Verleihung Deutscher Filmpreis - Goldene Lola geht an "Ich bin dein Mensch"

Die Preisträger stehen am 01.10.2021 nach der Verleihung des Deutschen Filmpreises 2021 "Lola" auf der Bühne für ein Gruppenfoto zusammen (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Audio: Inforadio | 02.20.2021 | F. Gust | Bild: dpa/Britta Pedersen

In diesem Jahr wurde der Deutsche Filmpreis wieder vor Publikum verliehen. Zu den großen Gewinnern zählt "Ich bin dein Mensch" von Regisseurin Maria Schrader mit vier Auszeichnungen. Die Schauspielerin Senta Berger wurde für ihr Lebenswerk geehrt.

Die Tragikomödie "Ich bin dein Mensch" von Regisseurin Maria Schrader hat bei der Gala zur Preisverleihung mit 1.200 Gästen am Freitagabend in Berlin die Goldene Lola für den besten Spielfilm gewonnen. Das gab die Deutsche Filmakademie am Freitagabend in Berlin bekannt.

Der Film stellt die Frage, ob man sich in einen Roboter verlieben könnte. Er gewann auch die Preise für Drehbuch und Regie; zudem erhielt Hauptdarstellerin Maren Eggert eine Lola für die beste weibliche Hauptrolle. Sie spielt in dem Film eine Wissenschaftlerin, die einen humanoiden Roboter als Partner testen soll. "Was für ein Jahr", sagte Eggert sichtlich gerührt. "Leute, vielen Dank." Damit ist der Film der große Gewinner des Abends. Die als großer Favorit gehandelte Erich-Kästner-Neuverfilmung "Fabian oder Der Gang vor die Hunde" erhielt hingegen nur Silber.

Die Schauspielerin und Preisträgerin in der Kategorie "Beste Weibliche Hauptrolle", Maren Eggert, lacht nach der Verleihung des Deutschen Filmpreises 2021 "Lola" auf der Bühne (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Maren Eggert wurde für ihre schauspielerische Leistung "Ich bin dein Mensch" ausgezeichnet | Bild: dpa/Britta Pedersen

Der Science-Fiction-Thriller "Tides" bekam ebenfalls vier Lolas für bestes Szenenbild, Maskenbild, visuelle Effekte und Filmmusik. "Fabian" war in insgesamt zehn Kategorien nominiert, gewann am Ende aber nur die Preise für beste Kamera und besten Schnitt.

Als bester Hauptdarsteller wurde Oliver Masucci für den Film "Enfant terrible" geehrt. Darin spielt er den Filmemacher Rainer Werner Fassbinder.

Lola auch für Lehrer-Doku

Als bester Dokumentarfilm wurde "Herr Bachmann und seine Klasse" ausgezeichnet. Regisseurin Maria Speth nahm die Lola am Freitagabend in Berlin entgegen. "Ich freue mich unglaublich", sagte sie. Sie hoffe, dass noch viele Menschen diesen Film anschauten. Das Filmteam hat über längere Zeit eine Schulklasse im hessischen Stadtallendorf begleitet. Der Protagonist Dieter Bachmann sei jetzt wohl Deutschlands berühmtester Lehrer - "zumindest im Moment", sagte Speth.

Die rbb-Koproduktion "Die Adern der Welt" von Regisseurin Byambasuren Davaa gewann in der Kategorie "Bester Kinderfilm".

Der Schauspieler Klaus Maria Brandauer gratuliert der Schauspielerin Senta Berger am 01.10.2021 bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises 2021 "Lola" zu ihrem Ehrenpreis (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Der Schauspieler Klaus-Maria Brandauer hielt die Laudati für Senta Berger | Bild: dpa/Soeren Stache

Ehrung für Senta Berger

Die Schauspielerin Senta Berger (80) hat beim Deutschen Filmpreis eine besondere Auszeichnung bekommen. Sie wurde am Freitagabend in Berlin für herausragende Verdienste um den deutschen Film geehrt. "Für mich schließt sich heute auf das Schönste ein Kreis", sagte Berger am Freitagabend in Berlin. Denn dort habe alles angefangen, ihr Leben als Filmschauspielerin und als Frau.

An diesem Abend spüre sie die Zeit sehr stark. "Und ich denke: "Das war doch erst gestern, dass ich hier in Berlin ankam"", sagte Berger. Sie erinnerte in ihrer Rede an die Gründung der Filmakademie und dankte ihrem Mann, dem Regisseur Michael Verhoeven. "Ich wäre heute nicht da, wo ich bin, ohne diesen emanzipierten Mann."

Berger - geboren 1941 in Wien - spielte in Fernsehserien wie "Kir Royal", "Die schnelle Gerdi" und "Unter Verdacht" mit oder in Filmen wie "Willkommen bei den Hartmanns". Berger war früher selbst Präsidentin der Filmakademie.

Lorna Ishema als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet

Erstmals seit anderthalb Jahren Pandemie wurde der Deutsche Filmpreis wieder vor großem Publikum verliehen. Rund 1.200 Menschen waren eingeladen - alle mussten vorab zum Coronatest. Es kamen unter anderem die Schauspieler Elyas M'Barek und Milan Peschel sowie die Schauspielerinnen Iris Berben, Heike Makatsch und Veronica Ferres, Serienstar Kida Khodr Ramadan ("4Blocks") und Regisseur Detlev Buck.

Am frühen Abend wurden bereits die erste Preise verliehen - Schauspielerin Lorna Ishema wurde als beste Nebendarstellerin für den Film "Ivie wie Ivie" ausgezeichnet. Der Schauspieler Thorsten Merten wurde als bester Nebendarsteller für seine Rolle in "Curveball - Wir machen die Wahrheit" ausgezeichnet.

Alle Preisträger:innen auf einen Blick

  • Bester Spielfilm

  • Bester Dokumentarfilm

  • Bester Kinderfilm

  • Beste Regie

  • Bestes Drehbuch

  • Beste weibliche Hauptrolle

  • Beste männliche Hauptrolle

  • Beste weibliche Nebenrolle

  • Beste männliche Nebenrolle

  • Beste Kamera / Bildgestaltung

  • Bester Schnitt

  • Beste Tongestaltung

  • Beste Filmmusik

  • Bestes Szenenbild

  • Bestes Kostümbild

  • Bestes Maskenbild

  • Beste visuelle Effekte

  • Besucherstärkster Film

  • Ehrenpreis

"Geschüttelt und gerührt"

Akademiechef Schauspieler Ulrich Matthes eröffnete die Gala im Palais unterm Funkturm und rief zu mehr Gesprächsbereitschaft und Solidarität in der Gesellschaft auf. Der 62-Jährige nutzte dazu eine "James Bond"-Anspielung. Sie alle seien nach dieser Pandemiezeit "geschüttelt und gerührt", sagte Matthes. "Die einen mehr, die anderen weniger. Einige von uns hat diese Pandemie wirklich existenziell bedrohlich getroffen."

Er habe in der Zeit den vorsichtigen Optimismus gehabt, dass sie eine besondere Solidarität entwickeln würden. "Wir kriegen's nur gemeinsam hin", sagte Matthes. Nun habe es auch "ein paar Verwerfungen dieser und jeder Art" gegeben. "Und trotzdem bin ich da einfach wild-romantisch: Ich lasse mir meinen Idealismus nicht nehmen." Er rief dazu auf, trotz Konflikten gesprächsbereit zu bleiben.

Grütters: Corona-Pandemie hart für Kulturschaffende

Moderator Daniel Donskoy ("Sankt Maik", "Freitagnacht Jews") führte durch den Abend. Er begann die Show mit einer Tanz- und Gesangseinlage, einer Art Hymne an die große Leinwand. Darin sang er: "Kino ist geil". Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erinnerte in ihrer Rede an die Kraft des Kinos. Bei der Verleihung betonte sie, wie hart die Corona-Pandemie für die Kulturschaffenden gewesen sei und sprach von einem "strahlenden Comeback" nach dem Lockdown.

Im vergangenen Jahr hatte das Drama "Systemsprenger" die Goldene Lola gewonnen. Damals wurde wegen der Pandemie auf eine große Gala verzichtet.

Dotierungen in Millionenhöhe

Der seit 1951 jährlich verliehene Deutsche Filmpreis ist die bedeutendste Auszeichnung der deutschen Filmbranche und mit rund drei Millionen Euro an Dotierungen auch der höchstdotierte deutsche Kulturpreis. Alleine die sechs nominierten Filme der Rubrik bester Spielfilm erhalten je Nominierung 250.000 Euro, der Gewinner bekommt weitere 250.000 Euro. Die besten Schauspieler aller Kategorien bekommen jeweils 10.000 Euro.

Die Preisträger werden von den über 2.100 Mitgliedern der Deutschen Filmakademie gewählt. Eine undotierte Lola für den Film mit den meisten Zuschauern bekam der Sohn von Senta Berger, der Regisseur Simon Verhoeven, für "Nightlife". Den Film sahen trotz Corona-Pandemie 1,3 Millionen Besucher in den deutschen Kinos.

Sendung: rbb24, 01.10.2021, 21:45 Uhr

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