Kontakte zu Querdenkern - Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Künstler Morgenstern abgesagt

Das Theaterstück «Ein ganzes Leben» von Robert Seethaler - vorgetragen vom Musiker Tobias Morgenstern und dem Schauspieler Thomas Rühmann, hier spielt Tobias Morgenstern auf seinem Akkordeon. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Bild: Patrick Pleul/dpa

Eigentlich sollte der Brandenburger Tobias Morgenstern das Bundesverdienstkreuz erhalten. Wegen Kontakten des Künstlers in die Querdenker-Szene hat Bundespräsident Steinmeier die Verleihung abgesagt.

Bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes für Kulturschaffende am Freitag im Schloss Bellevue haben zwei Brandenburger gefehlt: Tobias Morgenstern und Thomas Rühmann vom Theater am Rand in Zollbrücke (Märkisch-Oderland). Dabei standen die beiden Künstler eigentlich auf der Liste für die Auszeichnung. Aber während der Schauspieler Thomas Rühmann in den nächsten Tagen noch ausgezeichnet werden soll, hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Verleihung des Ordens an Tobias Morgenstern zuvor abgesagt.

Morgenstern sollte erst für seine Arbeit im Rahmen des brandenburgischen "Theater am Rand" ausgezeichnet werden, wie eine Sprecherin des Bundespräsidialamtes der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erklärte. Es seien jedoch "konkrete Hinweise" bekanntgeworden, dass Morgenstern der Querdenker-Szene angehöre. In seiner Rede bezog sich Steinmeier zwar nicht explizit auf den ausgeladenen Morgenstern, kritisierte die Querdenker-Szene jedoch als "Kult des Irrationalen".

"Kritische Äußerungen" auf Facebook

Morgenstern sagte der dpa, das Büro des Bundespräsidialamtes habe ihm im Vorfeld mitgeteilt, dass die Absage mit seinen kritischen Äußerungen vor anderthalb Jahren zusammenhänge, unter anderem auf seiner Facebookseite. Die Absage des Preises nehme er gelassen. Zugleich sagte er: "Wir als Gesellschaft haben wahrscheinlich ein Problem im Moment, unterschiedliche, vor allem kritische Auffassungen zum Zeitgeschehen gelten zu lassen."

Landrat Gernot Schmidt (SPD) kritisierte die Entscheidung aus dem Bundespräsidialamt am Samstag in der Sendung Brandenburg aktuell des rbb. "Ich finde es schlimm, wenn wir solche Positionen nicht demokratisch ertragen können. Ich bin der Meinung, wir müssen miteinander respektvoll umgehen und ich bin auch der Meinung, dass Demokratie Meinungsvielfalt ertragen muss."

Ähnlich kritisch äußerte sich auch die Geschäftsführerin des Theaters am Rand, Almut Undisz. "Wir nehmen das schon als Schlag gegen das ganze Theater wahr", sagte Undisz am Samstag im rbb Fernsehen. "Herr Morgenstern ist schon immer aufgefallen durch ein sehr kritisches Denken, aber das hat uns auch Dinge beschert, die ich persönlich sehr zu schätzen weiß."

Bundesverdienstkreuze für Kulturschaffende

Bundespräsident Steinmeier hat Bundesverdienstkreuze am Freitag an Menschen verliehen, die sich während der Corona-Pandemie in besonderer Weise um Kunst und Kultur verdient gemacht hatten. "Die Pandemie hat uns bewusst gemacht, welche Bedeutung, welchen Wert Kunst und Kultur für uns haben - für das Leben jedes und jeder Einzelnen, aber auch für unsere Gesellschaft und unsere Demokratie", sagte Steinmeier bei der feierlichen Verleihung im Schloss Bellevue am Freitag.

Die Corona-Krise habe alle, die für die Kultur arbeiten, "besonders hart getroffen", sagte der Bundespräsident weiter. "Diese Ordensveranstaltung soll deshalb auch ein Zeichen sein: Wir dürfen nicht zulassen, dass einzelne Zweige unserer Kultur nach der Corona-Krise verdorren oder absterben."

Einen Orden bekamen etwa die Veranstalterin Petra Schubert, die während der Pandemie klassische Konzerte für Seniorinnen und Senioren in Pflegeeinrichtungen organisierte. Auch die Leiterin der Bremer Shakespeare Company Renate Heitmann wurde geehrt, sie initiierte den "Bremer Kultursommer Summarum" im ersten Pandemiejahr.

Darüber hinaus wurden auch der Schauspieler Burghart Klaußner ("Der Staat gegen Fritz Bauer"), der tschechische Schriftsteller Jaroslav Rudi? ("Winterbergs letzte Reise") oder der Fotograf Akinbode Akinbiyi mit einem Orden ausgezeichnet. Auch der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, erhielt für sein Engagement "gegen Vorurteile, Unwissenheit, Hass und Gewalt" auch im Rahmen des Themenjahres "1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" einen Orden.

Sendung: Brandenburg aktuell, 02.10.2021, 19:30 Uhr

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