Stiftung Preußische Schlösser und Gärten - Gericht ruft Parteien im Streit um Rubens-Gemälde zur Einigung auf

Di 26.10.21 | 19:28 Uhr
Das Justizzentrum Potsdam (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Video: Brandenburg Aktuell | 26.10.2021 | Friedrich Herkt | Bild: dpa/Christoph Soeder

Im Prozess um den Besitz eines millionenschweren Gemäldes des Malers Peter-Paul Rubens (1577-1640) zwischen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und einem russischen Kunsthändler hat das Gericht beide Seiten zu einer Einigung aufgefordert.

Vor dem Landgericht Potsdam begründete der Vorsitzende Richter Jan Boecker am Dienstag seine Aufforderung an beide Parteien damit, dass schließlich auch beide Seiten das Interesse teilten, "das Bild zu erhalten und es der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen".

Wert des Gemäldes: rund 72 Millionen Euro

Der Streit um das Gemälde "Tarquinius und Lucretia" des Barockmalers Rubens, das nach dem Zweiten Weltkrieg nach Russland gelangte, zieht sich seit Jahren hin. Verhandelt wird dabei die Klage des russischen Mäzens gegen die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, die das Werk zurückverlangt.

Nach Darstellung der Stiftung wurde das Bild bei Plünderungen nach Russland gebracht und habe damit nicht rechtmäßig durch den russischen Mäzen erworben werden können.

Der Händler dagegen behauptet, das Bild hing um 1945 im Schlafzimmer eines Hauses in Neuruppin, in dem ein russischer Offizier untergebracht war. Dieser sei um 1950 zurück in die Sowjetunion versetzt worden und habe den gesamten Hausrat inklusive des Bildes mitgenommen. 1999 will es der Kunsthändler dann erworben haben. Der Wert des Bildes beläuft sich laut Gericht auf rund 72 Millionen Euro.

"Der Sachverhalt umfasst rund 70 Jahre", sagte Richter Boecker am Dienstag. "Es ist höchst streitig, was nach 1945 mit dem Gemälde geschah."

Seit Kriegsende verschollen

Das 1610/11 entstandene Gemälde war bis 1942 in der Bildergalerie des Schloss Sanssouci ausgestellt. Seit Kriegsende galt es als verschollen. Unklar ist, ob das Gemälde unter das sogenannte Beutekunstgesetz fällt.

Der Rechtsstreit zieht sich seit Jahren hin. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg forderte das als verschollen gemeldete Gemälde bereits zu Beginn des Jahrtausends zurück. Die russische Justiz folgte dem Potsdamer Amtsgericht damals und beschlagnahmte das Werk. 2004 entschied das Potsdamer Landgericht jedoch, dass die Beschlagnahmung nicht rechtmäßig war.

"Tarquinius und Lukretia" gilt als eines der Hauptwerke von Rubens. Für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten gehört es zu den gravierensten Kriegsverlusten.

Der Prozess soll im Dezember fortgesetzt werden.

Sendung: Kulturradio, 26.10.2021, 18:00 Uhr

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