"Das Beuys" - Berliner Theater Thikwa lotet Joseph Beuys aus

Di 07.12.21 | 14:30 Uhr | Von Anke Schaefer
Pressebild, Thater Thikwa: Das Beuys (Quelle: Morvarid K )
Bild: Morvarid K.

Im Theater Thikwa in Berlin-Kreuzberg, in dem Künstler:innen mit und ohne Behinderung zusammen Theater machen, steht nun das Stück "Das Beuys" auf dem Spielplan. Ein Abend zwischen Theater, Tanz und Performance. Von Anke Schaefer

Fünf undefinierbare Gestalten stehen langsam und mühsam auf, schälen sich ebenso langsam und mühsam aus ihren Mänteln. Es ist wie eine Geburt. Als sie endlich stehen, fragen sie: "Was - ist - Kunst?" Das war die Frage, die Joseph Beuys, dessen 100. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, seinem Publikum, uns allen immer wieder gestellt hat. Und es ist die Frage, die Regisseurin Yuko Kaseki gemeinsam mit vier Schauspieler:innen des Berliner Theaters Thikwa aufgreift.

Yuko Kaseki stammt aus Japan, ist Tänzerin und Performerin. Klar, dass der Abend daher etwas Tänzerisch-Poetisches hat. Die Truppe spielt mit den Requisiten, die Joseph Beuys unverwechselbar machten: Hüte werden aufgesetzt, ein Filzanzug stakst über die Bühne, auf das Fett, das Beuys so gern benutzte, wird angespielt, indem ein beiges, also fett-farbenes Klebeband im Dreieck auf einen Stuhl geklebt wird. Und vielleicht in Anspielung auf die dröhnende Orgelmusik, die Beuys erklingen ließ, traktieren die Thikwas eine Klangwand mit dem Besen.

Wir sind alle Künstler

Torsten Holzapfel verkörpert eine dieser fünf Gestalten, die uns eine Stunde lang auf mit den Beuys’schen Ideen konfrontieren. Es ist ihm eine Ehre, dies zu tun: "Weil wir ja auch alle Künstler sind, freue ich mich, aufzutreten zu dürfen! In jedem Menschen steckt der Wunsch der Verwandlung und jeder will sich präsentieren und zeigen und auch jemanden zeigen, der schon lange gestorben ist." Beuys starb 1986, aber seine Aktionen, seine Auseinandersetzung mit Tod und Sterben, mit der Verletzlichkeit unseres Planeten sind aktueller denn je. Das Thikwa-Team hat das Stück aber "Das Beuys" genannt und nicht "Der Beuys", weil es natürlich auch den Künstler Beuys selbst auseinandernimmt und neu zusammen setzt.

Kunst oder Therapie?

Im Theater Thikwa hat die Frage "Was ist Kunst?" eine ganz eigene Relevanz. Wurde den geistig behinderten Schauspieler:nnen in der Geschichte dieses Theaters doch immer wieder abgesprochen, dass sie Kunst machten. Das sei doch hier eher Therapie oder Soziale Arbeit, fanden manche.

Frage an Yuko Kaseki, die schon viele Jahre mit dem Theater Thikwa zusammen arbeitet: Wer ist denn an den Abenden, an denen "Das Beuys" gespielt wird, von den PerformerInnen auf der Bühne geistig behindert – und wer nicht? "Das kann ich nicht genau wissen. Das ist schwer zu sagen. Was heißt behindert? Ich lerne ganz viel von den Thikwas, weil sie ganz anders sind. Sie haben einen anderen Ausdruck, eine andere Imagination, sie sind ganz, ganz anders."

Tatsächlich zeigt der Abend, wie gut diese beiden Institutionen zusammen passen: Beuys und Thikwa. Beuys hat die Antwort auf seine berühmte Frage einmal so gegeben: Kunst, sagte er, sei der Punkt, aus dem heraus etwas in die Welt kommt. Wenn das stimmt, dann ist dieser Punkt gerade genau hier in diesem Hinterhof-Theater in Berlin-Kreuzberg.

"Das Beuys". Das Stück zum 100. Geburtstag von Joseph Beuys im Theater Thikwa [thikwa.de] in Berlin - Kreuzberg feiert am 8.12. um 20 Uhr Premiere. Es gilt die 2G-Plus-Regel für alle Vorstellungen. Rein kommt nur, wer geimpft oder genesen ist und während des gesamten Theaterbesuchs die Maske trägt.

Sendung: Abendschau, 07.11.2021, 19:30 Uhr

Beitrag von Anke Schaefer

Nächster Artikel