Prix Europa 2021 - Belarusinnen als "European Journalists of the Year" geehrt

Sa 16.10.21 | 12:12 Uhr | Von Barbara Behrendt
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Die Journalistinnen Katsiaryna Andreyeva (Katerina Andrejewa), rechts, und Daria Chultsova (Daria Tschulzowa) stehen am 18.02.2021 im Gericht in Minsk, Belarus . (Quelle: dpa)
Audio: Inforadio | 16.10.2021 | Barbara Behrendt | Bild: dpa

Der 35. Prix Europa wurde in 15 Kategorien in Potsdam verliehen. Katerina Andrejewa und Daria Tschulzowa aus Belarus sind "European Journalist of the Year 2021". Einer der Preise ging nach Deutschland. Von Barbara Behrendt

Der bewegendste Moment ist der, als Can Dündar die Laudatio für den Preis "European Journalist of the Year" hält. Er selbst hat ihn 2017 verliehen bekommen, wegen seiner journalistischen Arbeit saß er in der Türkei im Gefängnis. Er weiß also, wovon er spricht, als er seine Rede an die inhaftierten belarusischen Journalistinnen Katerina Andrejewa und Daria Tschulzowa hält.

Standing Ovations für inhaftierte belarusische Journalistinnen

Was macht ihr wohl gerade 1.500 Kilometer entfernt, in euer Strafanstalt, fragt er. Liegt ihr in euren Stockbetten, erschöpft davon, den ganzen Tag Uniformen zu nähen? Fragt ihr euch in schlaflosen Nächten, was ihr wohl falsch gemacht habt?

Die 27-jährige Katja und ihre 22-jährige Kamerafrau Daria wurden mit zwei Jahren Arbeitslager bestraft, weil sie den Protest gegen Machthaber Alexander Lukaschenko live gestreamt hatten. Der ganze Saal, knapp 300 Filmemacher, Radioproducerinnen, Intendanten der Sendeanstalten, geben für diesen Einsatz für unabhängigen Journalismus Standing Ovations. Doch auch zuvor ist die Stimmung im Saal herzlich und voller Freude darüber, nach Corona wieder zusammenkommen zu können.

Sozialkritische Themen stehen im Vordergrund

Die 15 (allesamt undotierten) Preise dieses größten europäischen Festivals für Fernseh-, Radio- und Online-Produktionen verteilten sich mehrheitlich auf Nord- und Mitteleuropa: Nach Frankreich, Großbritannien und die Niederlande gehen jeweils zwei Preise, die restlichen werden nach Skandinavien verliehen, nach Belgien, Estland, Tschechien, Kroatien – und Deutschland. Insgesamt 209 Produktionen aus 26 Ländern waren nominiert.

Der begehrte Preis für die beste Radio-Dokumentation geht an die Kroatin Marta Medvešek und ihre Geschichte von einer Störchin mit gebrochenem Flügel und einem alten Mann, der sein Leben ändert, um sie zu retten. Die Jury, sagt der Dokumentar-Veteran Peter Leonhard Braun, habe sich in diese Geschichte verliebt, weil sie vermittle: Liebe ist stärker als der Tod.

Eefje Blankevoort erhält für "Shadow Game" am 15.10.2021 den Prix Europa für Best European TV Documentary of the Year 2021. (Quelle: rbb/Thomas Ecke)
Eefje Blankevoort wird für "Shadow Game" mit dem Best European TV Documentary of the Year 2021 ausgezeichnet. | Bild: rbb/Thomas Ecke

Stark auch die Botschaft der Niederländerin Eefje Blankevoort, als sie für ihre Fernseh-Doku "Shadow Game" geehrt wird, die geflüchteten Jugendlichen über vier Jahre an den Außengrenzen Europas folgt. Diese Kinder, sagt sie, sind genau so wie jene auf der anderen Seite des Grenzzauns. Erheben Sie Ihre Stimme, fordert sie, gegen die Verstöße der Rechte von Geflüchteten und Kindern, die jeden Tag an den europäischen Grenzen geschehen.

Der Preis für den besten europäischen Fernsehfilm geht nach Frankreich. "Nobody’s Child" erzählt die traumatische Geschichte eines sechsjährigen Jungen, den das französische Sozialsystem von seiner Pflegefamilie trennt.

Auch humoristische Produktionen werden auszgezeichnet

Neben sozialkritischen Produktionen werden aber auch solche mit Humor ausgezeichnet. Etwa die belgische TV-Serie "Albatros" über ein Abnehm-Camp in den Ardennen. "Planet ohne Affen" ist die einzige deutsche Preisträger-Arbeit.

Die NDR-TV-Produktion gewinnt in der Kategorie "Current Affairs". Preisträger Felix Meschede: "Wir haben auf Social Media die Bilder von süßen, kleinen Affenbabies gesehen und Promis, die damit posen. Wir haben herausgefunden, dass es einen großen, internationalen Handel mit Affen gibt – das geht los in Afrika, wo viele korrupte Staaten viel Geld damit verdienen, diese Affen außer Landes zu bringen. Sie enden dann in schrecklichen Einrichtungen: Zoos in China, Thailand oder sonstwo."

Standing Ovations für Katerina Andrejewa und Daria Tschulzowa, die beim Prix Europa am 15.10.2021 als "European Journalists of the Year 2021" geehrt wurden. (Quelle: rbb/Thomas Ecke)
rbb/Thomas Ecke

Livestream Prix Europa

Video: rbb Fernsehen | 15.10.2021 | 20 Uhr

Mehr Diversität scheitert an den Finanzen

Das diesjährige Motto "Changing Europe – divers and united" sah man bei der Preisverleihung allerdings nicht eingelöst, zumindest, was die Hautfarbe anbelangt. Ob auf oder vor der Bühne: fast alle weiß. Das hatte schon zum Festivalstart teilnehmende Produzenten zu einem öffentlichen Brief veranlasst. Für die Festivalleiterin Susanne Hoffmann ist das auch eine Frage des Geldes: Für mehr Diversität, an der das Festival kontinuierlich arbeite, brauche es mehr Übersetzer, mehr Öffentlichkeitsarbeit in den unterrepräsentierten Ländern – und das bei ohnehin schon sehr knappen Kassen: "Wir haben in den letzten zehn Jahren 50 Prozent unseres Budgets verloren – weil alle kürzen mussten", so Hoffmann.

Es reicht nicht mal für mehr als ein paar kärgliche Käsespieße zur Feier – geschweige denn für ein Preisgeld für die redlichen Gewinner.

Sendung: Inforadio, 16.10.2021, 8:55 Uhr

Beitrag von Barbara Behrendt

1 Kommentar

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  1. 1.

    Es wäre endlich mal wichtig , die Frauen in den EU Staaten zu ehren die gegen ihre Regierungen kämpfen .
    Ganz vorn Polen und Ungarn.

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