Kino | Filmreihe im Flughafen Tempelhof - Zurück in die Zukunft

Fr 26.11.21 | 11:38 Uhr | Von Hendrik Schröder
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Menschenleer ist die Haupthalle des ehemaligen Flughafen in Tempelhof. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Audio: Inforadio | 26.11.2021 | Hendrik Schröder | Bild: dpa/Paul Zinken

Historisches Ambiente trifft zeitloses Kino - so lässt sich das Konzept der Filmreihe "Cinema THF" beschreiben. Dabei werden in der Haupthalle des früheren Tempelhofer Flughafens Filmklassiker gezeigt. Von Hendrik Schröder

Drehort für Kinofilme war das alte Flughafengebäude in Tempelhof schon oft. Nun wird die große Empfangshalle selbst zum Kinosaal. In der Reihe "Cinema THF" werden in den nächsten Wochen in der ehemaligen Haupthalle zeitlose Filmklassiker gezeigt.

Zum Auftakt gibt es "Außer Atem", eine rasante Gangsterkomödie aus dem 1960er Jahren mit Jean Paul Belmondo. Der Film sei ihm eigentlich total egal, sagt einer der Zuschauer vor Filmbeginn. Aber er sei das letzte Mal 1990 im alten Tempelhofer Flughafengebäude gewesen, da sei er nach Brüssel geflogen - und jetzt für nur zehn Euro Eintritt noch mal in die Vergangenheit zu reisen? Das hätte ihn interessiert.

Wenn nur die aufgebauten Stühle nicht so fürchterlich wären - da sind sich alle Besucher einig. Graue, hässliche Metallfolterdinger stehen da vor der meterhohen Leinwand, auf grauem Auslegestoff, um das geschichtsträchtige Linoleum nicht zu beschädigen.

Monumentale Kulisse

Die alte Halle ist in ihrer Wirkmacht immer noch wuchtig und imposant. Die Glasbaustein-Fenster in den dicken Betonsäulen. Die stockwerkhohe Decke. Die Werbung an den Wänden für Fluglinien, die es schon lange nicht mehr gibt. Die alte Uhr und das leuchtende Restaurant-Schild. Dazu die angestaubten Gepäckbänder, die mitten im Raum stehen, und die mechanische Abfluganzeige, auf der kein Flug mehr steht und alle Lettern schwarz sind.

Es sind nicht so wahnsinnig viele Leute zur Eröffnung gekommen, maximal 300 Plätze gibt es. Zwei Freundinnen, die lachend an den wie konserviert wirkenden Abfertigungsschaltern gen Leinwand schlendern, wurden von Gebäude wie Film gleichermaßen angezogen. Das letzte Mal seien sie ungefähr im Jahr 2011 hier gewesen, zu einem Musikfestival. Den Flughafen würden sie sonst nur von außen kennen, vom Tempelhofer Feld aus - spannend, da mal reinzugehen.

Und genau so ist es von den Veranstaltern ja auch gedacht. Die Filme laufen immer Donnerstag bis Sonntag, jede Woche steht unter einem anderen Motto. Mitte Dezember zum Beispiel geht es um das Gebäude und Berlin als Drehorte. Dann laufen "Die Tribute von Panem", die teils im Flughafen gedreht wurden, oder "Emil und die Detektive".

Hall wie in der Kirche

Der Sound in der Halle kann einen anfangs zwar wahnsinnig machen. Die aufgestellten Boxen sind in Ordnung, aber der Ton wird von den Betonwänden derart brachial zurückgeschleudert, dass es hallt wie im Gottesdienst. Aber wenn man sich daran gewöhnt hat, ist es schon ein sehr besonderes Gefühl, sich in diesen 60 Jahre alten schwarz-weiß Streifen fallen zu lassen, während man dabei selbst in einem Stück Geschichte sitzt (was man halt sitzen nennt - auf diesen Folterstühlen). Und wenn gleich jemand die Lampen anmachte und eine Durchsage käme: "Letzter Aufruf für Passagiere nach München. Bitte stellen sie das Filmgucken ein." Man würde man sich nicht wundern.

Stand 26.11. gibt es für alle Aufführungen noch Karten. Alle Infos unter thf-cinema.de.

Sendung: Inforadio, 26.11.2021, 06:55 Uhr

Beitrag von Hendrik Schröder

2 Kommentare

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  1. 2.

    Das Programm klingt toll, wobei ich aufgrund der Überschrift gehofft hatte, dass tatsächlich auch der Film "Zurück in die Zukunft" gezeigt wird.

    Ich bin hin- und hergerissen: Einerseits soll man jedweden unnötigen Kontakt vermeiden, andererseits wird man durch diesen Beitrag dermaßen in Versuchung geführt, dass es mir schwer fällt, nein zu sagen.

    Noch für Interessierte zur Info: Aktuell läuft es dort wohl nach 2G, man wird jedoch gebeten, außerhalb des "Folterstuhls" eine Maske zu tragen.
    Wer kein Online-Ticket hat, muss sich vor Ort mit der Luca-App einchecken.

    Sehr schön auch der beschreibende Einzeiler zu "The Shining": "Eingeschneite Schreibblockade mit Axt". Man hat Humor. :-)
    Und wer als Berliner immer noch nicht "Eins, Zwei, Drei" gesehen hat, hat dort mal wieder die Gelegenheit in einem geschichtsträchtigen und zum Filminhalt passenden Ambiente.

  2. 1.

    Gottesdienste finden in aller Regel vor anderer Schallkulisse statt, dazu sind die Kirchen fast ausnahmslos anders und filigraner gebaut. Hier aber, in der Empfangshalle des zu NS-Zeiten gebauten Flughafens als gewaltiger Mosaikstein in der Welthauptstadt-Germania-Planung, hier wurde der Schall anders eingesetzt. Mich wundert, dass darüber kein Empfindung herrscht.

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