"Legends of Entertainment" - Schillernde Comedy für das Matriarchat

Archivbild: Konzert von Christiane Rösinger, HKW Berlin am 15.08.2020. (Quelle: imago images/Roland Owsnitzki )
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Audio: Inforadio | 12.10.2021 | Corinne Orlowski | Bild: imago images/Roland Owsnitzki

Sie alle drei sind in der queer-lesbischen Szene Superstars und füllen alleine schon große Hallen: Christiane Rösinger, Stefanie Sargnagel und Denice Bourbon. Am Montag sind sie als Trio im Festsaal Kreuzberg aufgetreten. Von Corinne Orlowski

Sie nennen sich die "Legends of Entertainment". Ja, eigentlich ist jede für sich schon ein Erlebnis, aber zu dritt sind sie wahrlich mächtig-gewaltig. Sie eint ihr politisches Engagement und ihr Hang zum trockenen Humor. Kurzum, an diesem Abend im vollbesetzen Festsaal Kreuzberg wurden Tränen gelacht und das schon ab Minute eins bei der verdrehten Begrüßung.

Heteros im Saal?

Denn als die drei die Bühne betreten und an ihre Mikros treten, stellt sich Sargnagel als Rösinger und Rösinger als Sargnagel vor, um mit einem großen Tusch an die Komikerin und den "lesbischen Stern am Stand-up-Himmel", Denice Bourbon, zu übergeben. Die Wiener Schwedin ist in Berlin die noch Unbekanntere von den Dreien. In ihrem golden funkelnden Jackett ist sie eine schillernde Naturgewalt auf der Bühne. Obwohl sie bestens Deutsch spricht, macht sie ihre Comedy auf Englisch. Da fragt sie erstmal, ob denn Heteros im Saal sind. "The thing is, I’m very used to having a queer audience." Und tatsächlich heben sich nur wenige Hände.

Archivbild: Stefanie Sargnagel am 17.08.2021 in Wien. (Quelle: imago images/Kurt Piles)
Die Autorin Stefanie Sargnagel. | Bild: imago images/Kurt Piles

Frivol und vergnüglich

In ihrem politisch korrekten Stand-Up-Comedy-Programm erklärt sie Begriffe der LGBTQ*-Community wie gay, queer, straigt, cis oder dyke. Ein frivoler Witz reiht sich an den nächsten. Je mehr sie aufdreht und Kritik an der Heteronormativität übt, desto stärker liegt das Publikum ihr zu Füßen. An der Bar hört man unablässig die Korken knallen. "I'm the Queen of the Queers and the Godmother of the homos."

Schillernde Queerpower

Bourbons übergibt an Christiane Rösinger, die merklich ein Heimspiel hat. Es scheint, als wären die meisten wegen ihr gekommen. Sie singt heiter einige ihrer besten melancholischen Lieder und ärgert sich über den Kapitalismus, das Altsein und Liebespaare.

"Ich sag mal so, das Paar ist die niedrigste aller Lebensformen. Ihr lacht jetzt so, weil ihr denkt, bei mir ist das doch anders. Es gibt keine Ausnahmen. Das Paar ist der Zement, aus dem der Kapitalismus zusammen gebaggert oder gebaut wird."

Zum Schluss gibt Stefanie Sargnagel ihre tagebuchartigen Aufzeichnungen zum Besten, die sie auf Social Media veröffentlicht und damit für reichlich Furore sorgt. "Ich steh' ja so ein bissel für den heterosexuellen, romantischen Teil dieses Abends. Ich lese mal vor: 10. Dezember: Ich würde voll gerne wieder mehr daten, aber alle intelligenten und lustigen Männer, die ich kennenlerne, sind Frauen."

Muss man mögen

Sargnagels Texte muss man mögen, kommen aber hier bestens an. Selten war ein Abend seit der Pandemie lustiger, unterhaltsamer und vor allem für frisch verheiratete, heterosexuelle Cis-Menschen (wie der Reporterin) informativer.

Sendung: Inforadio, 12.10.2021, 6:55 Uhr

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