Nach Rassismusvorwürfen - Berliner Club Revier Südost öffnet nach selbst verordneter Auszeit wieder

Fr 05.11.21 | 15:08 Uhr | Von Oliver Noffke
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Im Eingangsbereich vom Gelände des Revier Südost (Quelle: DPA/Britta Pedersen)
Bild: DPA/Britta Pedersen

Ende August zog das Revier Südost die Notbremse: Gegen Mitarbeiter wurden Rassismusvorwürfe laut, der Club goss Öl ins Feuer, Partner wandten sich ab. Nun steht der Neustart bevor, der mit einem Versprechen beginnt. Von Oliver Noffke

Das Revier Südost will drei Monate nach einer selbstverordneten Auszeit wieder öffnen. Ende August hatte der Club nach Vorwürfen über Rassismus und Queerfeindlichkeit gegen Teile des Personals alle Veranstaltungen abgesagt. Sämtliche Kommunikation nach außen wurde eingestellt. Seither habe man sich "die Zeit genommen, zuzuhören, zu reflektieren und zu lernen - sowohl als Organisation als auch als Individuen", teilte der Club mit.

Dass ein Club sich nach solchen Vorwürfen drei Monate selbst eine Auszeit verpasst, dürfte nicht nur in Berlin einmalig sein. Zumal die Pause in eine Zeit fällt, in der viele Partys wieder steigen und sich das Nachtleben der Stadt wieder etwas normalisiert hat.

"Natürlich hat die lange Pause signifikante finanzielle Auswirkungen nach sich gezogen", teilte eine Sprecherin von Revier Südost auf Anfrage von rbb|24 mit. Man habe sich aber bewusst dafür entschieden, sich Zeit zu lassen, um gemeinsam zu lernen und sich weiterzuentwickeln. "Es war uns wichtig, erst dann wieder die Türen zu öffnen, wenn zentrale Veränderungen umgesetzt sind. Auch wenn wir weiter an uns arbeiten werden, stehen wir jetzt an dem Punkt." Ab dem 20. November sollen wieder Veranstaltungen stattfinden.

DJs und Partyreihen sagten Veranstaltungen ab

Auslöser für den Komplettstopp war ein Instagram-Video, das innerhalb weniger Stunden mehr als 180.000 Mal angesehen wurde. Nicholas Rose berichtete darin, wie eine angeblich falsch getragene Gesichtsmaske zu einem Streit mit Teilen des Security-Teams eskalierte, in dem am Ende Roses Hautfarbe und Sexualität offensichtlich eine Rolle gespielt hätten.

Im Nachgang wurden die Social-Media-Kanäle von Revier Südost mit Hunderten Nachrichten geflutet. Denn es enstand der Eindruck, dass man sich zwar öffentlich entschuldige, aber gegenüber Rose Druck ausübe. DJs und Veranstalter sagten ab. Schließlich kündigte die bekannteste Partyreihe die Zusammenarbeit auf: Cocktail d'Amore teilte außerdem mit, dass man bereits seit zwei Jahren unzufrieden mit der Kooperation sei. Es habe strukturelle Probleme unter anderem mit Rassismus, Geschlechterdiskriminierung und sexueller Gewalt gegeben, so Cocktail d'Amore auf Facebook.

Externe Firma verantwortet nun die Tür

Nach den Ereignissen vom August habe man sich unter anderem mit Rose zusammengesetzt, "um uns persönlich für die Erfahrungen zu entschuldigen, die sie im [Revier Südost] gemacht haben, und um ihre Perspektive besser zu verstehen", heißt es auf der Website des Clubs. In der Zwischenzeit habe man über externe Expertinnen Schulungen für das Personal organisiert und intern Strukturen aufgebaut, die dem Publikum eine offene und diskriminierungsfreie Zeit garantieren sollen.

Das Security-Team sei "grundlegend umstrukturiert" worden, heißt es. Künftig verantworte die Firma von Smiley Baldwin die Tür. Der Schauspieler und frühere GI ist einer der bekanntesten Türsteher Berlins. Er setze einen "Fokus auf einen wertschätzenden und achtsamen Umgang", so Revier Südost. Bewährtes Personal habe die Möglichkeit, weiterhin beschäftigt zu werden, so die Sprecherin. Ob es zu Kündigungen oder ähnlichem gekommen sei, blieb allerdings unklar.

"Gebt uns eine Chance, es besser zu machen"

Revier Südost befindet sich auf dem Gelände einer stillgelegten Brauerei in Berlin-Schöneweide. Im September 2020 wurde die Location mit Dancefloors, Cafés, Märkten, Filmvorführungen und weiterem Kulturprogramm eröffnet. Die Veranstalter hatten vorher das als Griessmühle bekannte Gelände am S-Bahnhof Sonnenallee genutzt. Dieser Club war vor allem wegen seiner queerfreundlichen und schwulen Partys bekannt und zog ein diverses, internationales Publikum an.

Diesem Image wolle man künftig wieder gerecht werden, das Revier Südost werde ein Safe Space für Minderheiten sein, so der Tenor, verbunden mit der Bitte: "Gebt uns eine Chance, es besser zu machen".

Beitrag von Oliver Noffke

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  1. 1.

    Bravo. Entschuldigt, zugehört, verändert und hoffentlich verbessert. Davon könnten sich viele eine Scheibe abschneiden.

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