71. Verleihung Deutscher Fillmpreis - Die Lolas kommen, das Kino ist zurück

Archivbild: Zur Bekanntgabe der Nominierungen vom Deutschen Filmpreis hält Ulrich Matthes, Schauspieler und Präsident der Deutschen Filmakademie, den Filmpreis Lola in der Hand. (Quelle: dpa/C. Gateau)
Video: Abendschau | 01.10.2021 | Petra Gute | Bild: dpa/C. Gateau

Stars, roter Teppich und das Ganze live: Nach der Pandemiepause steigt am Freitagabend im Palais am Funkturm die glanzvolle Lola-Preisverleihung mit mehr als 1.000 Gästen. Klarer Favorit ist die Kästner-Verfilmung "Fabian". Von Ula Brunner

Wenn am Freitagabend bei einer glanzvollen Gala mit Promibesetzung im Palais am Funkturm in Berlin die Lolas verliehen werden, dann hat das durchaus Symbolcharakter. Im Vorjahr hatte die Gala zur 70. Preisverleihung ausschließlich online stattgefunden. Doch jetzt zeigt die Film-Branche wieder Gesicht und ist live dabei, wenn die Umschläge mit den Lola-Gewinnern geöffnet werden.

"Es geht darum, das Kino und die herausragenden Leistungen wieder wirklich gemeinsam zu feiern", sagte Ulrich Matthes, Präsident der Deutschen Filmakademie dem rbb. Es sei eine harte Zeit für die Kulturszene gewesen, aber "was wir für den Abend geplant haben, wird alles sehr vielversprechend."

Rund 1.400 Gäste werden erwartet – natürlich getestet. Moderiert wird die Show vom Schauspieler und Musiker Daniel Donskoy, Prominente wie Leander Haußmann, Doris Dörrie und Claus Kleber übernehmen die Laudatios.

Großer Favorit ist ein historischer Berlin-Film

Mit zehn Nominierungen eindeutiger Favorit bei dem Rennen um die Lolas ist Dominik Grafs "Fabian oder Der Gang vor die Hunde". Unter anderem ist die Adaption des Erich-Kästner-Romans über das Berlin der 1920er Jahre für den besten Spielfilm, Regie und Drehbuch, aber auch für die Bildgestaltung (Kameramann Hanno Lentz) nominiert. Saskia Rosendahl könnte außerdem eine Lola für die beste weibliche Hauptrolle mit nach Hause nehmen. Der männliche Part Tom Schilling ist überraschenderweise nicht für seine Darstellung der Titelfigur nominiert.

Im Rennen um die Königskategorie Bester Spielfilm

Insgesamt sechs Filme konkurrieren wieder in der Königsdisziplin Bester Spielfilm. Mit sieben Nominierungen gehört eine weitere Literaturadaption – Philipp Stölzls Neuverfilmung von Stefan Zweigs "Schachnovelle" – zu den schärfsten Konkurrenten um die Lolas.

Auch Maria Schraders aktueller Spielfilm "Ich bin dein Mensch" sammelte fünf Nominierungen ein. Ihre Science-Fiction-Komödie über eine Romanze zwischen Frau und Roboter feierte wie "Fabian" auf der diesjährigen Doppel-Berlinale Premiere. Zwei ebenfalls nominierte Filme, die rbb-Koproduktion "Je suis Karl", Christian Schwochows Neonazi-Lehrstück, sowie Johannes Nabers Antiterror-Satire "Curveball", feierten ebenfalls Premiere auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin.

Komplettiert wird das Spektrum politischer Filme im Rennen um den Besten Spielfilm von dem Antifa-Drama "Und Morgen die ganze Welt" von Julia von Heinz, der zurzeit auch auf Netflix gezeigt wird.

Mit insgesamt drei Millionen Euro sind die Lolas ausgestattet - der höchst dotierte Kulturförderpreis, den Deutschland zu vergeben hat. Allein die Spitzenklasse Bester Spielfilm bringt jedem der sechs nominierten Werke 250.000 Euro. Die Prämien sind für die Produktion eines neuen Films vorgesehen. Der Gewinnerfilm bekommt noch einmal die gleiche Summe dazu, erhält also eine halbe Million Euro. Schon deswegen werden die Entscheidungen der 1.400 Akademiemitglieder genau beobachtet und führen immer wieder zu erbitterten Debatten.

Lehrer-Doku oder Endzeitparabel

Größter Favorit in der Kategorie Bester Dokumentarfilm ist ein weiterer Berlinale-Liebling: Maria Späths Lehrer-Doku "Herr Bachmann und seine Klasse" erhielt in diesem Jahr unter anderem den neuen Publikumspreis des Festivals.

Die Fassbinder-Hommage "Enfant terrible" von Oscar Roehler erhielt zwar auch vier Nominierungen, allerdings nur in einer Hauptkategorie: Oliver Masucci könnte für seine Darstellung des skandalträchtigen Filmemachers mit einer Lola für die Beste männliche Hauptrolle geehrt werden. Auch die Endzeitparabel "Tides" von Tim Fehlbaum bringt es auf insgesamt sechs Nominierungen, allerdings ausschließlich in den technischen Kategorien.

In insgesamt 19 Kategorien werden am Freitagabend in 19 Kategorien die Lolas vergeben, zwei Würdigungen stehen schon fest: Der Ehrenpreis für herausragende Verdienste um den deutschen Film geht an Senta Berger, die von 2003 bis 2010 Präsidenten der Deutschen Filmakademie war.

Ihr Sohn Simon Verhoeven kann die Lola für den besucherstärksten Film entgegen nehmen. 1,3 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer sahen die Komödie "Nightlife" im Frühjahr 2020, kurz bevor die Kinos pandemiebedingt schließen mussten.

Sendung: Inforadiio, 01.10.2021, 08:50 Uhr

Beitrag von Ula Brunner

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