Berlin Circus Festival - Akrobatik, Glühwein und verrückte Finnen

Mo 20.12.21 | 07:31 Uhr | Von Frauke Thiele
Hochseilartisten. Les Filles du Renard Pâle. (Quelle: Ian Grandjean)
Bild: Ian Grandjean

Auf dem Tempelhofer Feld ist am Wochenende die 7. Ausgabe des Berliner Festivals für internationalen zeitgenössischen Zirkus losgegangen. Es ist die erste Winteredition des Berlin Circus Festival. Von Frauke Thiele

Im warmen Lounge-Zelt bei ruhiger Gitarrenmusik und plätscherndem Brunnen mit zwei pinken Flamingos im Wasser lässt es sich gut einstimmen auf die Aufführung, die dann im großen Zirkuszelt beginnt: Eine französische Kompanie mit dem interessanten Namen "Les filles du renard pâles", also "Die Töchter des blassen Fuchses", tritt auf.

Widerstehe und hab keine Angst!

Die französische Kompanie zeigt ihr Stück "Résiste", was widerstehe bedeutet. Das bezieht sich auf ein bekanntes französisches Chanson, in dem es ums Widerstehen gegen Ängste geht, damit das Glück existieren kann. Man solle gegen die Angst antanzen, heißt es in dem Lied.

Das passt prima in unsere Zeit und zur Hochseilakrobatik, findet Josa Kölbel, einer der Festivalleiter: "Denn es ist für uns natürlich eine riesige Erleichterung, endlich wieder vor Publikum spielen zu können. Und das Stück ist eine schöne Metapher dafür: dieser Drahtseilakt, das Balancieren, das Widerstehen gegen Sorgen, Ängste, Verunsicherung und wie großartig es ist, einfach zusammenkommen zu können."

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Witz, Ironie und Muskelkraft und eine gewaltige Stimme

Eine Sängerin singt in dem Stück "Résiste" mit gewaltiger Stimme und im goldenen Glitzerkostüm. Sie zelebriert sich und ihre Partnerin auf dem Hochseil mit Ironie und Witz.

Die Tänzerin trägt hoch oben auf dem Seil anfangs noch einen Mantel und einen Fuchspelz, wirft dann beides aber ziemlich schnell ab. Und sie kämpft elegant mit ziemlich viel Muskelkraft, gegen alle Widerstände an, immer wieder mit komplett überraschenden Momenten, bei denen das Publikum erstarrt.

Begeistertes Publikum, Feuertonne und Glühwein

Die Zuschauer:innen sind begeistert, wie sie mir bei Glühwein, Feuer und vielen Lichterketten nach dem Stück auf dem Festivalgelände erzählen: Es sei aufregend, dass eine Person hoch auf dem Seil Dinge tun könne, die sie selbst auf dem Boden noch nicht einmal tun würden, sagt eine junge Frau. Mitgerissen hätte sie das Stück und auch die Musik, eine andere. Und alles sei so locker rübergekommen, erzählt ihr Freund.

Aufbau in wenigen Tagen und ein eigenes Restaurantzelt: ein kleiner Traum

Lange war nicht klar, ob das Berlin Circus Festival überhaupt seine erste Winteredition starten kann. Der kulturelle Lockdown stand im Raum. Dann gab es endlich doch grünes Licht: das Lounge-Zelt, das große Zelt für die Aufführungen und ein eigenes Restaurant-Zelt wurden in nur wenigen Tagen mit viel Anstrengung vom ganzen Team aufgebaut.

Auf das Restaurant ist Johannes Hilliger, der zweite Festivalleiter, besonders stolz: "Das ist ein kleiner Traum, der für uns wahr geworden ist! Gerade über die Weihnachtsfeiertage."

Verrückte Finnen: Ski- und Schlittenfahren im Zelt

Neben der gemütlichen Atmosphäre und weihnachtlich-festlicher Stimmung gibt es jede Menge hochkarätigen, modernen Zirkus aus ganz Europa beim Berlin Circus Festival zu sehen: Zum Beispiel das Stück Mad in Finland, das schon seit über zehn Jahren durch ganz Europa und jetzt endlich erstmals auch in Berlin Station macht.

Das freut Josa Kölbl ganz besonders: "Ein Stück ist von sieben finnischen Artistinnen, die sich bei ihrem Tournee-Leben nach ihrer finnischen Heimat gesehnt haben: natürlich nach der Sauna, natürlich nach dem Schnee, was sehr gut zu dieser Winterzeit passt. Das alles verbinden sie mit atemraubender Akrobatik."

Nur so viel sei verraten: auch Schlitten und Ski wird bei Mad in Finland im Zelt gefahren. Also Überraschung pur rund um Weihnachten, bei der 1. Winteredition des Berlin Circus Festival!

Sendung: Abendschau, 17.12.2021, 19:30 Uhr

Beitrag von Frauke Thiele

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