"Sounds of Berlin" im Konzerthaus - "Ein Paradies für Komponisten"

Fr 26.11.21 | 16:57 Uhr | Von Hans Ackermann
DJ Ipek Ipekcioglu (Quelle: Philippe Frese)
Audio: Inforadio | 25.11.2021 | Hans Ackermann | Bild: Philippe Frese

Beim "Sounds of Berlin"-Festival versammeln sich die Klänge der Stadt - von zeitgenössischen Orchesterwerken über Jazz bis zur Club-Musik. Der Intendant des Konzerthauses sieht in dieser Mischung auch ein Modell für die Zukunft seines Hauses. Von Hans Ackermann

Was verbindet die lieblichen Melodien des israelischen Mandolinisten Avi Avital, den avantgardistischen Orchestertumult des "Babylon Orchestra" und die hypnotischen Elektro-Grooves der international erfolgreichen Musikproduzentin DJ Ipek? Es sind allesamt Beispiele für die "Sounds of Berlin" – also die Klänge der Hauptstadt, die in den Clubs und Konzertsälen entstehen. Bis Sonntag kommen diese beim gleichnamigen Festival im Konzerthaus am Gendarmenmarkt nun unter einem einzigen Dach zusammen.

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The Sounds of Berlin

25. bis 28. November 2021

Konzerthaus Berlin am Berliner Gendarmenmarkt

Programm und Tickets für des Festival "The Sounds of Berlin" finden sich auf der Website des Konzerthaus Berlin [konzerthaus.de]

Begegnungen und Experimente

"Die Idee des Festivals ist es, Begegnungen zu schaffen", sagt Konzerthausintendant Sebastian Nordmann. "Mal gucken, was herauskommt." Bei diesem Klangexperiment ist unter anderem die Berliner Jazzpianistin Julia Hülsmann beteiligt, aber auch das hauseigene Konzerthausorchester. Als Spezialist für zeitgenössische Musik steht Emilio Pomàrico bei den Konzerten am Freitag und Samstag am Pult, gespielt wird Musik von Christian Jost und Thorsten Encke.

Die beiden Komponisten haben zum Festival eigens für das Konzerthaus neue Auftragswerke geschrieben. Wird man bei diesen Uraufführungen womöglich einen unverwechselbaren Kompositionsstil erleben? Eine "Berliner Schule", meint Intendant Sebastian Nordmann, gäbe es zwar nicht, durchaus aber einen eigenen Berliner Klang. Die Stadt sei "ein Paradies für Komponisten", die hier immer wieder neue Melodien finden und in ihr Werk einbauen würden.

Der Konzertsaal wird zum transglobalen Club

Der Intendant, der das Haus am Gendarmenmarkt vor mehr als zehn Jahren übernommen hat, freut sich besonders auf das "Babylon Orchestra": "Da werden die Instrumente und die Stile gemixt, es treffen verschiedene Kulturen aufeinander." Klanglich werde es unglaublich spannend, meint Nordmann. "Mal hat man das Gefühl, es spielt eine Bigband, dann ein asiatisches Ensemble, dann wird es wieder klassisch."

Im Anschluss an die orchestrale Weltmusik wird der große Saal dann zum transglobalen Club, in dem DJ Ipek auflegt. Geboren 1972 in München, ist Ipek Ipekçioğlu mit ihrem Programm "Eklektik BerlinIstan" auch außerhalb der Hauptstadt erfolgreich. Sebastian Nordmann ist gespannt, wie diese Musik in einem Konzertsaal klingen wird: "Wir wollten sie einfach mal mit einem Raum konfrontieren, der ganz 'klassisch' ist. Wir alle wissen noch nicht, was uns erwartet, aber das wird ein ganz spannendes Experiment."

Entwurf für das Konzerthaus der Zukunft

Sebastian Nordmann sieht im Festival mit seiner Mischung aus Elektro, Jazz und Orchestermusik ein Modell für ein Konzerthaus der Zukunft. "Die großen Abonnementskonzerte gibt es ja weiterhin, aber es gibt eben auch die Experimente." Am liebsten möchte der Intendant sein Haus rund um die Uhr offenhalten, dem Publikum "digital oder analog zur Verfügung stehen" und damit seine Ideen, was klassische Musik im 21. Jahrhundert sein kann umsetzen. Das Festival ist dafür der erste Schritt, vieles aus dem Programm wird auch im Livestream zu erleben sein.

Sendung: Inforadio, 25.11.2021, 13:55 Uhr

Beitrag von Hans Ackermann

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