Preisträger des Dirigentenwettbewerbs - Jockel und Blex dürfen Kirill Petrenko assistieren

So 24.10.21 | 19:22 Uhr | Von Maria Ossowski
Die Preisträger des Petrenko-Assistenzwettbewerbs Oscar Jockel (links) und Christian Blex (Bild: Stefan Höferath)
Bild: Karajan-Akademie / Stefan Höferath

200 junge Menschen aus 15 Nationen haben sich um den begehrten Assistenzplatz an der Seite des Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker beworben, jetzt stehen die Sieger fest. Die Jury vergab gleich zwei Mal die Goldmedaille. Von Maria Ossowski

Die Jury konnte und wollte sich nicht entscheiden. Zwei junge Dirigenten teilen sich die Zeit bei Kirill Petrenko, je ein Jahr dürfen Christian Blex aus Koblenz und Oscar Jockel aus Regensburg dem Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker assistieren.

Beide bleiben zwei Jahre Akademisten an der Karajan-Akademie, der Talentschmiede der Philharmoniker. Sie hat den Preis zusammen mit dem "Siemens Art Program" ausgelobt. Stefan Frucht, selbst Dirigent und Leiter des Siemens Programms: "Wir fanden das fair, weil die Entscheidung knapp war. Kirill Petrenko konnte sich eine Teilung auch gut vorstellen."

Jockel wohnte zuletzt auf einer Alm

200 junge Dirigenten aus 15 Nationen hatten sich beworben. Vor Publikum und der hochkarätigen Jury durfte drei im Finale das Orchester der Karajan-Akademie im Kammermusiksaal dirigieren, neben Beethovens "Leonore" auch Tschaikowskys "Rokoko-Variationen" und Debussys "Nachmittag eines Fauns".

Die Spanierin Isabel Rubio war die dritte im Bunde, sehr temperamentvoll. Sie hat am Schluss aber nicht ganz überzeugen können, denn gewünscht war kein Konzert, sondern eine Probe. Wie reagiert dann das Orchester? Überzeugt die Schlagtechnik? Schwingen alle miteinander?

Auf eine Probe kann man sich zwar vorbereiten, aber dann, so Preisträger Oscar Jockel, gilt nur der musikalische Augenblick: "Das kommt spontan, man muss den Moment erkennen, zuhören und sofort regieren, das geht nur mit offenen Ohren." Oscar Jockel kommt wie auch Christian Blex nicht aus einer Musikerfamilie. Jockel komponiert viel, wohnt mal hier, mal dort: "Letztes Jahr habe ich auf ‘ner Alm mit drei Kühen gelebt, hab gemolken in der Steiermark und komponiert, und jetzt ziehe ich wahrscheinlich nach Berlin."

Für Blex erfüllt sich ein Traum

Christian Blex hat Rockmusik gemacht, E-Gitarre gespielt, bevor er die Klassik entdeckte und unter anderem in Oslo studierte: "Wenn mir jemand vor zwei, drei Jahren gesagt hätte, dass ich heute hier stehen würde, den hätte ich für verrückt erklärt. Ich bin so dankbar, auch dafür, wie das Orchester der Karajan-Akademie gespielt hat."

In der Jury unter dem Vorsitz von Kirill Petrenko saß auch Andrea Zietzschmann, die Intendantin der Berliner Philharmoniker: "Für junge Dirigenten ist das der absolute Traum, hier alle großen Dirigenten zu erleben und immer den Zugang zu haben."

Fazit: Es ist erstaunlich, wie hervorragend junge Dirigentinnen und Dirigenten auf höchstem Niveau ein Orchester leiten können. Die Zukunft der Klassik ist auf dieser Ebene gesichert.

Sendung: Kulturradio, 24.10.2021, 6:05 Uhr

Beitrag von Maria Ossowski

Nächster Artikel