Interview | Zweite Staffel "Warten auf'n Bus" - "Ich wollte nicht der Anwalt des Ostens sein"

So 07.11.21 | 12:05 Uhr
Warten auf´n Bus - Vulkano (13.11.21, 22:45)
rbb/Senator Film Produktion
Audio: Inforadio | 03.11.2021 | Alexander Soyez | Interview mit Felix Kramer | Bild: rbb/Senator Film Produktion

Ralle und Hannes sind zurück und philosophieren wieder an einer Bushaltestelle im tiefen Brandenburg. Im Interview spricht Hauptdarsteller Felix Kramer über die zweite Staffel "Warten auf'n Bus" und was es mit Ost- und West-Befindlichkeiten auf sich hat.

rbb: Herr Kramer, die zweite Staffel "Warten auf'n Bus" kommt jetzt ins Fernsehen und steht natürlich auch in der ARD-Mediathek. Ist in der zweiten Staffel noch mal was anders als in der ersten Staffel - gab es da eine andere Marschrichtung?

Felix Kramer: Wir haben versucht, das, was funktioniert, und das, was uns wichtig ist, aus der ersten Staffel, mit rüberzunehmen. Für mich ist das in erster Linie dieser doch schon zärtliche Blick auf die Leute, auf die Figuren der Serie. Die erste Staffel war so herbstlich, novemberlich und winterlich. Da wurde was abgeschlossen und rückblickend Dinge verhandelt. Das Warten an der Bushaltestelle wurde wie so eine Art Stillstand zelebriert.

Bild zur Serie: Warten auf´n Bus (4): Kopp hoch!, Quelle: rbb/Senator Film Produktion
rbb/Senator Film Produktion

Zweite Staffel - "Warten auf'n Bus"

Die sieben neuen Folgen der zweiten Staffel der rbb-Koproduktion "Warten auf'n Bus" sind seit dem 6. November in der ARD-Mediathek zu sehen sein. Das rbb Fernsehen strahlt alle Folgen am 13. November ab 20.15 Uhr am Stück aus.

Die zweite Staffel ist eine frühlingshafte, sommerliche Staffel. Die Figuren werden aktiver und versuchen aus diesem nachdenklichen, aus diesem rückblickenden, ständigen Aufarbeiten der Vergangenheit in die Aktion zu kommen. Bis sie die Vergangenheit wieder einholt und man wieder konfrontiert wird mit Dingen, die man bis dahin so gelebt hat und so gedacht hat. Ich bin total aufgeregt und gespannt, wie die Leute auf die zweite Staffel reagieren. Was sie dann genau vermissen und was Schönes hinzugekommen ist.

Was war Ihr erster Gedanke, als Sie von dem Projekt gehört haben? Auf dem Papier liest sich das so: Zwei Typen unterhalten sich an einer Bushaltestelle über ihre ostdeutsche Befindlichkeit und über westdeutsche Vorurteile. Das klingt nach einem schwierigen Unterfangen?

Mich haben diese Ost- und West-Befindlichkeiten überhaupt nicht gestört. Das ist für mich klar verortet und hat mit der Vergangenheit der Ostler zu tun. Und es hat was mit dieser Mischung zwischen Ost und West zu tun. Es ist nämlich genau diese Generation, die mittlerweile mehr im Westen sozialisiert ist als im Osten.

Aber wir wissen ja alle, dass die ersten Jahre prägend sind. Mich haben die Dialoge einfach sofort abgeholt, und ich habe die Figuren sofort gesehen. Für mich war das nie Papier. Mich hat interessiert, was den Figuren passiert.

Das ist eigentlich ein Projekt, über das man immer mal so spricht und sagt, man müsste mal was machen, wo eigentlich nichts passiert. Die sitzen da und reden und reden sich um Kopf und Kragen. Und irgendwie entstehen dadurch Bilder und Emotionen wie in Podcasts. Zeit, die wir heute auch haben.

Wir hören momentan gerne Leuten zu, wie sie sich unterhalten, sich nicht verschonen, also die Hosen runterlassen und auch mal was preisgeben. Und das machen die beiden Figuren, und deswegen habe ich gesagt: Das will ich machen.

Zur Person

Felix Kramer (Jahrgang 1973) wurde in Berlin geboren. Seine Ausbildung absolvierte an der Schauspielschule "Ernst Busch". Es folgten Theater-Engagements in Stuttgart und Berlin. Kramer war bisher auch in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen zu sehen: "Zwischen Welten", "Dark", "Letzte Spur Berlin", "Dogs of Berlin" und "Freies Land".

Dass es nicht um das Abarbeiten von Klischees geht, liegt an den Dialogen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man das spielt?

Ich werde häufig gefragt, wie wir das gemacht haben. Kamera und improvisiert? Nein! Auch wenn ich mich in der Rolle von Ralle zuhause gefühlt habe, gibt es eine gewisse Werktreue, auf die man sich verlassen konnte. Am Ende ist es doch auch richtig Arbeit. Es freut mich natürlich umso mehr, wenn es wie improvisiert aussieht. Bordstein, Straße, Haltestelle, Kneipe und Spätkauf, - darauf konnte man sich verlassen. Es hat Spaß gemacht beim Lernen.

Spielt das Erbe unserer Eltern, den Ungesehenen, den Ungehörten, Stimme zu geben, eine Rolle?

Ich wollte mich eigentlich möglichst frei machen und nicht der Anwalt des Ostens sein. Ich habe eine Zeit im Osten verbracht und mir fällt es schwer, das zu idealisieren: Man hat sich immer geholfen und alle waren so sozial. Für mich ist es eher eine Art positive Diskriminierung.

Mich interessieren am Ende die Emotion, die Angst, der Zweifel, die Unsicherheit des abgestellt sein. Und das kann in Bayern genauso passieren, in irgendeinem Kaff. Das Leid und die Sehnsucht sind doch nicht geografisch verortet.

Vielen Dank für das Gespräch!

Dieser Text ist eine gekürzte und redigierte Fassung des Interviews, das Alexander Soyez mit Felix Kramer geführt hat. Das vollständige Gespräch können Sie oben im Beitrag im Audio hören.

Sendung: Inforadio, 03.11.2021, 10:45 Uhr

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