rbbKultur-Reihe "Was mich leben lässt" - Pianist William Youn sammelt mit Leidenschaft Porzellan

So 09.01.22 | 13:13 Uhr
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Archivbild: Der Pianist William Youn. (Quelle: dpa/C. Charisius)
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Audio: rbb Kultur | 07.01.2022 | Antje Bonhage | Bild: dpa/C. Charisius

Gärtnern, Puzzlen, Stricken: Während der Pandemie hat so mancher ein neues Hobby angefangen. Der Pianist William Youn hat eine recht zerbrechliche Leidenschaft entwickelt: Er sammelt Porzellan aus aller Welt. Ein Gesprächsprotokoll.

Mein Interesse an Porzellan wurde bereits in meiner Kindheit geweckt - als meine Mutter eines Tages von meiner Tante ein Service aus Wegdwood-Porzellan bekam. Es waren Teetassen mit einer passenden Teekanne. Mir hat das sofort gefallen. Es war ganz schlicht, aber man konnte sehen, dass es aus einem edlen Material gefertigt war. Und dann glänzte es so schön.

Während meines Studiums in Europa bin ich an den Wochenenden oft über den Flohmarkt gegangen und habe nach kleinerem Porzellan, das mir gefiel, Ausschau gehalten. Inzwischen lebe ich in einer größeren Wohnung, in einem Altbau, und ich finde: Porzellan passt dort gut hinein.

Viel deutsches Porzellan

Ich habe recht viel deutsches Porzellan. Aus Meißen zum Beispiel. Mein Stolz ist ein Meißener Durchbruchteller aus dem Jahr 1750, dem Todesjahr von Bach. Natürlich ist auch KPM, die Königliche Porzellan-Manufaktur in meiner Sammlung vertreten. Ich habe einige Stücke aus den Serien Breslauer Stadtschloss und Potsdamer Stadtschloss. Das ist Porzellan mit Blumenmalerei und einem Gold-Dekor am Rand.

Es muss sehr kompliziert sein, das zu malen. Und es dauert möglicherweise sehr lange. Man kann in dem Dekor die Hingabe der Menschen sehen, die es gemalt haben.

Was mich besonders an altem Porzellan begeistert, ist, dass jedes Stück individuell ist. Es ist natürlich alles Handarbeit. Die jeweiligen Muster wiederholen sich zwar, aber auf sehr kreative Weise. Denn wie letztlich die Muster zusammengestellt wurden, lag in der Entscheidung des jeweiligen Malers.

Zeitlos und zerbrechlich

Und dann begeistert mich natürlich auch die Schönheit. Das Zelebrieren der Schönheit im Porzellan. Wenn ich ein Service auf einem Tisch sehe, habe ich das Gefühl, wir zelebrieren die Schönheit des Porzellans beim Essen. Der Esstisch ist ein Ort, an dem ich mit Freunden etwas Schönes teile. Und ein schönes Porzellan macht ein gemeinsames Abendessen noch viel schöner.

Während der Pandemie hatte ich immer wieder Zeit, mich auch mit der Geschichte des Porzellans zu beschäftigen. Ich habe viel über die einzelnen Häuser und Porzellanmanufakturen gelesen. Ich habe unter anderem auch etwas über das beliebte Zwiebelmuster auf dem Meißener Porzellan gelesen - dass es sozusagen der Durchbruch war. Alle bürgerlichen Familien besaßen es, und es wird auch immer noch produziert. Über diese Zeitlosigkeit kann man nur staunen.

Freude hängt nicht an der Wand

Porzellan ist auch etwas sehr Zerbrechliches. Wie Musik. Jede Musik ist zerbrechlich. Aber ich finde, dass Mozarts Musik ganz besonders zerbrechlich ist.

Ich besitze eine sehr wertvolle Figur aus Meißener Porzellan. Einmal habe ich sie beim Staubwischen aus Versehen umgestoßen und ihre Hand ist kaputtgegangen. Drei Finger sind abgebrochen. Die Figur muss ich demnächst zu einem Restaurator bringen. Und dann ist mir neulich ein Teller von der Wand gefallen und zu Bruch gegangen. Eine Freundin tröstete mich: "Man darf sein Herz nicht in diese Dinge stecken. Schönheit geht am Ende immer verloren", sagte sie. Wahrscheinlich hat sie recht. Die Freude muss man im Herzen tragen - sie hängt nicht an der Wand.

Gesprächsprotokoll: Antje Bonhage.

Sendung: rbb Kultur, 08.01.2021, 17:45 Uhr

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2 Kommentare

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  1. 1.

    Also, mein Enkelkind sammelt Stofftiere.
    Ist das auch eine Schlagzeile wert?

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