rbb-Aktion für die Berliner Kultur - Schriftzug #keinBerlinohneKultur entsteht auf dem Rollfeld von Tegel

Aktion #KeinBerlinOhneKultur von rbbKultur und Radio Eins (Quelle: rbb/Antje Bonhage)
rbb/Antje Bonhage
Audio: Inforadio | 20.09.21 8:10 Uhr | Antje Bonhage | Bild: rbb/Antje Bonhage

Es soll eines der größten Kunstwerke der Stadt werden: Auf dem Rollfeld des Flughafens Tegel nimmt derzeit der Schriftzug #keinBerlinohneKultur Gestalt an. Die rbb-Aktion ist gemeint als Botschaft und Mahnung zugleich. Von Antje Bonhage

#keinBerlinohneKultur steht am Flughafen Tegel in großen Buchstaben auf dem Rollfeld von Terminal A - zwischen Gate 4 und 5. Mit der Aktion wollen der rbb-Sender Radioeins und des Kulturprogramms rbbkultur ein Zeichen für die Berliner Kultur setzen. Auch rbb-Hörerinnen und Hörer konnten einen Buchstaben ausmalen.

Von hier aus starteten bis vor kurzem noch Flugzeuge in die Welt. Jetzt findet - sozusagen am Boden geblieben - die Mal-Aktion statt. Zwölf bis 15 Teilnehmende dürfen pro Zeitfenster aufs Feld, insgesamt etwa 200 über das Wochenende verteilt. Obwohl der Flugverkehr still steht, tragen alle zur Sicherheit gelbe Westen.

Aus unterschiedlichen Gründen hatten sich die Teilnehmenden fürs Mitmachen beworben. Ein ehemaliger Flughafenmitarbeiter beispielsweise möchte die Chance nutzen, um sich einmal künstlerisch ausdrücken. "Denn so machen wir alles ein bisschen bunter“, hofft er. Einer jungen Frau gefiel einfach die Idee.

Tegel KeinBerlinohneKultur
| Bild: radioeins

Berlin ohne Kultur: Wie ein Sommer ohne Schwimmen im See

An diesem Tag ist das "K" in Kultur dran. #keinBerlinohneKultur ist erst einmal nur als Umriss in riesigen Lettern auf den Boden gezeichnet. Sobald alle Buchstaben bunt sind, soll man den Schriftzug von einem überfliegenden Flugzeug aus lesen können: Eine Botschaft an die ganze Welt. Berlin sei "Kultur an sich", findet eine Teilnehmerin. Ein Mann stimmt ihr zu: Berlin brauche die Kultur, und ja, "Berlin ist Kultur", setzt er hinterher. Ohne Kultur hätten wir eine Welt ohne Träume, so eine Dritte. Das habe sie auch in ihre Bewerbung für die Mitmach-Aktion geschrieben. In weiteren Bewerbungen wird Berlin ohne Kultur mit einem "Körper ohne Herz" verglichen, mit einem "Gesicht ohne Lächeln" oder mit einem "Sommer ohne Schwimmen im See".

Gemalt werden kann alles

Neben dem "K" stehen Eimer mit roter, blauer, gelber und grüner Farbe. Alle Teilnehmenden bekommen einen großen Pinsel. Die Buchstaben sind in kleinere Flächen unterteilt. Auf welchem Feld innerhalb des Buchstaben, und was man malen möchte, kann man sich jeweils aussuchen.

Ein Mann benötigt Weiß mit einem Schuss Gelb vermischt. Er möchte die Katze Mauzi, eine Figur aus dem Videospiel Pokémon malen. "Für meine Kinder", sagt er. Und fügt dann hinzu: "Aber eigentlich mag ich Mauzi auch selbst sehr gern."

Zwei Jugendliche teilen sich ein Feld. Sie wollen Augen, Münder und andere Körperteile auf weißem Untergrund malen. Ihr Problem: Die Farbe verläuft, weil der Boden noch nass ist. Denn bis kurz zuvor hat es noch geregnet. Die Aktion drohte sogar, ins Wasser zu fallen.

Aktion #KeinBerlinOhneKultur von rbbKultur und Radio Eins (Quelle: rbb/Antje Bonhage)Foto: Antje Bonhage

Erinnerungen an den Flughafen

Eine Berlinerin ist mit ihrem kleinen Sohn im Kinderwagen gekommen. Sie will die Regenbogenflagge malen, denn die sei auch Kultur. Zudem wollte sie unbedingt den Flughafen noch einmal sehen. Denn mit Tegel verbinde sie viel: "Ich bin schon als kleines Kind hier losgeflogen. Ich mochte diesen Flughafen einfach."

Theater, Kinos, Museen beteiligen sich

Nach und nach nimmt das "K" Gestalt, nein: Farbe an. Gleich ist das zweistündige Zeitfenster vorbei und die nächste Gruppe ist dran. Der Himmel ist noch bewölkt, aber es regnet nicht.

Bis zum 30. September sollen alle Buchstaben ausgestaltet sein. Auch viele Kultureinrichtungen machen mit. Das Jüdische Museum hat ein "N" gestaltet, das Futurium ein "E". Theater, Kinos und Museen machen mit, aber auch Alba Berlin, die Werkstätten der Menschen mit Behinderung oder Organisationen wie der Christopher Street Day.

Eine Mahnung in Corona-Zeiten

#keinBerlinohneKultur ist für viele von ihnen ein Bekenntnis. Doch es versteht sich zugleich als Mahnung: Während der pandemiebedingten Lockdowns waren die Kultureinrichtungen die ersten, die schließen mussten. Ein Großteil des kulturellen Lebens war monatelang auf Eis gelegt. Und das, auch so liest sich die Botschaft, dürfe in Berlin nicht sein.

Sendung: rbbKultur, 20.9.2021, 8:10 Uhr

Beitrag von Antje Bonhage

3 Kommentare

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  1. 3.

    Wo der Mensch ist, ist Kultur. Daher wird es auch nie ein Berlin ohne Kultur geben. Wie diese jedoch aussieht, entspricht dem jeweiligen Zeitgeist und daher auch einem steten Wandel.

    Auch Corona wird darin nicht rütteln, alles was den Menschen als Kultur wichtig sein wird, wird sich durch die Zeit halten, oder anschließend wiederbelebt werden. Alles andere wurde vermutlich eh nur künstlich am Leben gehalten.

  2. 2.

    Sie stellen in Ihrem Kommentar eine Reihe von polemischen Fragen. Als konstruktiv empfinde ich Ihre Äußerung daher nich. Interessant und zielführend wäre hingegen, Ihre Definition von Kultur zu erfahren bzw. das, was Ihrer Meinung nach zu Kultur in Berlin gehört.

  3. 1.

    welche Kultur ist damit gemeint?
    Die Kultur des Zerstörens von Westberliner Institutionen wie den Flughäfen Tempelhof und Tegel?
    deutsche Kultur? - was immer man auch darunter verstehen möge?
    linke Kultur? rechte Kultur? Multikulti?
    Oder um die kulturellen Ereignisse, die - außer den Künstlern - niemand gegen Eintritt betrachten möchte, und die daher gaaaanz laut um Subventionen bitten, weil niemand diese brotlose Kunst ertragen will?

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