Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg - Kündigung gegen früheren künstlerischen Leiter der Berliner Ballettschule unwirksam

Gregor Seyffert, ehem. Künstlerischer Leiter der Staatlichen Ballettschule Berlin (Bild: dpa/Christophe Gateau)
Bild: dpa/Christophe Gateau

Im Zusammenhang mit dem Berliner Ballettschulskandal hat das Landesarbeitsgericht am Freitagmorgen entschieden, dass Gregor Seyffert, der frühere künstlerische Leiter der Staatlichen Ballettschule, weiter beschäftigt werden muss.

Seine Kündigung sei aus formalen Gründen unwirksam, weil die Berliner Bildungsverwaltung die vorgeschriebenen Fristen für eine außerordentliche Kündigung nicht eingehalten habe. Ähnliche Entscheidungen hatte das Landesarbeitsgericht auch schon im Fall des ebenfalls gekündigten Schulleiters Ralf Stabel gefällt.

Demnach sind in früheren Verfahren keine Versäumnisse nachgewiesen worden, die ihm persönlich zur Last gelegt werden könnten. Insofern seien die Kündigungen weder formal noch inhaltlich ausreichend begründet gewesen.

Der Fall geht zurück auf die Berichterstattung von rbb24-Recherchen im Januar 2020: Lehrkräfte und Schüler hatten gravierende Missstände an der Staatlichen Schule für Ballett und Artistik beklagt. Eine Expertenkommission und eine sogenannte Clearingstelle für Betroffene bestätigten später, dass es unter anderem unangemessenen Leistungsdruck, Drill, archaische Lehrmethoden, unzureichende Gesundheitsfürsorge, Essstörungen bei Kindern, psychische und sexualisierte Gewalt, also insgesamt eine "Kultur der Angst" an der Schule gegeben habe.

Auch die Schulaufsicht unter Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) geriet in diesem Zusammenhang in die Kritik. Inzwischen liegen rbb24-Recherche Informationen vor, wonach betroffene Eltern Strafanzeige gegen die Verantwortlichen für die Missstände erstattet haben.

Sendung: Radioeins, 08.10.2021, 15:40 Uhr

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