rbbKultur-Reihe "Was mich leben lässt" - Regisseurin Nicola Hümpel wühlt in der Erde statt in Texten

Mi 29.12.21 | 17:40 Uhr
Regisseurin Nicola Hümpel (Quelle: dpa/Ulf Mauder)
dpa/Ulf Mauder
Audio: rbbKultur | 27.12.2021 | Frauke Thiele | Bild: dpa/Ulf Mauder

"Es war ein Horrorjahr", bilanziert Nicola Hümpel, Regisseurin der Musiktheater-Gruppe "Nico and the Navigators". Wie für viele Kulturschaffende hat Corona auch für sie die Arbeit verkompliziert. Wichtiger Ausgleich: die Natur. Ein Gesprächsprotokoll.

Es war ein Wahnsinnsjahr, ein wirkliches Horrorjahr, weil wir jedes Projekt drei bis vier Mal inszeniert haben. Unser letztes Stück "Empathy for the Devil" zum Beispiel mussten wir mehrmals umplanen [Das Stück hatte kurz vor Jahresende im Radialsystem Premiere, Anm.d.Red.]: von der Orchesterfassung mit großem Konzerthaus-Orchester zu einer Streaming-Fassung, die dann aber auch nicht zustande kam. Und am Ende mussten wir eine Kammerfassung daraus machen. Wir sind sehr erschöpft vom Jahr. Wir haben viele Projekte gemacht und die waren auch alle sehr erfolgreich, aber es war ein wahnsinnig anstrengendes Jahr!

Langsam auslaufen wie ein Hochleistungssportler

Man muss also erstmal wie bei einem Hochleistungssportler langsam auslaufen, runtertrainieren. Meistens macht man das mit Aktivitäten: viel Laufen und Spazierengehen und bei uns [Nicola Hümpel lebt und arbeitet mit dem Bühnenbildner und Designer Oliver Proske. Sie haben auch "Nico and the Navigators" 1998 gemeinsam gegründet, Anm.d.Red.] ist es dann ganz klar immer auch die Fahrt in unsere Datsche aufs Land und: Natur!

Wir haben in der Nähe vom Oberuckersee, in Melzow in der Uckermark, eine Datsche. Da fahren wir hin und werden uns wieder ein wenig zurückbesinnen: statt in Texten und Musiken in der Erde wühlen. Das sind zwei völlig unterschiedliche Geschwindigkeiten. Auf dem Land tickt die Zeit anders, und man hat die Chance nachzudenken über das, was wir im Vergleich zu dieser gesamten Evolution sind. Wenn man sich so in Relation zu allem betrachtet, setzt das andere Energien frei und man denkt über das große Ganze nach.

Auf dem Land tickt die Zeit anders

Es gibt viele Spazier- und Wanderwege um die Seenplatten und durch Wälder. Selbst im leichten Nieselregen zieht man sich dick an und ist beseelt und beglückt von diesen weiten, fernen Horizonten, dem Licht und der Stimmung.

Wir werden jetzt also mal ein wenig abtauchen und den Kopf frei machen. Denn die Gefahr bei Oliver und mit besteht natürlich immer, dass wir zusammen permanent über die Arbeit sprechen, weil wir das ja auch gemeinsam machen. Deshalb ist es sehr hilfreich, die Zeit auch mit anderen Leuten zu verbringen und andere Themen und Debatten zu haben als nur die eigenen.

Wir hören auch privat viel Musik: ganz vorne Bach, die Goldberg-Variationen. Das ist Musik, die einen einfach erdet, zurückführt und besinnlich macht. Das ist toll! Aber wir hören auch viel Pop und andere Sachen. Und wir tanzen auch gern Silvester, das findet hoffentlich trotzdem statt, in ganz kleinem Rahmen natürlich.

Gesprächsprotokoll: Frauke Thiele

Für viele Menschen sind Hobbys und Liebhabereien eine große Hilfe, um durch die Pandemie zu kommen. In der rbbKultur-Reihe "Was mich leben lässt" erzählen Künstler:innen über ihre Leidenschaften.

Sendung: rbbKultur, 27.12.2021, 08:10 Uhr

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