Dior-Schau im Kunstgewerbemuseum Berlin - Eine Ausstellung, um daraus Inspiration zu saugen

Do 16.12.21 | 13:14 Uhr | Von Antje Bonhage
Eine Person hält eine Dior Tüte in der Hand (Bild: dpa/Gerald Matzke)
Audio: rbb Kultur | 16.12.2021 | Antje Bonhage | Bild: dpa/Gerald Matzke

Den Stempel "New Look" bekam die Mode Christian Diors schon Mitte der 40er Jahre verpasst. Mittlerweile hat das Modehaus Legendenstatus. Einblicke und Draufblicke auf die Geschichte Diors bietet eine Ausstellung im Kunstgewerbemuseum Berlin. Von Antje Bonhage

Vor genau 75 Jahren, am 16. Dezember 1946, eröffnete der Modeschöpfer Christian Dior sein Atelier in Paris. Schon seine erste Kollektion war ein großer Erfolg und so wurde "Dior" eine der bekanntesten französischen Modemarken. Einen Einblick in die Geschichte des Modehauses gibt nun eine neue Sonderausstellung im Kunstgewerbemuseum in Berlin – in Kooperation mit der privaten Hochschule Macromedia. Neben frühen Modellen von Christian Dior sind auch Kreationen seiner Nachfolger zu sehen. Demgegenüber stehen Arbeiten von Studierenden, die sich mit der Mode von Dior auseinandergesetzt haben.

Aus schwarzem Stoff mit Schluppe

Da ist zum Beispiel das zweiteilige Nachmittagskleid "Mylord" aus der "Ligne Ailée", der Flügel-Kollektion. Christian Dior hat dieses Kleid Ende der 1940er Jahre entworfen, als seine Mode bereits als "New Look" gefeiert wurde. Ein Kleid aus schwarzem Stoff mit Schluppe, hochgeschlossen bis zum Hals, von der rechten Schulter und der Hüfte läuft jeweils eine diagonale Knopfleiste hinab.

Katrin Lindemann, die Kuratorin der Ausstellung, gefällt vor allem der Schnitt des Kleides. "Mylord" ist ihr Lieblingsstück in der Sammlung. Auf den ersten Blick sehe es wie ein schlichtes Kleid aus einfachem Kreppstoff aus. Bei genauem Hinsehen aber könne man jedoch erkennen, wie außergewöhnlich der Schnitt mit den beiden Knopfleisten sei. Der Tascheneingriff an den Seiten, an denen sich der Oberstoff leicht wellt, gebe dem Modell noch einen zusätzlichen Reiz", so die Kuratorin.

Dior und der neue Look: weiblich, opulent, verschwenderisch

Insgesamt neun Kleider - Tages- und Abendkleider - Röcke und Mäntel von Christian Dior selbst sind ausgestellt. Er hat sie zwischen 1948 und 1955 entworfen. Typisch für seinen neuen Look sind die schmal geschnittenen Schultern, die enge Taille, die Betonung von Busen und Hüften und der oft weit ausladende wadenlange Rock. Christian Dior verwendete teure Stoffe und Applikationen, er brachte Weiblichkeit und Opulenz in die Mode – und in die Nachkriegszeit, die von Kargheit und Sparzwang geprägt war. Für das Verschwenderische wurde Dior zuweilen kritisiert.

Yves Saint Laurent: frischer Wind, von der Jugend inspiriert

Nach seinem plötzlichen und frühen Tod im Jahr 1957 übernahm zunächst Yves Saint-Laurent das Modehaus. Dessen Ansatz war noch revolutionärer, erklärt Katrin Lindemann.

Saint-Laurent habe sich viel stärker an der Jugend und an deren Straßen-Outfit orientiert. Die Taille der Modelle von Yves Saint Laurent war kaum noch betont, die Kleider wurden deutlich kürzer. Fünf von Saint Laurent für Dior entworfene Kleider sind in der Ausstellung zu sehen. Darunter ein verspieltes eierschalenfarbenes Abendkleid von 1958, das einst – wie auf einem Foto am Rande der Ausstellung zu sehen ist - die Hollywood-Schauspielerin Olivia de Havilland trug. Sie gehörte zur Stammkundschaft von Dior.

Die Ausstellung

Kunstgewerbemuseum: "How to Dior. Christian Dior und seine Nachfolger*innen" © Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker
Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker

How to Dior Christian Dior und seine Nachfolger*innen

Die Ausstellung läuft vom 17. Dezember 2021 bis 26. Juni 2022

Kunstgewerbemuseum
Kulturforum
Matthäikirchplatz
10785 Berlin

Bohan, Ferré, Galliano: Unterschiedliche Modeschöpfer prägen das Label Dior

Weitere Modeschöpfer übernahmen und prägten das Label: Marc Bohan mit seinen schlichten, aber eleganten sogenannten "Slim Looks" und skulpturalen Silhouetten. Gianfranco Ferré mit reicher Ornamentik und leuchtenden Farbenden. Schließlich der Brite John Galliano, dessen eigene exzentrische Modemarke 1996 vom Hause Dior übernommen wurde.

In der Ausstellung ist ein von Galliano für Dior entworfener hellblauer Jeansanzug aus dem Jahr 2005 zu sehen, ein zweiteiliges Kostüm, dessen Jacke vorn den Anschein einer Weste hat und von deren Schultern kleine Puffärmel abgehen. John Galliano habe den Jeansanzug bereits in den 1990er Jahren für sein eigenes Label kreiert, es dann aber für Dior "quasi wiederbelebt", so die Kuratorin.

Genderfluidität: Studierende mit eigenen Modekreationen

Die Kleider aus dem Hause Dior sind im zweiten Stock des Kunstgewerbemuseums ausgestellt. Hinter Glas und in gedimmtem Licht, um die Stoffe zu schonen. Zwei Ebenen tiefer, im Erdgeschoss, befinden sich die Kreationen von Studierenden der Hochschule Macromedia. Erstmals habe das Museum derart eng mit einer Hochschule zusammengearbeitet, erläutert Katrin Lindemann. Zehn Professor:innen und über 122 Studierende verschiedener Studiengänge – wie Modedesign, Fashion Management und Kommunikation - seien beteiligt gewesen.

Das Ergebnis: Von Kleidern in Blumenmuster bis hin zu einem Kostüm aus Krawatten, ein Hut aus Straußenfedern – Einfarbiges und Buntes, Fantasievolles und Schlichtes. Zuweilen ist offen, ob es sich um ein Kleidungsstück für eine Frau oder einen Mann handelt. Eine zeitgemäße Genderfludity.

How to Dior: ein Weg, neu, revolutionär und dabei zeitgemäß zu sein

Auch wenn sich kein einheitlicher Stil in den Arbeiten der Studierenden erkennen lässt – alle hätten sich auf ihre Weise mit Dior auseinandergesetzt, sagt Karolin Violante, Professorin für Modedesign an der Hochschule Macromedia. "Ich glaube, 'How to Dior' ist tatsächlich ein Weg, sich das Erbe von Christian Dior anzuschauen, immer wieder aufs Neue daraus zu lernen und dabei immer zeitgemäß zu bleiben." Für Violante liege genau darin das Geheimnis von Dior. „Und das ist es, was wir unseren Studierenden vermitteln wollen“, so die Mode-Professorin.

Der Modedesign-Student Nicolas Wunderlich ist begeistert, was man aus dem Haus Dior "quasi heraussaugen kann an Inspiration". Ihn beeindrucke, was für eine lange und bewegte Geschichte und wie viele verschiedene Modeschöpfer hinter so einem Label steckten: "Das zeigt einfach, wie viel möglich ist im kreativen Bereich."

Sendung: rbb Kultur, 16.12.2021, 7:45 Uhr

Beitrag von Antje Bonhage

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