Rotes Rathaus Berlin - Ausstellung will Arbeit von Wissenschaftlerinnen sichtbar machen

Do 21.10.21 | 06:16 Uhr | Von Lena Petersen
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Die französische Genforscherin Emmanuelle Charpentier steht neben einer schrägen Büste von Max Planck.
Audio: Inforadio | 20.10.2021 | Lena Petersen | Bild: dpa

Humboldt, Virchow, Drosten - ein paar Berliner Männer, die in der Wissenschaft aktiv waren oder sind, fallen uns schnell ein. Frauennamen kommen uns viel seltener in den Sinn. Die Ausstellung "Berlin - Hauptstadt der Wissenschaftlerinnen" will das ändern. Von Lena Petersen

Sozialmedizinerin Theda Borde, Chemikerin Emmanuelle Charpentier, Arbeitsmarktforscherin Friederike Maier – das sind nur drei von insgesamt 20 Frauen, die durch die Ausstellung "Berlin - Hauptstadt der Wissenschaftlerinnen" im Roten Rathaus noch bis zum 20. Dezember an Bekanntheit gewinnen.

Auch Gudrun Erzgräbers Biografie ist zum Ausstellungsstück geworden. Die studierte Physikerin wurde 1992 Wissenschaftsmanagerin und machte den Campus Berlin-Buch zu einem zukunftsweisenden Standort. Nun steht ihr Name in roten Lettern auf einer hellen Ausstellungstafel. Erzgräber empfindet das als Ehre. "Ich denke, wenn man sich für diese Ausstellung mit zur Verfügung stellt, ist das auch ein kleines Element dafür, dass Frauen mehr in die Wissenschaft gehen, mehr in Führungspositionen gehen, in Vorstände, in Aufsichtsräte.“

Mehr Präsenz durch Wikipedia

Auf jeder Ausstellungstafel ist neben der Biografie und einem Porträt auch ein QR-Code zu finden. Der Code führt dann zu einem dazugehörigen Artikel auf Wikipedia. In der Online-Enzyklopädie sind bisher nur knapp ein Fünftel aller biografischen Einträge Frauen gewidmet.

Wissenschaftlerinnen lassen sich auf Wikipedia kaum finden. Genau hier hat das Projekt hinter der Ausstellung angesetzt. Das Berlin Institute of Health hat gemeinsam mit der Senatskanzlei zunächst einen Aufruf an die Berliner Wissenschaftsorganisationen gestartet. "Diese sollten uns Wissenschaftlerinnen nennen, die sichtbarer gemacht werden sollten“, erklärt Projektkoordinatorin Carmen Kurbjuhn. Dann wurde die Stadtgesellschaft eingeladen, bei drei Schreibmarathons, sogenannten Edit-a-thons, mitzumachen. Hier haben die Bürger:innen Informationen zu den bisher im Netz teilweise unbekannten Wissenschaftlerinnen recherchiert und die Wikipedia-Artikel verfasst.

Endlich Vorbilder

Auch die Schülerin Samira hat mit ihren Freundinnen an einem Edit-a-thon teilgenommen. Die 17-Jährige konnte kaum etwas zu den Frauen aus der Wissenschaft herausbekommen. Mehrmals musste sie mit einer neuen Wissenschaftlerinnenrecherche starten, damit ein vollständiger Artikel in der Online-Enzyklopädie angelegt werden konnte.

Samira sieht die dünne Informationslage kritisch: "Mit meinem Ergebnis bin ich nicht zufrieden, weil einfach so viele Sachen fehlen, obwohl die Frauen zum Teil einen schweren Weg hatten, um Professorinnen zu werden." Samira beschäftigte sich mit der Biografie der Sozialwissenschaftlerin Sigrid Betzelt und war extrem beeindruckt, wie sie sagt. Die Ausstellung und der Gedanke der Gleichberechtigung dahinter überzeugten die gebürtige Afghanin. Schließlich habe sie als Kind selbst erlebt, dass Frauen stark unterdrückt wurden.

Berlin bundesweit vorn - Deutschland international weit hinten

Ein Drittel aller Professuren in Berlin sind mit Frauen besetzt. Damit ist die Hauptstadt bundesweit Spitzenreiter. Der regierende Bürgermeister und Wissenschaftssenator Michael Müller sieht hier - zumindest in Berlin - bereits Fortschritte: "Zum Beispiel bei den Berufungen achten wir sehr darauf, dass wir deutlich mehr Professorinnen in das Wissenschaftssystem bekommen." Aber Müller sieht hier noch immer sehr viel Luft nach oben.

Auch Silke Köhler, die Vizepräsidentin für Forschung und Transfer an der Berliner Hochschule für Technik, wünscht sich eine noch weiblichere Wissenschaftslandschaft. "Deutschland ist insgesamt, was den Anteil der Frauen in den Wissenschaften betrifft, hintendran – weit, weit, weit hintendran." Die Professorin für das Fachgebiet Erneuerbare Energien findet das traurig. "In den MINT-Bereichen, die ich gerne vertrete, sind andere Länder, wie Griechenland oder die Türkei weiter als wir." Ändern ließe sich die aktuelle Lage etwa über Quoten und Vorbilder, erklärt Silke Köhler. Es müsse eine Situation geschaffen werden, in der auch Menschen in dem System gut arbeiten können, die keine weißen Männer zwischen 30 und 40 Jahren sind.

Sendung: Inforadio, 20.10.2021, 12:45 Uhr

Beitrag von Lena Petersen

1 Kommentar

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  1. 1.

    Angelika Benamara-Nordmann, die beste Professorin!!! Aber leider gilt ein Fachbereich wie Grundschulpädagogik als minderwertig. Die Erziehung von Kindern ist für die Gesellschaft offensichtlich unwichtig. Forschung und gute Lehre im Bereich "schlecht bezahlte Frauen-Care-Arbeit" erscheint unwichtig. Aber die vernachlässigten und misshandelten Kinder bilden später unsere Gesellschaft!!!!

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