Serie "Eldorado KaDeWe" von Julia von Heinz - Eine Frauenliebe im Berlin vor 100 Jahren

Di 21.12.21 | 12:56 Uhr | Von Alexander Soyez
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Bald kann alles vorbei sein: Fritzi (Lia von Blarer) und Hedi (Valerie Stoll, li.) feiern den Augenblick. (Bild: ARD Degeto/rbb/Constantin Film/UFA Fiction/Dávid Lukács)
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Audio: Inforadio | 21.12.2021 | Alexander Soyez | Bild: ARD Degeto/rbb/Constantin Film/UFA Fiction/Dávid Lukács Download (mp3, 4 MB)

Zwischen Freiheitslust und aufkommendem Grauen: In ihrer Serie "Eldorado KaDeWe" taucht Julia von Heinz ab in die wilden 1920er in Berlin - wie schon andere zuvor. Besonders ist Heinz' Fokus auf Diversität und Frauen. Von Alexander Soyez

Direkt aus den Schützengräben des ersten Weltkriegs kehrt Harry Jandorf, Sohn des KaDeWe-Chefs, nach Berlin zurück. Dort landet er inmitten einer Welt, in der es zwar nur noch wenige Männer gibt, die aber immer noch die Männlichkeit verherrlichen. Die Frauen versuchen währenddessen, sich zwischen Überlebenskampf und neuem Selbstbewusstsein zu arrangieren.

Joel Basman als Jandorf Sohn Harry ist eine der vier Hauptfiguren in Julia von Heinz’ sechsteiligem Ausflug in die 1920er Jahre. An seiner Seite kümmert sich Damian Thüne als KaDeWe-Ko-Direktor Georg um harte Zahlen und Bodenhaftung, während Harry aus einem Kaufhaus einen Luxustempel machen will. Vervollständigt wird das zentrale Figuren-Quartett durch die Verkäuferin Hedi und Jandorf Tochter Fritzi, mit deren gemeinsamer Hoffnung auf Liebe und ein anderes Leben.

Schaufenster in die Welt der Schönen und Reichen

Die vier Freunde stehen für reich und arm, für Pioniergeist und Zwänge, und der Travestie-Club Eldorado und das KaDeWe-Schaufenster in die Welt der Schönen und Reichen für die Hoffnungen dieser Zeit. Vor allem an diesen beiden Sehnsuchtsorten treffen die Vier mit ihren Erwartungen immer wieder aufeinander, hier werden Träume wahr - oder zerplatzen: ob nun durch Aufschwung oder Hyperinflation im Geschäftsrausch oder durch Feier-Rausch oder Polizeirazzien im Nachtleben. Später kommen Judenvertreibung und Nazis hinzu, die jede freie Entfaltung als abartig austreiben.

Es gelingt Julia von Heinz in ihrem ersten Serienprojekt zwar nicht ganz, diesen großen Erzählbogen konsequent durchzuhalten. Umso stärker erzählt ist dafür die tragische, aber wunderschön selbstverständliche Liebesgeschichte zwischen Lia von Blarer und Valerie Stoll als Fritzi und Hedi, die das eigentliche Herz der Serie ist.

Selten wird der Bogen ins Jetzt geschlagen

Die Serie ist ein bisschen Roaring Twenties, ein bisschen Kaufhaus- und Konsum-Historie, dazu gibt es Sex, Drugs und Inga-Humpe-Songs und immer wieder Brechtsche Momente, wenn im Hintergrund das heutige Berlin mit seinen Autos und Menschen zu sehen ist.

Man gewöhnt sich daran, obwohl nur selten wirklich ein Bogen ins Heute geschlagen wird, wenn zum Beispiel ein im AFD-Blau gehaltenes Wahlplakat über einem der NSDAP an einer Laterne hängt. Meistens aber hat man eher den Eindruck, dass es dabei nicht nur um Stil, sondern auch Kosten ging, und dass Julia von Heinz zwar viel von ihrer Vision unterbringen konnte, dafür aber auch ein paar Abstriche machen musste.

"Eldorado KaDeWe" ist nicht der ganz große mitreißende TV-Rausch, kein neues "Babylon Berlin", aber der Fokus auf Diversität, auf Frauen, auf weibliche Leidenschaft im Gefüge der historischen Feier- und Luxus-Metropole Berlins ist dennoch sehenswerte Unterhaltung aus einem spannenden Blickwinkel.

Sendung: Inforadio, 21.12.2021

Beitrag von Alexander Soyez

1 Kommentar

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  1. 1.

    Eine sehr schöne Serie, allerdings hätte man darauf achten sollen die Kulissen der originalen Zeit anzupassen.

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