Premierenkritik | "Zaubermelodika" in der Komischen Oper - Sarastro in der Sauna

Mo 25.10.21 | 08:32 Uhr | Von Hans Ackermann
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Die Zaubermelodika (Quelle: Iko Freese/drama-berlin.de)
Audio: Inforadio | 25.10.2021 | Hans Ackermann | Bild: Iko Freese/drama-berlin.de

Mit der "Zaubermelodika" hat der international erfolgreiche finnische Jazzpianist Iiro Rantala seine zweite Oper komponiert - frei nach Mozarts "Zauberflöte" und gedacht als moderne Fortschreibung des altbekannten Singspiels. Von Hans Ackermann.

"Man singt und spricht nicht in der Sauna !", mahnt der Kinderchor der Komischen Oper. Verschwiegen sollten die drei Bewerber Tamino, Pamina und Monostatos sein. Alle drei wollen Nachfolger von König Sarastro werden und müssen dafür als erstes die Sauna-Prüfung bestehen - bei der sie mit Geschnatter und Gerede natürlich alles falsch machen.

Finnischer Humor

Mit finnischem Humor schicken Iiro Rantala und die ebenfalls in Helsinki lebende Librettistin Minna Lindgren ihre Helden an typisch-finnische Orte. Von der Sauna geht es an einen zugefrorenen See, wo man beim "Avanto", beim Eisbaden, möglichst lange im Wasser ausharren muss. Dazu swingt das Orchester der Komischen Oper wie eine waschechte Bigband, mit gestopfter Trompete und Jazzbesen auf der Snare Drum, der beidseitig mit Fell bespannten Zylindertrommel.

Die Prüfungen sind der Höhepunkt im zweiten Akt der Oper, an dessen Ende - das kann man verraten - Prinzessin Pamina die neue Königin wird. Schwiegervater Sarastro ist einfach zu alt geworden für diesen Job, Ehemann Tamino hat sich in den deshalb anberaumten "Eignungsprüfungen" als zu schwach für die Nachfolge erwiesen.

Dauernd geht es ihm nicht gut, er jammert in der Sauna und zaudert am Eisloch. Und auch, als es darum geht, mit bloßem Hinterteil am längsten auf einem riesigen Ameisenhügel auszuharren - noch so ein schöner finnischer Brauch - hat er gegen Pamina und Monostatos keine Chance.

Größte Heiterkeit im Saal

Natürlich rufen solche urkomischen Szenen, die vom Orchester mit farbenfroher Instrumentierung begleitet werden, bei Kindern und Erwachsen im Saal größte Heiterkeit hervor.

Der erste Akt, den man auch ohne Kenntnisse des Originals verstehen kann - wie es im Programmheft zuversichtlich heißt - zeigt, dass die Heldinnen und Helden aus Mozarts "Zauberflöte" wirklich in die Jahre gekommen sind. Papageno und Papagena haben eine Schar von Kindern bekommen, Sarastro leidet unter schlimmer Vergesslichkeit, die Königin der Nacht schließlich hat ihre frühere Macht eingebüßt und träumt von den guten alten Zeiten. "Das war ich", singt sie vor einer alten Fotografie, "das war ich, und alle hatten Angst vor mir !".

Bei Mozart noch in höchsten Tönen unterwegs, liefert die einstige Herrscherin auch in Rantalas Oper eine sängerische Spitzenleistung - allerdings als Männerstimme, mit der ein grandioser Stefan Sevenich mühelos vom tiefen Bariton in das hohe Register eines Countertenors springt.

Was macht die Zaubermelodika ?

Aber was hört man eigentlich vom titelgebenden Blasinstrument - der Melodika, die eine Mischung aus Blas- und Tasteninstrument ist? "Die Zaubermelodika ist ein seltsames Ding", heißt es in der diesbezüglichen Arie, ansonsten ist sie tatsächlich nur Bühneninstrument, ist nur als Requisite zu hören. Das herrliche, grün-schillernde Bühnenbild allerdings könnte farblich von ihr inspiriert sein, von den ersten, 1957 beim deutschen Hersteller Hohner erfundenen und produzierten "Melodicas", die eben traditionell grün waren.

Eines dieser Instrumente hat der 1970 geborene Komponist Iiro Rantala seinerzeit geschenkt bekommen und es habe ihm, wie er sagt, beinahe die Freude an der Musik verdorben. Zum Glück haben ihm seine Eltern dann bald ein "richtiges" Klavier gekauft.

Bei der Premiere des modernen Singspiels, das eine gelungene Mischung aus Musical, Jazz und Oper präsentiert, ist Rantala im Orchestergraben dann auch am Flügel mit dabei und lässt im knallbunten Sakko immer mal wieder sein Können als Jazzpianist aufblitzen. Eine "Zaubermelodika" aber setzt auch er im Stück kein einziges Mal an die Lippen - was mit Blick auf die Klangpracht der lustigen Tröte wohl auch besser ist.

Sendung: Inforadio, 25.10.2021, 06:55 Uhr

Beitrag von Hans Ackermann

1 Kommentar

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  1. 1.

    Eine kleine Ergänzung zu der sehr schönen Kritik: Herr Rantala spielt in der Vorstellung neben dem Klavier auch die „Zaubermelodika“.

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