rbbl24-Format "Jetzt mal konkret" - "Wir wollen zeigen, was man gegen Ungerechtigkeiten machen kann"

"Blogger*in des Jahres 2021": die Journalistin Teresa Bücker, hier: 2019 zu Gast bei Anne Will im Ersten Deutschen Fernsehen; © imago-images/Jürgen Heinrich
Audio: Radioeins l 22.09.2021 l Sonja Koppitz und Max Spallek | Bild: imago-images/Jürgen Heinrich

rbb|24 hat ab sofort einen eigenen Kanal auf YouTube. Mit regionalen Informationen und Hintergründen. Teresa Bücker ist Host des neuen Formats "Jetzt mal konkret" - und spricht im Interview darüber, welche Schieflagen in den Videos thematisiert werden.

rbb|24: Hallo Teresa Bücker, "Jetzt mal konkret", das ist schon mal eine Ansage für so einen Kanal. Über welche Themen werdet Ihr denn konkret sprechen?

Teresa Bücker: "Jetzt mal konkret" ist ein Format, das sich Gerechtigkeitsthemen widmet und zwar wirklich einzelnen Fragen, um die in der Tiefe zu beleuchten, ungefähr zwölf Minuten lang. Es geht auch darum zu zeigen, was man da denn eigentlich machen kann. Viele Menschen haben schon gemerkt, ein paar Dinge in unserer Gesellschaft laufen nicht wirklich gerecht. Diese Themen wollen sie eben von einem journalistischen Format erklärt bekommen. Wir wollen mögliche Lösungen genauer beleuchten. Wie ginge es denn eigentlich besser? Welche Lösungen gibt es aus der Wissenschaft? Was kann Politik eigentlich machen?

Ein Beispiel ist, wie viel Zeit Frauen oder Männer in einer Beziehung in die Kindererziehung stecken oder in den Haushalt. Wie könnte es denn da besser, gerechter gehen?

Ja, der sogenannte Gender Pay Gap, den wir in der zweiten Folge beleuchtet haben, der ist wichtig, weil er Chancen ungleich verteilt und auch Belastung. Deutschland ist ja ein modernes Land aber wir haben immer noch sehr traditionelle Rollenmodelle. Das heißt, wenn heterosexuelle Paare Eltern werden, dass dann oft die Väter sehr viel mehr bezahlt arbeiten und die Mütter sehr viel mehr unbezahlt arbeiten. Deshalb haben die Mütter dann eben auch eine niedrige Rente oder kommen ihren Job einfach nicht voran. Und da kann man wirklich politisch sehr, sehr viel machen.

Ich denke, das Wichtigste wäre eine Angleichung der Arbeitszeiten, dass vielleicht beide Partner etwa 30 Stunden arbeiten können und der Gender Pay Gap sich auch schließt. Das heißt, dass es tatsächlich innerhalb des Paares auch fair verteilt werden kann, weil der eine damit nicht ungleich viel mehr verdient. Und dann gibt es noch so ein paar Anreize, die die Politik setzt. Dazu zählt das Ehegattensplitting, was sich nachteilig darauf auswirkt, dass Frauen wirklich voll in den Arbeitsmarkt eintreten.

Jetzt könnte man allerdings natürlich sagen, wenn sie in diese Bereiche geht, Kindererziehung, Haushalt, dass das schon eine ziemliche Privatsache ist. Warum glaubst du, müsst ihr euch da einmischen?

Naja, ich glaube, dieses Argument, 'das ist privat', das wird vorgeschoben, um keine politischen Reformen machen zu müssen. Vom aktuellen System oder von den politischen Regelungen, die wir gerade haben, profitiert eine sehr kleine Gruppe. Und das ist ungerecht, weil wenn wir sehen, dass über die Strukturen, die unsere Politik setzt, vornehmlich Frauen in Altersarmut gehen oder vornehmlich Frauen nicht ihre beruflichen Wünsche verwirklichen können, dann können wir eben nicht Gleichberechtigung, die auch unser Grundgesetz garantiert, ermöglichen.

Und das ist ja Aufgabe von Politik, diese Nachteile abzubauen. Und dieser Faktor ist überhaupt nicht privat, sondern das ist von öffentlichem Interesse, dass alle Menschen in Deutschland auch die gleichen Chancen haben, ihre Lebenswünsche realisieren können. Und da tragen wir mit dem Format dazu bei zu zeigen 'hey, das ist nicht euer privates Problem, ihr macht nichts falsch, sondern wir brauchen hier tatsächlich Impulse aus der Politik und auch der Gesellschaft, damit wir alle ein bisschen gleichberechtigter leben können.'

Der Gender Pay Gap wird gerade aktuell diskutiert. Was sind so die nächsten Themen der nächsten Folgen?

Also die erste Folge, die wir gemacht haben, die war gleich zum Schulstart. Da haben wir uns damit beschäftigt, dass tatsächlich auch an den Berliner Schulen noch immer Segregation stattfindet. Das heißt selbst Mittelschichts-Familien, die zwar in Neukölln leben, weil es da irgendwie hip ist, schicken aber ihre Kinder in andere Stadtteile, auf Schulen, wo sie mit nur weißen Kids zur Schule gehen. Das haben wir zum Start gemacht, um mal zu zeigen, was kann man da eigentlich verändern und warum ist das ein Problem? Wir werden uns auch mit psychischer Gesundheit beschäftigen, in einer der nächsten Folgen und auch mit dem nächsten Bundestag. Und da mal gucken, welche Menschen sind da eigentlich repräsentiert und welche nicht. Und bildet der nächste Bundestag die Vielfalt der Gesellschaft wirklich ab?

Jetzt mal konkret So heißt das neue RBB YouTube Format, unter anderem moderiert von Teresa Bücker. Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg.

Das Interview führten Sonja Koppitz und Max Spallek, Radioeins. Der Text ist eine gekürzte und redigierte Fassung. Das komplette Gespräch können Sie hören, wenn Sie auf den Play-Button im Titelbild klicken.

Sendung: Radioeins, 22.09.2021, 17:45 Uhr

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