Medienbericht - Berliner Komiker Mirco Nontschew gestorben

Sa 04.12.21 | 14:41 Uhr
Archivbild: Mirco Nontschew am 23.11.2010. (Quelle: imago images/Raimond Müller)
Bild: imago images/Raimond Müller

Der Berliner Komiker, Schauspieler und Musiker Mirco Nontschew ist einem Medienbericht zufolge tot. Wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Nontschews Manager Bertram Riedel am Samstag berichtet, starb Nontschew im Alter von 52 Jahren.

Nontschew wurde 1993 bekannt als Gründungsmitglied des Ensembles der Comedyshow "RTL Samstag Nacht", zuletzt hatte er Erfolg in Michael "Bully" Herbigs Sendung "LOL: Last One Laughing".

Die Polizei äußerte sich auf Anfrage von rbb|24 nicht konkret zu dem Namen. Sie bestätigte aber, dass am Freitagnachmittag ein 52-Jähriger tot in einem Berliner Mehrfamilienhaus aufgefunden worden sei. Sie habe, wie üblich in solchen Fällen, ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Bisher gebe es keine Hinweise auf ein Fremdverschulden, sagte eine Sprecherin.

Weitere Informationen zur Todesursache sind nicht bekannt. Nontschews Familie bat nach Angaben des Managers um Rücksichtnahme.

Prime Video stellt Stars der dritten Staffel der Amazon Original Erfolgsshow "LOL: Last One Laughing" vor. Anke Engelke, Michelle Hunziker, Palina Rojinski, Carolin Kebekus, Hazel Brugger, Christoph Maria Herbst, Mirco Nontschew, Abdelkarim, Axel Stein und Olaf Schubert müssen sich diesmal das Lachen verkneifen. (undatierte Aufnahme). (Quelle: dpa/Frank Zauritz)
Breakdancer, Beatboxer, Musiker, Komiker, Synchronsprecher: Mirco Nontschew (Mitte) beherrschte die Kunst des Klamauks virtuos. Hier im Kreis der "LOL"-Kolleginnen und -Kollegen. | Bild: dpa/Prime Video/Frank Zauritz

Mit der Kraft des Gummigesichts

Geboren wurde Mirco Nontschew 1969 in Ost-Berlin, als Sohn eines bulgarischen Musikers und einer deutschen Journalistin. Er lernte Schlagzeug und Klavier zu spielen und wurde in den 1980er-Jahren durch den Hip-Hop sozialisiert. Nontschew trat in der DDR als Teil der Gruppe "Downtown Lyrics" als Breakdancer und Beatboxer auf. Die Fähigkeit, Geräusche perfekt zu imitieren und seinen drahtigen Körper wie ein Instrument einzusetzen, stellte er später als Comedian unter Beweis. Wenige Monate vor dem Mauerfall siedelte er in die Bundesrepublik über.

Bei einer Geburtstagsparty von Frank Zander lernte Nontschew den Fernsehproduzenten Hugo Egon Balder kennen. Der engagierte ihn 1993 für die neue RTL-Sendung "Samstag Nacht", neben Ensemblemitgliedern wie Olli Dittrich, Wigald Boning, Esther Schweins oder Stefan Jürgens. Nontschew spielte Rollen wie "Märchen-Man", mit ihrem anarchischen, grellen Humor beeinflusste die Gruppe eine ganzen Generation von TV-Zuschauern - und Comedians, die ihnen nach dem Ende der Show 1998 im Fernsehen folgten. Ohne ein Wort zu sagen, nur mit der Kraft seines Gummigesichts, konnte Nontschew Gelächter auslösen, für das andere Kollegen angestrengte Stand-Up-Nummern brauchten. Er hatte, was man nicht lernen kann.

Comeback in diesem Jahr mit "LOL"

2001 bekam Mirco Nontschew mit "Mircomania" eine eigene Show auf Sat 1, er stürzte sich in Sketchen von Klippen, imitierte den Lebenslauf einer Eintagsfliege. 2004 und 2006 spielte er in Otto Waalkes' "7 Zwerge"-Komödien den Wicht Tschakko, mehr als zehn Millionen Menschen sahen sich das im Kino an. Für seine Arbeit wurde Nontschew unter anderem mit dem Bambi, dem bayerischen Fernsehpreis und dem deutschen Comedypreis ausgezeichnet. Neben seinem Beruf als Comedian arbeitete er immer wieder auch als Synchronsprecher von Kinofilmen.

Sein Privatleben schirmte er dabei stets ab, Interviews gab er kaum. Nach weniger erfolgreichen Jahren feierte Mirco Nontschew zuletzt wieder ein Comeback: In der Spielshow "LOL: Last One Laughing" treten Comedians gegeneinander an, indem sie sich kurze Auftritte präsentieren. Wer zuletzt lacht, gewinnt. Die dritte Staffel hatte Nontschew mit dem Team gerade abgedreht, sie soll im Frühjahr 2022 ausgestrahlt werden. Nun ist der Mann, der so viele zum Lachen gebracht hat, gestorben. Er hinterlässt zwei Töchter.

Sendung: Radioeins, 04.12.2021, 15 Uhr

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