest Du sie gerade das erste Mal erzählen. Dass die Leute im Bann sind. Das macht ja die Sache aus, als Geschichtenerzähler in dem Sinne."

Sendung: Inforadio, 01.09.2021, 14:55 Uhr

Beitrag von Hendrik Schröder

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