"The Sun Machine is coming down" - Berliner ICC beherbergt zehn Tage lang Kunst-Festival

"Ick hab Dir lieb mein ICC" steht auf einer Hinweistafel im stillgelegten ICC vor dem Start der Ausstellung "The Sun Machine Is Coming Down". (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Bild: dpa/Paul Zinken

Das Kongresszentrum ICC ist eines der größten seiner Art, doch genutzt wird es seit Jahren nicht mehr. Das ändert sich nun für zehn Tage, denn die Berliner Festspiele präsentieren dort das Festival "The Sun Machine Is Coming Down". Von Oliver Kranz

Das Gebäude ist selbst ein Kunstwerk. Von außen sieht das Berliner Kongresszentrum ICC aus wie ein überdimensioniertes Raumschiff. Von innen erinnert es an ein Flughafen-Terminal mit seinen Granitböden, Anzeigetafeln und Rolltreppen. Dazwischen erwarten loungeartige Bereiche und für Tausende Personen gedachte Veranstaltungssäle die Business People.

Nun aber ist dort für elf Tage das Kunstfestival "The Sun Machine Is Coming Down". Es werden etwa Filme gezeigt: Theatermitschnitte aus dem Archiv der Berliner Festspiele und der Stoschek Collection, in der es um das Verhältnis des Menschen zum eigenen Körper und dessen Position in der Gesellschaft geht. Hinzu kommen etwa Installationen, Vorträge und Performances.

Auch wenn das ICC kein Kulturzentrum ist, sei es doch ein "durchaus spannender Spielort" sagt Festspiele-Intendant Thomas Oberender: "Jetzt, wo diese riesige Maschine ihre Funktion verloren hat, kann man sie sich schnappen wie eine leere Industriehalle." Allerdings müssten Macher und Teilnehmer des Kunstfestivals beachten, dass das ICC unter Denkmalschutz steht: Weder außen noch innen dürfen Veränderungen vorgenommen werden.

Das ICC - ein idealer Ort für das Jubiläumsprogramm

Oberender berichtet, dass er sich anderthalb Jahre um diesen neuen Spiele-Ort bemüht habe: "Wir wollen das 70. Jubiläum der Festspiele feiern, aber das können wir nicht in unserem eigenen Theater machen, weil dort gebaut wird. Doch wohin konnten wir gehen? Diese Frage führte uns schließlich zum ICC."

Dort gebe es genügend Platz um darzustellen, was sein Haus seit 70 Jahren mache. Filme, Konzerte und Theater-Performances könnten parallel gezeigt werden. Im Foyer dürfe getanzt werden.

Ein Ticket für je drei Stunden Programm

Der Zugang zum Festival berechtigt die Ticket-Besitzer jeweils für ein Zeitfenster von dreieinhalb Stunden, das Programm zu nutzen und daran teilzunehmen: "Es ist ein bisschen was anderes als das übliche Festival, wo man sein Ticket in der Tasche hat und weiß, was zu welcher Zeit beginnt, und man sich das dann abholt. Hier holt man sich ganz viel Unterschiedliches ab.“

Es gibt Séancen, in denen der Geist des Medientheoretikers Friedrich Kittler beschworen wird, eine Beethoven-Performance mit Tino Seghal und Popmusik mit der Berliner Sängerin Nalan.

Das Programm reicht von Avantgarde bis Unterhaltung – ein ziemlich schräger Mix. Doch es gibt ein übergreifendes Thema: "Man könnte es abstrakt als ein Aufeinandertreffen von Körper und Technik beschreiben", erklärt Oberender. Und das sei genau das, wofür das ICC steht, seit es gebaut wurde: "Das ist eine Hochtechnologiemaschine gewesen. Hier gab es die besten Lautsprecher, die beste Videotechnik. Man hat gedacht: So wird die Zukunft sein. Und zehn Jahre später ist die Geschichte schon darüber hinweg gegangen und keinen Menschen hat es mehr interessiert."

Ein erster Test für das ICC

Oberender blickt hierbei vor allem auf den Bedeutungsverlust des ICC nach dem Fall der Mauer. Inzwischen ist es nun schon wieder sieben Jahre geschlossen und die Messe Berlin sieht nach eigenem Bekunden keine Möglichkeit, es wirtschaftlich zu betreiben.

Doch vielleicht hat das Haus ja eine Zukunft als Kulturzentrum. Das Programm "The Sun Machine Is Coming Down" der Berliner Festspiele ist ein erster Test und ein Achtung-Zeichen für die Berliner Politik: Es kann doch wohl nicht angehen, die Architekturikone ICC jahrelang ungenutzt zu lassen!

Sendung: Radioeins, 06.07.2021, 10:20 Uhr

Beitrag von Oliver Kranz

4 Kommentare

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  1. 4.

    Zahlung nur per Kreditkarte. Schade. Dann halt nicht. So kann man auch Teile der Bevölkerung ausschließen - wer nicht ONLINE per Kreditkarte zahlen möchte, bleibt halt außen vor. Wie schon bei Freibädern, anderen Kulturveranstaltungen, etc.

  2. 3.

    Jahrelang heißt es, dass das ICC überhaupt nicht nutzbar ist, jetzt aber wird es für dann doch mal für die Kunst geöffnet.
    Kommt es nur darauf an, WER fragt?
    Dann möge Berlin diese Schmutzecke bitte auch mal etwas besser pflegen und nicht als Schandfleck vergammeln lassen.
    Sonst wird es demnächst noch an einen Wander-Zirkus vermietet, ich halte nichts mehr für unmöglich.
    Hauptsache, es wird heruntergewirtschaftet...

  3. 2.

    Hieß es nicht, das ICC sei auch voller Asbest? Darüber wurde bereits berichtet, als es um den Abriss des Palastes der Republik ging. Deshalb steht es auch schon so lange ungenutzt. Wäre vielleicht auch mal eine Info wert.

  4. 1.

    Ich plädiere auch dafür, dass das Haus (ICC) eine Zukunft als Kulturzentrum haben möge, denn es ist auch gut ans ÖPNV-Netz angeschlossen und hausinterne Parkplätze gibt's und An- und Abtransport für Technik etc. ginge auch. Es kann doch wohl nicht angehen, die Architekturikone ICC jahrelang ungenutzt zu lassen!

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