Interview | Sebastian Fitzek als Moderator - "Man kann mich auch ganz leicht hinters Licht führen"

Fr 15.10.21 | 07:07 Uhr
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Der Moderator und Autor Sebastian Fitzek (Quellr: dpa/Jan Woitas)
dpa/Jan Woitas
Audio: Inforadio | 14.10.2021 | Nadine Kreuzahler | Bild: dpa/Jan Woitas Download (mp3, 16 MB)

Der Bestseller-Autor Sebastian Fitzek ist nun auch Moderator: Zusammen mit Kim Fisher moderiert er die Talkshow "Riverboat Berlin". Im Interview erklärt er, warum sich der Job von seinem Dasein als Thriller-Autor gar nicht so groß unterscheidet.

Sie gilt als der größte Talkshow-Dampfer des Ostens: Die Sendung "Riverboat". Ab Freitag gibt es den Talk im wöchentlichen Wechsel aus Leipzig und Berlin. Gleich bleibt Moderatorin Kim Fisher, aber ihr Moderations-Partner bei der in Berlin vom rbb produzierten Sendung wird nicht ihr Leipziger Kompagnon Jörg Kachelmann – sondern Bestseller-Autor Sebastian Fitzek.

rbb: Sebastian Fitzek, Sie schreiben seit Jahren Thriller und Krimis, füllen mit Ihren Lesungen, Hallen und Säle. Ich denke mal, Sie haben sehr belastbare Nerven. Wie blank liegen aber jetzt vielleicht doch Ihre Nerven so kurz vor der Premiere als Talkshow-Moderator?

Sebastian Fitzek: Blank jetzt vielleicht nicht. Allerdings hat sich meine positive Grundnervosität, die ich sowieso schon immer habe, noch einmal gesteigert – und das wächst auch von Stunde zu Stunde.

Sie sind schon sehr oft selbst Gast gewesen. Gibt es denn Fragen, die Sie als Talkshowgast immer schon gehasst haben und die Sie auf gar keinen Fall stellen wollen?

Ich glaube, das ist von Gast zu Gast unterschiedlich. Ich finde, dass man den Gast auf jeden Fall respektieren muss. Da kommt jemand, der ist ähnlich nervös wie ich. Es gibt bei der Sendung "Riverboat" ja auch Gäste, die keine Prominenten sind – die öffnen sich, und wenn ich merke, dass jemand sich nicht öffnen will, dann sehe ich es nicht als meine Aufgabe, ihn vorzuführen. Auch wenn es eventuell ein Thema ist, bei dem andere nachbohren wollen würden. Ich möchte, dass wir auf Augenhöhe sind.

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Ab 15.10.2021 | 22:00 - Talkshow "Riverboat" jetzt auch aus Berlin

Kim Fisher und Sebastian Fitzek begrüßen alle 14 Tage im Studio A des rbb in der Masurenallee Gäste aus Musik, Show und Sport. Der erfolgreichste Talkshow-Dampfer des Ostens geht immer freitagabends auf Törn: Abwechselnd von Berlin und Leipzig aus. Im Wechsel mit dem MDR bringt der rbb die Gesprächssendung ins deutsche Fernsehen.

Nun sind in der ersten Sendung Katharina Witt, der Komiker Mario Barth und der Sänger Clueso zu Gast. Sie sind selbst ein Promi. Die "Bunte" schreibt über Sie, ob es nun die Trennung von Ihrer Frau war, Ihre neue Beziehung oder auch die Geburt Ihrer Kinder. Sie sind also ein Promi unter Promis in dieser Talkshow. Glauben Sie, die Leute begegnen Ihnen anders dadurch?

Ich hoffe nicht, und ich glaube es ehrlich gesagt auch nicht. Ich bin ja auch in meiner Funktion als Autor immer mehr an den Menschen interessiert, als an mir selbst. Ich liebe gute Geschichten. Man kann mich auch ganz leicht hinters Licht führen. Wenn eine Geschichte gut ist, dann will ich auch, dass sie wahr ist. Dann stelle ich das gar nicht so in Frage. [lacht]

Das wird natürlich eine Umgewöhnung. Sie merken ja auch, ich rede ganz gerne, das muss ich zurückschrauben. Aber ich will ja auch erfahren - das ist deckungsgleich in meiner Funktion als Autor und in meiner Funktion als Moderator.

Sie haben ihren ersten Thriller 2006 geschrieben "Die Therapie". Vorher haben Sie Jura studiert, haben auch promoviert. Sie waren Programmdirektor eines privaten Berliner Radiosenders. In Ihren Büchern sind Sie ja nicht gerade zimperlich. Es gibt Augensammler, Axtmörder, Serienkiller, Leichenteile im Wasserbett. Was um Himmels Willen kompensieren Sie denn damit mit all diesen Grausamkeiten?

Das ist eine gute Frage. Ich habe sie mir selbst gestellt und sogar mit einem Psychiater erörtert. Kompensation ist da ein gutes Stichwort. Ich kompensiere eigentlich die Realität. Je intensiver man recherchiert, sei es früher als Journalist oder sei es heute als Autor, umso mehr wird man mit dem realen Grauen konfrontiert. Und das kann Ihnen jeder Ermittler, jeder Forensiker bestätigen, dass die Realität grausamer ist, als das, was wir uns ausdenken - und dass wir es abmildern müssen.

Ich lasse beispielsweise in der Regel die Opfer überleben. In der Realität bleiben aber vermisste Personen sehr häufig eben leider vermisst. Das sind die Schlagzeilen, die mir auch als Familienvater nicht aus dem Kopf gehen. Dann schreibe ich die nieder und probiere auch, die Realität zum Besseren abzuwenden.

In einem Ihrer letzten Romane, "Der Heimweg", haben Sie das Thema häusliche Gewalt aufgegriffen. Ich habe gelesen, dass Sie Reaktionen von vor allem Frauen auf diesen Roman bekommen haben, die gesagt haben, dass dieser Roman sie offenbar am meisten verstört und geängstigt hat. Viel mehr als die anderen Romane davor.

Das stimmt. Ich wusste natürlich, dass häusliche Gewalt leider ein Massenphänomen ist, unter dem hauptsächlich Frauen zu leiden haben. Ich konnte nicht absehen, dass dieses Thema noch einmal so virulent wird, weil durch den Corona-Lockdown natürlich für genau die Betroffenen die Situation nochmal verstärkt wurde.

Ich habe dann tatsächlich ein Echo bekommen, das mich in mehrfacher Hinsicht erstaunt hat. Zum einen haben sich sehr viele Betroffene bedankt. Nicht-Betroffene waren manchmal wiederum sogar erbost, weil sie sagten: Das kann gar nicht sein, das ist bestimmt nicht so schlimm, wie du schreibst – hauptsächlich, muss man sagen, Männer. Was mich wirklich erschreckt hat: Beim Thema häusliche Gewalt muss man nur drei, vier Mal in seinem Bekanntenkreis herumfragen - und man wird leider fündig. Das habe ich bei der Recherche gemerkt.

Merken Sie, dass Ihre Bücher auch Menschen helfen?

Ich kriege sehr häufig Zuschriften von Menschen, die mir danken, dass sie ernst genommen werden. Wenn ein Opfer beispielsweise aus Scham nichts sagt, dann aber über sich selbst etwas liest, gibt es den Effekt: Endlich thematisiert das jemand, ich bin nicht allein. Natürlich gibt es auch eine Trigger-Gefahr, in dem Roman ist deswegen vorne eine Trigger-Warnung drin.

Noch häufiger muss ich aber eingestehen, bedanken sich viele einfach, dass sie damit abschalten können, dass sie aus einer Welt rausgerissen werden, die jetzt gar nicht immer so ganz stark problembehaftet sein muss, wo sie es aber einfach nur schaffen, wirklich mal ihre Sorgen des Alltags zu vergessen.

Sie beschäftigen sich den ganzen Tag lang mit Mord und Totschlag, sind in dieser Welt drin - und dann bringen Sie abends ihre Kinder ins Bett. Wie schaffen Sie es da umzuschalten?

Das ist schwierig, sorgt auch im Kreis meiner Lieben häufig für Irritationen. Aber ich brauche ja die Diskrepanz. Ich brauche die von außen wunderschön aussehende Villa, um mir das Grauen darin vorstellen zu können. Je größer die Diskrepanz, umso gruseliger kann ich schreiben.

Das Interview führte Nadine Kreuzahler, Inforadio. Der Text ist eine gekürzte und redigierte Fassung. Das komplette Gespräch können Sie hören, wenn Sie auf den Play-Button im Titelbild klicken.

Sendung: Inforadio, 14.10.2021, 10:45 Uhr

5 Kommentare

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  1. 5.

    Nun, es liegt daran, dass F. kein guter Krimiautor ist. Da ist fast jeder britische besser.

  2. 4.

    Also ich bin ja keine Krimifreundin, weder im Fernsehen noch in Buchform. Aber was das Riverboot angeht, ich find's auch etwas piefig. Und wenn dann noch Herr Kachelmann kommt. Oje. NDR und WDR find ich auch besser. Ist ja alles Geschmackssache. Zum Glück haben wir die Wahl.

  3. 3.

    Sie bevorzugen also wirklich gute Schriftsteller*innen und tun sich keinen Fitzek reintun. Daran erkennt man eben den wahren Literaturfreund, was auch verständlich macht, dass Sie sich das Riverboot nicht reintun tun werden. : ))

  4. 2.

    Ich bin fast vor Triumph von der Couch gefallen als KimGisher eine "Macke"von Fitzek nennen sollte,und sie sagte er wäre ein sehr riskanter Autofahrer im Verkehr. Er hat mich mit seinem Auto mal ganz übel geschnitten am Rosenberger Platz, das war schon Nötigung. Daher ist er mir aus diesem Grunde schon so unsympathisch ,ein selbst gefälliger Prominenter mehr nicht.

  5. 1.

    Als ein wahrer Krimi u.Triller Leser, bevorzuge ich ersteinmal die wirklich guten Autor*innen. bevor ich mir einen Fitzek reinziehn tu. Bin übrigens wenn überhaupt, eher der NDR Talkshow Gucker.

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